Pilgerbüro Santiago, 27. Juni 2026: 232.710 registrierte Pilger + 15.466 mehr zum 20.06.26 + 15.164 starteten in den Pyrenäen

Die Frage bleibt: Warum fühlen sich offensichtlich so wenige Menschen von ihrem Camino de Santiago angesprochen, die direkt oder im Dunstkreis des Camino Frances wohnen? Gibt hierüber Untersuchungen? + Der Trend Kurzwanderung verdichtet sich: Camino Portugues Costa (19,95%) + Camino Portugues Central (20,49%) + Immer mehr weibliche Pilger (54,39%) gehen den Camino. + Die Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, da sich nicht alle Pilger in Santiago de Compostela registrieren lassen wollen: kein Interesse an der Urkunde haben, weil abschnittsweise unterwegs, Santiago überhaupt nicht ansteuerten.

Obwohl die Verantwortlichen offenbar alles tun, den Camino de Santiago wieder als spirituellen Fernpilgerweg (ab Navarra) ins Gedächtnis zu rufen, scheinen die betreffenden Appelle (noch) nicht zu fruchten. Der Anteil der PilgerInnen am Wanderweg an der atemberaubenden Küste Portugals nimmt rasant zu; eine bedenkliche Entwicklung, oder? Warum?

Der ursprüngliche Sinn des Jakobsweges, begründet durch die christ-katholischen mittelalterlichen Pilger, das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen, also zumeist aus religiösen Gründen, geht schon seit langem stetig den Bach hinunter, wird gerne auch belächelt, gar offen negiert: „Nein, ich glaube nicht an Gott“ + „Ja, ich bin schon lange aus der Kirche ausgetreten.“ + Noch bis in die frühe Neuzeit hinein stand den Pilgern nicht der Sinn nach touristischen Erlebnissen (Wellnes + Wanderung) + So werden die Portugiesen jener Zeit wohl kaum am Meer entlang gegangen sein; wenn überhaupt, durch das Landesinnere. In 2006, unserem ersten Camino Frances, waren es folgerichtig auch nur 6,4% von 101.056 Pilgern = 6.468 Pilger, die zumeist von Porto, aber auch von Lissabon, aus starteten.

  • Das alle ist sehr schade. Viele Wanderer, die sich Pilger nennen, nutzen alle Facilitäten des christlich konnotierten Jakobsweges, wollen aber mit der Kirche nichts zu tun haben. + Der folgende Vergleich hinkt ein wenig, beschreibt aber in etwa die Situation: Beim Fachhändler sich optimal fachlich beraten lassen, um dann im Internet günstiger zu bestellen. + Das könnte man letztlich doch parasitär nennen, oder?
  • Ich befürworte daher das Ansinnen einiger Verantwortlicher, die Compostela, die Pilgerurkunde erst ab einer gepilgerten Strecke von mindestens 300 km (derzeit 100 km) auszustellen. Dann dürften sich das Problem von allein gelöst haben. +
  • Eine erste Maßnahme wurde bereits beschlossen:

Gesamt: 20. Juni 2026: 215.244 Pilger +

gesamt in 2006: 101.056 Pilger

  • Camino Frances: 92.868 Pilger (43,15%) +
  • gesamt in 2006: 82,09% = 82.955 Pilger
  • Camino Portugues Central: 44.619 (20,73%) +
  • in 2006: 6,4%
  • Camino Portugues Costa: 43.487 Pilger (20,21%) +
  • in 2006: 47 Pilger

Gesamtanteil Camino Portugues 2026: 40,94% + (2006: ca. 6,5%)

Foto aus 12.2024: Muxia. Km-Stein „0“

WEITERE WEGE

Ingles: 11.624 (5,4%) + Primitivo: 8.686 Pilger + Norte: 6.475 + Via de la Plata: 3.5793 + De Invierno: 993 + Muxia Finisterre: 666 + Camino del Baranza: 235 + Camino Mazarabe: 130 + Camino Levante: 94 + Andere Wege: 651 Pilger.

