Der Text von E.G.B trifft den Nagel auf Kopf. Einfach phänomenal – faszinierend – formuliert. + Wer hier an den Tafeln nicht stehen bleibt, irgendwo zwischen Navarrete und Najera gelegen, ist entweder sehr in Eile, ein Ignorant, oder religiös resp. spirituell völlig unmusikalisch. + Zeit zur Reflektion ist immer vorhanden. + Fotoausschnitt: Portico de la Gloria, 12.24
Wer ruft dich? Pilger
Die Komposition kulminiert wie selbstverständlich
in Gottes Herrlichkeit – auf den Herrn hin
All` dies sehe ich im Vorbeigehen
und dies zu sehen, ist ein Genuß!
doch die Stimme, die mich ruft,
fühle ich viel tiefer in mir.
Die Kraft, die mich voran treibt.
Die Macht, die mich anlockt,
auch ich kann sie mir nicht erklären.
Dies kann allein nur Er dort oben!

Ich wünsche allen Pilgern und Pilgerinnen die nötige Muße, hier ein wenig zu verweilen, ob nun vor Ort auf dem Camino oder jetzt beim Betrachten der wunderbar formulieren Zeilen, zu reflektieren, warum man eigentlich diesen beschwerlichen Weg unternehmen will resp. unternommen hat!
Auch und gerade im Sinne von Don Eugenio Garibay Baños (†2018), der für den spanischen Text verantwortlich zeichnet; in 2018 im Alter von 86 Jahren in der kleinen Gemeinde von Hormilleja, La Rioja, nördlich von Najera, verstorben.
Konklusion
- Wer Staub, Schlamm, glühende Sonne, Starkregen und Stürme ertragen hat!
- Wer sich bewußt ist, dass vor ihm in den Jahrhunderten abertausende Pilger diesen Weg gegangen sind!
- Wer sich unter diesem ’sagenhaften‘ Camino-Sternenhimmel wohlgefühlt hat!
- Wer sich Zeit genommen hat, in den zur Ehre Gottes erbauten wuchtigen Kathedralen zu verweilen, zu meditieren, zu beten, an einem Gottesdienst teilzunehmen!
- Wer mit Fug und Recht und Freude Riojas Wein und Galiciens Meeresfrüchte genossen hat!
- Wer sich beeindrucken ließ von den traditionell erhaltenen Dörfern.
- Wer sich mit der Geschichte und Tapferkeit Navarras auseinandersetzte!
- Wer über die Story in Santo Dominga de la Calzada schmunzeln konnte!
- Wer den Palast von Gaudi bewunderte, die Burg von Ponferrada durcheilte!
- Wer die Felder Kastiliens in Augenschein nahm!
- Wer tolle Gespräche mit Mitpilgern führen durfte, ihnen behilflich gewesen ist!
Wer das auf 800 km haptisch ertragen, gesehen, erlebt hat, wird nicht umhinkommen zu erklären, warum er den Camino de Santiago letztlich wirklich gegangen, gepilgert ist!
Es steckt mehr dahinter – ganz sicher.
Gott weiß es! Der Herr weiß es!
Der Geist Gottes lässt es dich spüren!
– ganz sicher –

Und dennoch
Bericht eines Pilgers aus 2026
Wenn ein a-religiöser Wanderer die Infrastruktur des christ-katholisch grundierten Camino de Santiago nutzt + Hape Kerkeling als Vorbild nimmt + Emotionen am Cruz der Ferro zeigt +
Interessant, wie manche Pilger diesen Abschnitt mit diesem speziellen Eisenkreuz als ihren emotionalsten Moment ihrer Jakobswegtour beschreiben (wie ich), gleichwohl alles Religiöses aussparen, wie S. G., dessen Erlebnisse aus 2026 auf dem Camino Frances es dem Lokalteil des Weser-Kuriers wert waren, darüber fast ganzseitig zu berichten (ich hatte zwei Berichte im WK in 2007 und 2012) +
Warum erwähne ich das? Zunächst der Hinweis des Protagonisten auf seine Motivation Stichwort: Hape Kerkeling (für mich nach wie vor unverständlich); sein konsequentes Weglassen irgendwelcher religiöser und/oder spiritueller Gefühle; kein Hinweis darauf, nur eine der abzig Kirchen am Weg überhaupt betreten zu haben, auch kein Verweis und Blick zum Schluss seiner Reise auf die Kathedrale von Santiago de Compostela, nur der Hinweis auf die Urkunde +
Aber: so ganz dürfte der Protagonist seine über Jahrhunderte hinweg jüdisch-christlich geprägte Herkunft nun doch noch nicht vollends vergessen haben: Stichwort Cruz de Ferro. Sein emotionalster Moment seiner Reise + Er fragt sich, warum die Pilger seit Jahrzehnten (korrekt: seit Jahrhunderten) dort ein Steinchen ablegen? + Vielleicht, um dort eine Last abzulegen? Welche Last, fragt er sich nicht + „Oder einfach für etwas, das nicht länger mitgetragen werden soll.“ + Auf die Idee zu kommen, dass jene Pilger ihrem Herrgott (für was auch immer) danken wollten, ist er offenbar nicht gekommen + Einige Pilger hätten dort nur wenige Sekunden gestanden, andere geweint, gelächelt. + „Ich habe das als sehr bewegend empfunden“, so der Protagonist. + Warum bewegend empfunden? + Letztlich inkonsequent ohne tiefergehende Reflektion? Für ihn als ein back home tätiger Coach und Mediator sollte Nachfragen, Insistieren doch eine Selbstverständlichkeit sein, oder?