Betrachtungen zum 25. Juli 2026 + Nicht der Weg ist das Ziel + Das Ziel ist das Grab des Apostels + Botafumeiro

So die Intention des Peregrino autentico. + So auch meine Empfindungen der Jahre 2006 bis dato. + Im Dezember 2024 dann der große Schock für mich: der kahle Monto do Gozo, das geschlossene Westportal der Kathedrale, die Einlasskontrollen. – Bitte scrollen.

Christliche Pilger sind auf ein Ziel fokussiert

Beim Camino de Santiago ist es das Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela. + Das Ankommen in Santiago hat seine Bedeutung: einerseits das gewollte Ende einer langen christbezogenen Wanderschaft, andererseits spiegelt sich in ihr unsere Pilgerschaft auf der Durchreise hin zum Ende unseres Lebens, an dem der Herrgott steht.

  • Der Berg der Verklärung, versinnbildlicht mit der Kathedrale von Santiago,
  • steht für die Sehnsucht nach einer zukünftigen Welt,
  • in der keiner mehr weinen muss, außer vor Freude.
  • Was bleibt, sind die Bilder eines Himmels, der sich zuweilen öffnet.

Betrachtung Papst Benedikt XVI. + Ihr werdet meinen Kelch trinken

Dieser Jakobus [der Sohn des Zebedäus, auch Jakobus der Ältere genannt] gehört zusammen mit Petrus und Johannes zur Gruppe jener drei bevorzugten Jünger, die Jesus an bedeutenden Augenblicken seines Lebens teilnehmen ließ […] Er durfte, zusammen mit Petrus und Johannes, an der Stunde der Agonie Jesu im Garten Getsemani und am Ereignis der Verklärung Jesu teilhaben. Es handelt sich also um Situationen, die sehr verschieden voneinander sind:
Im einen Fall erlebt Jakobus zusammen mit den beiden anderen Aposteln die Herrlichkeit des Herrn, er sieht ihn mit Mose und Elija sprechen, er sieht in Jesus den Glanz der göttlichen Herrlichkeit aufleuchten; im anderen Fall steht er vor dem Leiden und der Erniedrigung, er sieht mit eigenen Augen, wie sich der Sohn Gottes erniedrigt und gehorsam ist bis zum Tod.
Die zweite Erfahrung war für ihn sicherlich eine Gelegenheit, um im Glauben zu reifen und die einseitige, triumphalistische Interpretation der ersten Erfahrung zu korrigieren: Er musste erkennen, dass der vom jüdischen Volk als Triumphator erwartete Messias in Wirklichkeit nicht nur von Ehre und Herrlichkeit umgeben war, sondern auch von Leid und Schwäche. Die Herrlichkeit Christi verwirklicht sich gerade am Kreuz, in der Teilhabe an unseren Leiden.
Dieses Heranreifen des Glaubens wurde vom Heiligen Geist an Pfingsten vollendet, so dass Jakobus, als für ihn die Stunde des höchsten Zeugnisses gekommen war, sich ihm nicht entzog.
Am Anfang der vierziger Jahre des ersten Jahrhunderts ließ König Herodes Agrippa, ein Enkel Herodes’ des Großen, nach dem Bericht des Lukas „einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten“ (Apg 12,1–2) […]
Vom hl. Jakobus können wir also vieles lernen: die Bereitschaft, den Ruf des Herrn anzunehmen, auch wenn er uns auffordert, das „Boot“ unserer menschlichen Sicherheiten zu verlassen; die Begeisterung, ihm auf den Wegen zu folgen, die er uns zeigt, jenseits all unserer illusorischen Anmaßung; die Bereitschaft, mutig für ihn Zeugnis abzulegen, wenn es sein muss, bis zum höchsten Opfer des Lebens.
So steht Jakobus der Ältere vor uns als beredtes Vorbild großherziger Treue zu Christus. Er, der anfangs durch seine Mutter die Bitte ausgesprochen hatte, zusammen mit seinem Bruder neben dem Meister in dessen Reich zu sitzen, war der erste, der den Kelch des Leidens trank, das Martyrium mit den Aposteln teilte.
Quelle: Evangelium Tag für Tag+ „Benedikt XVI. Papst von 2005-2013 + Generalaudienz vom 21 Juni 2006 (© Libreria Editrice Vaticana)

