Was veranlasst einen Menschen, ausgerechnet den beschwerlichen Camino Frances über 800 Kilometer von den Pyrenäen aus zu gehen? + Spätestens am Ende, vor der Kathedrale, beim feierlichen Pilgergottesdienst wird es dem Pilger, der Pilgerin, damals wie heute, klar (gewesen) sein, wie Schuppen von den Augen fallen: + FotoAusschnitt: Quelle: s.u. +
„Wir sind in der Welt nur auf der Durchreise,
auf der Pilgerschaft“
„Der Berg der Verklärung steht für die Sehnsucht nach einer zukünftigen Welt.
Im Kontext übertragbar auf Santiagos Kathedrale des Apostels Jakobus
Das Himmlische Jerusalem, manifestiert hoch oben im Deckengewölbe der Kathedrale von Burgos. Für die mittelalterlichen Pilger selbsterklärend, für uns angeblich „Aufgeklärte“ mit Fragezeichen verbunden.
Berg der Verklärung: vgl. auch die Erzählung von der Verklärung (Transfiguration) des Herrn auf dem Berg Tabor (mit ihm Petrus, Jakobus und Johannes) nach Matthäus 17,1-8; Markus 9,2-9; Lukas 9,28-26. + Der Berg gilt als Ort der Gottesnähe und die Verklärung als Beweis für Jesu Göttlichkeit, oft als „Taborlicht“ bezeichnet.

- in der keiner mehr weinen muss, außer vor Freude.
- Was bleibt, sind die Bilder eines Himmels, der sich zuweilen öffnet.“
Quelle: TV-Doku 2003. – Auf der Suche nach Gott –
Der Engel nimmt Maß vom „Neuen Jerusalem“
Die „Neue Welt Gottes“
Das Neue Jerusalem (auch Himmlisches Jerusalem genannt) entspringt einer Vision des Johannes *), Kapitel 21, aus der Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testaments (Apokalypse), wonach am Ende der Apokalypse eine neue Stadt, ein neues Jerusalem, entstehen wird.
Dies geschieht, nachdem der alte Himmel und die alte Erde vergangen sind. + Also am Ende der Zeiten, der Wiederkunft (zweite Parusie) des Herrn Jesus Christus.

Foto: Miniatur aus dem Facundus-Beatus: Der Engel vermisst (Anm.: nimmt Maß) das „Neue Jerusalem“ mit einem Stab oder Schilfrohr.
Außerdem zu erkennen: das Lamm Gottes und je ein Satz von zwölf Figuren, Toren und Steinen. + Facundus, pour Ferdinand Ier de Castille et Leon et la reine Sancha – Madrid, Biblioteca Nacional.
Quelle: commons.wikimedia.gemeinfrei.
Einzeldarstellung des Apostels Johannes. Werk von Camillo Rusconi: Heiliger Johannes, 1705-1711, Marmor, Basilica of San John Laterano, Rom + Sein Wappen links vom Betrachter: der Adler. + Foto aus 2015 + San Giovanni in Laterano.
*) der Apostel Johannes, sog. Lieblingsjünger Jesu, Bruder „unseres“ Apostels Jakobus des Älteren, Sohn des Zebedäus und der Salome, ist der einzige Apostel, der nicht das Martyrium erlitten hat.
Er gilt als der Verfasser des Johannes-Evangeliums; auch die drei Johannes-Briefe werden ihm zugeschrieben. Johannes wurde während der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian (81 – 96 n. Chr.) in die Verbannung auf die Insel Patmos geschickt. Später kehrte er nach Ephesus zurück; dort verstarb er auch.

Die Suche nach Gott
Ich verweise hier auf die Gedanken des „Ungläubigen Robert Ward“, der sich gleichwohl auf den Weg zu den wichtigsten Marien-Wallfahrtsorten gemacht und dabei Santiago de Compostela nicht außen vorgelassen hat. + Mehr über den Schriftsteller – bitte scrollen *)
- Prinzipiell liegt doch allen ernsthaften Pilgern der Gedanke an den Herrn zugrunde,
- die Suche nach Gott.
Einschub
Unwillkürlich schießt mir die Geschichte von Paul Claudel (bitte anklicken)
in den Kopf, der, 18jährig, Anno Domini 1886 zu Weihnachten aus Langeweile die Kathedrale Notre-Dame von Paris betritt eingedenk des sicheren Wissens, sich über den katholischen Glauben lustig machen zu können,
mit dem Ergebnis einer dramatischen Bekehrung durch die Jungfrau und Gottesmutter Maria: das gesungene Ave Maria hatte spontan und unwiderruflich sein Leben verändert + bitte scrollen.

