Das Schicksal von María Andreina Mendoza rührt an: stellvertretend für die vielen Pilger, die den Camino gehen, um schwere Krankheiten zu überwinden, um ein Gelübde zu erfüllen und dem Herrgott, der Jungfrau Maria, dem heiligen Jakobus und anderen Heiligen zu danken. Anton Pombo von gronze.com bringt diese Ansätze, den Weg zu gehen, wohlverstanden in Gegensatz zum touristischen Hedonismus.
Was diese Geschichte so auszeichnet, ist die Unbefangenheit, mit der die Protagonistin aus den USA (ursprünglich aus Caracas, Venezuela) über ihre traumatische Krebserkankung spricht. Sie sieht in dem Camino de Santiago, wie ihn Paulo Coelho in seinem Buch Das Tagebuch eines Zauberers in 1987 erstmalig beschrieben hat, ihre Chance, dem Brustkrebs ein Schnippchen zu schlagen; klingt locker formuliert, durchläuft aber eine Dramatik, die ihresgleichen sucht. + Im nachfolgenden die automatisierte Übersetzung aus dem Spanischen +
Ein Buch lesen, Fernweh generieren, selbst einmal den Jakobsweg gehen wollen, ihn sich gedanklich ausmalen, ist das eine.
Jedoch: erst vor Ort lässt María Andreina Mendoza die lebendige Atmosphäre spüren, erahnen, wie es wirklich auf dem Jakobsweg sein könnte. Die Pyrenäen erschienen wie verzaubert + Die Vorstellungskraft nimmt Formen an, sollte schon bald Realität werden +(María Andreina Mendoza hatte zwischenzeitlichsowohl den Marien-Wallfahrtsort Lourdes direkt am Pyrenäenweg als auch St. Jean besucht)
Intermezzo. Es gibt insoweit zu mir eine ganz entfernte Parallelität (die schwere Krankheit ausgeblendet), als dass auch ich – Ende der neunziger Jahre – maßgeblich durch Paulo Coelhos Jakobsweg-Tagebuch inspiriert worden bin; als dass auch ich auf dem Weg dem Herrgott Raum bot, mich zu begleiten, ihm für mein bisher gutes Leben zu danken; als dass auch ich Jahre der Umsetzung gebraucht habe, in 2006 endlich den Camino Frances zu gehen, zu pilgern: zusammen mit meiner Elke: ein kongeniales Paar auf dem Camino, was mich heute noch mit Stolz erfüllt.
Foto aus 2006. Blick auf Astorga vom Crucero de San Toribio (gebaut in Erinnerung an Bischof Toribio, 5. Jh.).

Es lohnt, ihre bewegende Story nachzulesen + Einige wenige Ausschnitte des mit ihr geführten Interviews (Button she. auch unten) genügen, der Dramatik ihres umgesetzten Ansinnens zu folgen (angereichert durch persönliche Erlebnisse des Verfassers der Homepage). Sich immer wieder aufrappeln zu können trotz starker körperlicher Schmerzen und wahrscheinlich auch psychischer Imponderabilien, lässt einen ausgesprochen willensstarken Menschen durchscheinen.
Willensstarke Menschen gehen Risiken ein
Als die Schmerzen der Chemotherapie am ärgsten zuschlugen, reifte in ihr der Plan, ihr Versprechen, werde ich wieder gesund, tatsächlich umzusetzen, sobald ihre Kräfte es einigermaßen zuließen, denn: die Lebenszeit endlich, die Alarmglocken schon am schrillen + In 2023, nach der Pandemie, der erste Schritt mit dem Camino Portugues, 100 Kilometer Kennenlernphase +

Zwei Jahre später im Sommer `25 die Bewährung auf dem Camino Frances: allein, ohne Ehemann, ohne Verwandte als Begleitung, von Saint-Jean-Pied-de-Port aus nach Santiago in 35 Tagen! +
Foto: ausgangs Saint-Jean-Pied-de-Port, Alternative: weiter via Landstraße oder über die Pyrenäen: anstrengend auch bei gutem Wetter
Intermezzo. Mut plus Willensstärke: unabdingbar für Außergewöhnliches – für etwas wirklich Großes zu leisten. Millionen sind den Camino vor uns (zig Wochen lang am Stück) gegangen, Hundertausende gehen ihn aktuell pro Jahr (zwischen einer und fünf bis sechs Wochen), Millionen werden ihnen folgen. So könnte man also meinen, der Camino sei derzeit nicht nur überlaufen, er sei auch nichts Außergwöhnliches mehr, weil in aller Munde + Krasse Fehleinschätzung + Denn: wer und wie viele sind ihn letztlich wirklich gegangen?
Nehmen wir als Bezug die Bevölkerungszahl der EU-27 *) mit derzeit 450,6 Millionen Einwohnern, sodann relativiert sich die Zahl der jährlichen Pilger. Es bleibt eine verschwindend geringe Anzahl von Menschen, die das Risiko des Jakobsweges auf sich zu nehmen. Nimmt man im Vergleich nur einige wenige südamerikanische wie asiatische Länder hinzu, komplettiert durch die USA, Kanada und den siebten Kontinent (Australien und Neuseeland), bewegen wir uns im zu vernachlässigenden unteren Promillebereich. + Es bleibt dabei: Jakobswegwanderer wie der Peregrino autentico vollbringen eine phantastische Leistung, vor allem diejenigen, die in den Pyrenäen starten, sie nehmen bewusst die auf sie zukommenden Imponderabilien des Jakobsweges in Kauf + Insoweit ist die Leistung von María Andreina Mendoza nicht hoch genug einzuschätzen.
EU-Bevölkerung – Statistisches Bundesamt + Bing.com (15.05.26),
Den Jakobsweg gehen – schönste Erfahrung des Lebens
María Andreina Mendoza: „Ich bereue es keine Sekunde, den Jakobsweg gegangen zu sein; es war die schönste Erfahrung meines Lebens. Ich habe den Fehler gemacht, alles im Voraus zu planen, und da ich mir aufgrund meiner körperlichen Verfassung nicht zutraute, meinen Rucksack selbst zu tragen, habe ich einen Gepäcktransportservice genutzt und alle Unterkünfte vor meiner Abreise gebucht. Außerdem habe ich an verschiedenen Orten Ruhetage eingeplant …
… aber der Jakobsweg ändert alles, denn er hat seine eigenen Regeln.“
Foto irgendwo am Camino. Abgelegte Rucksäcke in der Reihenfolge des Eintreffens der Pilger: warten bis die Abergue öffnet, der wichtige Schlafplatz gesichert werden kann.