Evangelium nach Matthäus 20,20-28

Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte. Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, 15 und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele

… und Jünger Jesu Christi Jakobus den Älteren. + Auf dem Weg gibt es viele Momente dafür: er verehrt gleichermaßen die überall am Weg auf ihn schauende Gottesmutter und Jungfrau Maria. + Letztlich wird er seinen Blick seinem Herrgott zuwenden, denn: In allen Heiligen, Jakobus wie Maria und den vielen Tausend der vergangenen Jahrhunderte wie der Jetztzeit, die Teil des Leibes Christi sind, wird Gott sichtbar. + Kennt der Jakobspilger die Geschichte des Apostels?

Wie die Pilger / Wallfahrer in St. Peter, Rom, ehrfürchtig die Füße der Figur des Apostels Petrus berühren, in Lourdes in der Grotte von Massabielle andächtig am liebsten den Felsen umarmen möchten, vorsichtig mit der Hand an ihm entlangstreichen,

so zieht es nahezu jeden Pilger hin zur Jakobusfigur hinter den Hochaltar der Kathedrale: mit der Umarmung des Apostels seine gute Ankunft besiegeln, ein kurzes Dankgebet murmeln. Elke und mir war es dreimal vergönnt.

Weihbischof Stefan Zekorn von Münster hat es einmal so ausgedrückt: „Nach langem Unterwegssein anzukommen und einen Heiligen zu finden, der – bildlich gesprochen – darauf wartet, umarmt zu werden, das ist für mich nach wie vor eines der schönsten Bilder für den Himmel, eine heilige Spur zu einer ja eigentlich unvorstellbaren Wirklichkeit. So steht die Konkretheit der Gnadenbilder für die Konkretheit der Zuwendung Gottes.“

Ein Betrachtung von Catholic Daily Reflections vom 25. Juli 2026

„Der heilige Jakobus war der erste der Apostel, der den Märtyrertod erlitt, wie in Apostelgeschichte 12,2 berichtet wird: Unter Herodes Agrippa wurde er mit dem Schwert enthauptet. Herodes wollte damit der sich gerade entwickelnden Kirche einen Schlag versetzen und die Juden besänftigen, die sich gegen Jesus und seine Anhänger stellten.

Jakobus hatte wahrhaftig Anteil am Leiden Christi und opferte sein Leben in Einheit mit seinem Meister. + Auf sein Martyrium folgte die Verhaftung des Petrus, die ebenfalls dazu dienen sollte, den Verfolgern der Kirche zu gefallen.

Doch während Petrus auf wundersame Weise von einem Engel befreit wurde, geschah dies bei Jakobus nicht. + Warum?“

Foto aus 2018. Kathedrale Santo Domingo de la Calzada. Jakobus als Pilger in Front des Seitenaltares mit der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind.

denken wir heute über seinen Eifer, seinen Glauben und seinen Wunsch nach, ein aktives Mitglied im Reich Christi zu sein. Auch wenn er zunächst missverstanden hatte, was dies bedeutete, blieb er bis zum Ende treu. Denke über dein eigenes Verlangen nach Ansehen oder Anerkennung nach. Suchst du Ehre unter anderen, sei es in der Kirche oder in der Gesellschaft? Wenn ja, wende dich dem heiligen Jakobus zu, der letztlich die wahre Mission der Nachfolge angenommen hat. Auch wir müssen aus dem Kelch Christi der selbstlosen und aufopfernden Liebe trinken und bereitwillig auf unzählige Weisen unser Leben hingeben. Nimm dir vor, jede Mission anzunehmen, die Gott dir anvertraut.

die Gott dir anvertraut. Wenn Er dir die Tür zu Führung und Ansehen öffnet, schreite demütig hindurch.

Foto aus 2018. Kathedrale Santo Domingo de la Calzada. Das Altarretabel erzählt das Leben Jesu Christi: Die Verherrlichung des Jesu-Kindes + Das Letzte Abendmahl + Das Leiden Jesu auf dem Kreuzweg. + Jesus, jeweils umgeben von heiligen Frauen und heiligen Männern.