Lourdes. Marien-Wallfahrtsort in den Pyrenäen (2010, 2014, 2018). Ein Ort, der so manche Ungläubigen veranlasst, den Trubel in der Stadt zu vergessen, sich stattdessen mit den Mysterien der Erscheinungen zu befassen, den Glauben zu finden über die Jungfrau Maria zu Jesus Christus, Gottes Sohn in der Dreifaltigkeit (Trinität)
Was der Camino de Santiago, was Lourdes oder Fatima auch mit einem Ungläubigen machen kann, beweist das folgende Zitat des Protagonisten Robert Ward:
- Ich stand in der Kirche, indes die Seemöwen kreuz und quer über den Boden streiften und sich die Wellen unten am Strand brachen,
- und fühlte mich ganz klein angesichts der Tiefe und der Demut der Liebe, die diese einfache Statue geschaffen und hier aufgestellt hatte.
- Anm.: gemeint war die Statue der Muttergottes mit dem Jesuskind Santa Maria de las Arenas in Finisterre …
Finisterre, Dezember 2024.
*) Robert Ward. Pilgerwege eines Ungläubigen. Unterwegs zwischen Santiago, Fatima und Lourdes. 2002, US-amerikanische Ausgabe: Virgin trails. A secular pilgrimage.
Deutsche Ausgabe 2004, Kreuzverlag, Stuttgart. Von mir gelesen Ostern 2004.
Zum Buchautor Robert Ward: Englischlehrer in Japan und Kanada. Journalist für die Los Angeles Times, Chicago Tribune und Globe and Mail.
Von mir Ostern 2004 gelesen, letztlich mitausschlaggebend für unseren Camino Frances in 2006 – neben Paulo Coelhos Werk über seinen Jakobsweg.

Die Sehnsucht nach einer zukünftigen Welt,
umschreibt nichts anderes denn die himmlische Herrlichkeit (allgemein ausgedrückt mit „Himmel“: bei Gott sein, beim Herrn Jesus Christus). + Robert Ward nimmt (in etwa) die Gedanken des oben benannten Verfassers der TV-Doku 2003: – Auf der Suche nach Gott – auf, indem er die wunderbaren Worte findet :
- Seine (die des Pilgers) Sehnsucht ist größer: die auf dem Pilgerweg zu Gott +
- Diesen Schmerz, (…den) das Lamm erschreckt:
- eine Umschreibung für das Lamm Gottes,
- für Jesus Christus, der für uns den Kreuzestod erlitt +
- Dass ich meine Nase gegen die Fenster des Glaubens gedrückt habe:
und dennoch findet der Protagonist sich an Orten wie Lourdes und Santiago wieder.
Martin Luthers Deklamation
resp. seine Aversion gegen das Wallfahren, das Pilgern, vor allem nach Santiago de Compostela (dort könnten auch Hundeknochen liegen, so sein Ausspruch), bringt nur dessen Hilflosigkeit als ehemaliger Augustinermönch zum Ausdruck, die er gegen seine bisherige eine, heilige, katholische und apostolische Kirche vorbringen kann, die er Jahre vor seinem Abfall noch in höchsten Tönen gelobt hat, vor allem als er in Rom weilte.
Heute pilgern (eigentlich wandern sie ja nur, nehmen aber gerne die christ-katholische Infrastruktur in Anspruch) nicht wenige evangelische Theologen nach Santiago, reihen sich ein in den Mainstream mit dem Diktum:
- „Natürlich sei Jakobus nie in Spanien gewesen,
- auf keinen Fall lägen seine sterblichen Überreste in der Kathedrale,
- aber….„