Die Protagonistin: Man sei ja nie allein. Am Tiefpunkt finde man immer Hilfe und Unterstützung, jemanden, der das teile, was man brauche. Ja, es habe auch Pilger gegeben, denen es schlechter als ihr ergangen sei. Sie erinere sich an eine Begebenheit, offenbar gleich zu Beginn ihrer Tour, dass sie auf einen älteren Pilger stieß, der absolut nicht weitergehen wollte, apathisch am Wegesrand saß. So munterte sie ihn, die selbst völlig fertig war, auf und gemeinsam beschlossen sie, sich bis zum Etappenziel fahren zu lassen: ihre Wasserflaschen leer, der Roldán-Brunnen ausgetrocknet. Aber just in diesem Moment nahte Rettung. Wie aus dem Nichts tauchen zwei Radfahrer auf, reichten den beiden ihre Wasserflaschen, et ecetera ….
Der Jakobsweg gibt Halt
María Andreina Mendoza: „Ihr könnt euch also vorstellen, wie anstrengend der Jakobsweg war. An Tagen, an denen ich Etappen von über 25 km zurücklegte, litt ich sehr, kam viel zu spät an, war völlig erschöpft und wiederholte immer wieder: „Morgen gehe ich nicht mehr!“

… Ich kann es mir nicht wirklich erklären, aber am nächsten Tag ging es einfach weiter.
Die wunderbaren Menschen, die ich traf, halfen mir dabei; sie kümmerten sich alle um mich, als sie sahen, wie schwach ich war.“
Der Jakobsweg gibt Halt. Einschub: Wunderbare Erfahrungen, die sonst nirgendwo zu erleben sind; back home nicht, jedenfalls nicht in dieser Dichte.
Foto: Monte do Gozo, franz. Ehepaar
Wenn sie schon tagtäglich gegen Schmerzen und körperlicher Schwäche angehen musste, wahrscheinlich starke Medikamente dabei hatte, so war ihr wenigstens das Glück des guten Wetters beschieden: nur an einem Tag Regen: traumhaft + Unter fremden Horizont im Morgengrauen den Mond- und Sternenhimmel bestaunen, an anderen Tagen in einen spektakulären Sonnenaufgang hineingehen, der rote Morgenhimmel sich langsam verflüchtigt, reziprok die Sonne ihre Kraft entwickelt, eine Landschaft bescheint, zum Leben verhilft, mag sie fremd, karg oder blühend schön sein; kurzum: traumhafte – energiespendende – nachwirkende Erlebnisse.
Magische Momente + Verbundenheit mit Gott
María Andreina Mendoza: „Es gab viele magische Momente. Castrojeriz war einer meiner Lieblingsorte; dort lernte ich Leute aus Granada und Brasilien kennen, mit denen ich mehrere Tage wanderte. Der Aufstieg zum O Cebreiro war eine weitere Herausforderung; ich brauchte lange, um ihn zu bewältigen. José Manuel und Laurie Dennett erwarteten mich oben. Ich kam um 17:30 Uhr an. Sie waren sehr freundlich zu mir, und wir besuchten gemeinsam mit Pater Paco die Messe.“
María Andreina Mendoza: „Es stimmt, dass ich mich Gott besonders verbunden fühlte. Obwohl ich katholisch bin, praktiziere ich meinen Glauben nicht sehr intensiv, aber ich habe in jeder Stadt, die ich erreichen konnte, die Messe besucht, und am schönsten fand ich den Segen der Pilger.
Ich denke, das sollten wir uns nicht entgehen lassen, selbst wenn wir nicht katholisch oder christlich sind.“
Foto: Estella. Pilgersegen des Pfarrers in mehreren Sprachen.

Gronze stellt eine automatisierte Übersetzung ins Deutsche zur Verfügung.