… Wenn Er dich durch die Tür des Opfers und des heiligen Leidens führt, zögere nicht. Gott hat für jeden von uns eine einzigartige und herrliche Mission / Aufgabe – unterschiedlich voneinander, doch gleichermaßen herrlich, wenn sie mit Liebe und Treue angenommen wird.

Gebet. Mein opferbereiter Herr, Du hast Dein Leben am Kreuz freiwillig und vollständig hingegeben und lädst mich ein, in Deine Fußstapfen zu treten. Der heilige Jakobus antwortete mit Mut und trank den Kelch, den Du ihm gereicht hast, bis hin zum Vergießen seines Blutes. Offenbare mir, Herr, die Aufgabe, die Du meinem Leben anvertraut hast, und schenke mir die Kraft, sie von ganzem Herzen anzunehmen. Möge ich wie der heilige Jakobus durch ein Leben in treuer Liebe und Opferbereitschaft an der Herrlichkeit Deines Reiches teilhaben. Jesus, ich vertraue auf Dich.

Für Wallfahrer steht das Gebet im Vordergrund, …

… gerne der Rosenkranz. Bewußt gebetet, nicht heruntergeleiert, vermag er – nomen est omen – Berge versetzen. Mit ihm, dem Rosenkranz, die Stationen Jesu Christi-Leben meditieren, eingedenk des Wissens um die ihn begleitende Gottesmutter, die Jungfrau Maria. Ihr zu Ehren das über 250 x gebetete Ave-Maria, in Lourdes vor der Grotte oder auf den Prozessionen lateinisch, ob von Deutschen, Engländern, Amerikanern, Franzosen, Italienern, Portugiesen, Holländern, Ungarn, Polen, Süd-Amerikanern, et ecetera. Ein erhabenes Gefühl breitet sich dann aus.

Auf dem Camino de Santiago gibt es genügend Stille, …

… Ruhe und damit Zeit, das ist ja der Vorteil des Einzelpilgers, das Ave-Maria wie das Vaterunser zu meditieren, sich  in ein Gespräch mit dem Herrgott einlassen, das durchaus klagend, fragend sein kann.

Der Rhythmus des Gehens bestimmt den Rhythmus des Gebets, und das ist gut so. Wer dies in die Vorbereitung seines Camino de Santiago impliziert, einfließen läßt, der wird den Weg zu Fuß präferieren.

Niemand kann sich dem Zauber des Camino de Santiago entziehen, 

… auch nicht jene sportiven Wanderer, die mit der Kirche nichts am Hut haben. Der Camino bleibt unvergessen. Jeder kann sich von den Worten des Erzbischofs von Santiago, Monsignore Julian Barrio, angesprochen fühlen, zu Papier gebracht in seinem Brief zum Compostelanischen Jahr 2010: 

  • „So ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort, um mit Gott ins Gespräch zu kommen; er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen durch Christus befreit zu fühlen.
  • Und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen. 
  • Die Stille ist der Ort des Wortes Gottes, und der Pilger muss auf dem Weg seiner Pilgerschaft meditieren, wie es auch die Pilger von Emmaus taten.
  • Im Wort Gottes begegnen wir einer Art und Weise, uns verschiedene menschliche Erfahrungen aufzeigen zu lassen auf der Suche nach dem Guten und der Wahrheit, und um die Zusammenhänge zu erkennen.“

Hieronymus Münster, 15. Jahrhundert,…

… in seinem Reisebericht „Ein Nürnberger Arzt auf der Suche nach der Wahrheit“ über Santiago de Compostela: „Wie sehr ist dieser heilige Ort zu verehren, in dem die heiligsten Gebeine des Apostels, die Gott in seinem Fleisch berührten, begraben liegen.

  • Deshalb erstrahlt der große Jakobus in Galicien durch Wunder, und er erstrahlt ebenso an anderen Orten.
  • Lass uns also pilgern – im wahren Pilgergeist:
  • Unterdrückung der Laster, Abtötung des Fleisches, Hervorhebung der Tugenden, Vergebung der Sünden, Buße der Reumütigen, Weg der Gerechten,
  • Liebe zu den Heiligen, Glaube an die Auferstehung, Ferne von der Hölle und Gewährung des Himmelreichs.“
  • Das mag für heutige Ohren befremdlich klingen, in die moderne Sprache übersetzt wird jeder Angesprochene seine positiven Rückschlüsse ziehen können.“

Allen Pilgern gemeinsam ist die Ergriffenheit und Dankbarkeit,…

.. wenn sie dann schlußendlich mit Tränen in den Augen auf dem Praza do Obradoiro vor der Westfassade der Kathedrale des Sant´iago stehen, inmitten anderer Pilger, fremde oder jener, die mit ihnen einige Strecken zusammen gegangen sind, erfüllt vom Erlebten des Weges, ergriffen vom Erreichten …

… bis sie dann endlich die Zeit finden, die phänomenale Treppe zu betreten, langsam und bedächtig hinaufsteigen zum Portico de la Gloria,

die Kathedrale betreten, innehalten, sich bekreuzigen, eine Kerze anzünden.

  • Den tiefen – religiös christ-katholischen – Empfindungen des Peregerino autentico, der nach vielen Pilgertagen erschöpft vor den verschlossenen Haupttoren steht, wird offenbar keine Bedeutung mehr zugemessen.
  • Er muss jetzt halt durch einen Nebeneingang – ganz profan wie ein Touri, stellt sich in der Reihe an, wird gecheckt – mit dem Rucksack darf er schon lange nicht mehr hinein – alles irgendwie emotionlos, fast schon sinnlos.

Später dann im Pilgergottesdienst…

.. wird der Pilger staunend das Schwenken des Weihrauchfasses (Botafumeiro) beobachten, der Nonne lauschen; sie singt mit klarer, hoher Stimme, stimmt die Pilger ein, gibt Informationen zum Ablauf der heiligen Messe, zur Herkunft der Pilger.

Kurzum: die Erhabenheit spüren, die dem Ganzen innewohnt. So mancher kann mit dem parallelen Gewusel, dem ständigen Kommen und Gehen nichts anfangen. Alles sei doch nur Show. Nein. Katholizismus heißt, die Menschen annehmen, so wie sie auch sind: laut, manchmal wenig rücksichtsvoll.

Die heilige Messe direkt am Jakobusgrab – unterhalb des Hochaltars -, die deutsche Pilgerbetreuung macht es möglich (in unserem Fall für vierzehn Pilger), ist, profan ausgesprochen, nicht zu toppen.

In 2018 hatten die Autoren das Glück, in St. Peter (Rom), im Kreis von sechs Wallfahrern einer sogenannten Stillmesse nach dem überlieferten römischen Ritus in den Vatikanischen Grotten am Grab des Apostels Petrus beizuwohnen, der Zelebrant ein junger Professor und Priester.

Foto: Petersdom, nach der Messe.

Mit einem Male ist alle Mühsal vergessen, …

… das stundenlange Gehen, das Drücken des Rucksacks, die Schmerzen, die Fußblasen, die Hitze, der peitschende Regen, die Berge, das Geröll, das vermeintlich sinnlose Dahintrotten, die Gedanken über den vorzeitigen Abbruch, das Schnarchen der Mitpilger, der „Kampf“ um einen Herbergsschlafplatz, das laute Geschnatter auf dem Weg.

Achthundert Kilometer von Navarra durch La Rioja, via Burgos und León, den Provinzstädten von Kastilien-León, durch unendlich scheinende Getreidefelder der Meseta, der heißen spanischen Hochebene, durch das Land der Maragatos, über die Montes de León mit dem Cruz de Ferro, auf dem Camino duro, dem harten Weg nach O Cebreiro, durch mittelalterlich anmutende, verarmte Bauerndörfer ins hügelige, grüne, bewaldete, häufig regnerische Galicien, zum Grab des Apostels Jakobus.

Der Jakobusweg ist besonders. Nirgendwo sonst haben sie diese Emotionen erleben dürfen. Nirgendwo sonst als vor der Kathedrale von Santiago de Compostela ist ihnen klargeworden, was ein Pilgerweg an ihnen bewirken kann. Jetzt, nach der Pilgermesse in der Kathedrale, zählt in der Gesamtschau nur noch die tiefe Dankbarkeit über das Erreichte.