GENERO

Seit 2006 sehr deutliche Verschiebung zu Gunsten der weiblichen Pilger:

  • Männer: 45,51% + gesamt in 2006: 59,21%
  • Frauen: 54,49% + gesamt in 2006: 40,79%

Foto aus 12.2024: Costa da Morte (tote Küste). Muxia.

EINSTIEGSORTE DER PILGER

Gesamt: 215.244 Pilger + Sarria: 28,53% + Tui: 6,74% + Oporto: 6,51% + Oporto Costa: 5,52% + Ferrol: 5,17% + St. Jean: 5,75% + Leon: 3.268 Pilger + Lissabon: 1.265 + Sevilla: 1.070 + Bilbao: 454 + Madrid CF: 311 + Bayonne: 255 + Fatima: 104 + Lourdes 82 + Valencia: 94 + Somport: 78 Pilger + Paris: 53 + Italien: 58 + + Deutschland: 97 Pilger +

SPANISCHE PILGER NACH REGIONEN

Gesamt: 64.023 Pilger + Madrid: 19,90% + Andalucia: 16,88% + Valenciana: 13,07% + Die Bevölkerung aus Asturien und Aragon verspürt mit einem Anteil um jeweils 1,5% offenbar nur wenig Lust zu pilgern, ebenso die Spanier aus Castilla Leon mit 4,52% und La Rioja mit 0,41% und Navarra: 0,69% + Galicia: 7,04% +

Ich denke, es wäre eine Untersuchung wert,

warum so wenige Spanier aus den angrenzenden Camino Frances-Gebieten sich nicht von ihrem Camino de Santiago angesprochen fühlen, an dem doch so viele von ihnen verdienen. + Bsp.: aus Andalusien 16,88% + aus Galicien 7,04%. + Auch wenn man die absoluten Bevölkerungszahlen der Regionen berücksichtigte, bliebe der Anteil der vorgenannten Regionen am CF immer noch unterdurchschnittlich repräsentiert, denke ich.

Die örtlichen Pfarreien Navarras, Aragons, La Riojas und jene aus Kastilien-Leon könnten, soweit noch nicht geschehen, beispielhaft Pilgerwanderungen nach SdC anbieten, mittels dieses Weges ihren Gläubigen auf spielerische Art und Weise das Wissen um das besondere spanische Christentum der ersten Jahrhunderte näher zu bringen *).

Das betrifft die Anwohner Asturiens im Besonderen, ist doch von dort die Re-Conquista 722 n. Chr. gestartet worden mit der Schlacht von Covadonga (Fürst Pelayo), also nur elf Jahre nach der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die moslemischen Berber im Jahr 711 unter Tariq Ibn Ziyad. + Mein Highlight-Erzbischof Isidoro von Sevilla (in Leon begraben); 6.7. Jahrhundert

vgl. auch:

*) Warum schlage ich das vor?

Seit den Besuchen des großen Papstes Johannes Paul II. in 1982, 1984, 1989 und 1993 und seines nicht mindergroßen Nachfolgers Benedikt XVI. in 2006, 2010 und 2011, die teils Millionen Spanier, vor allem junge Menschen, begeistert haben, hat sich gleichwohl das Interesse am Katholizismus seit dem dramatisch verschlechtert. Wie passt das zusammen? + Auch wenn das Wort in diesem Zusammenhang fehlgedeutet werden könnte: es sind schlichtweg Managementfehler aller Beteilgten: Bischofskonferenz, Bistümer, Diözesen, Pfarreien, erst dann die Gläubigen – gegen den Widerstand der Linken.

MOTIVATION DER PILGER

  • Religiös motiviert: 41,54% +
  • 2006 gesamt: 41,66%
  • sonstige (otros, kulturelle) Gründe: 30,69% + 2006: 49,51%
  • unbekannte Gründe: 8,92%
  • nicht-religiöse Gründe: 18,85% +
  • 2006: 8,83%

Foto aus 12.2024: Kirche Muxia. Christi Himmelfahrt (Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit)

Kurzbetrachtung: Wie schon in den Jahren festzumachen, steigt der Anteil der nicht-religiösen Pilger, parallel dazu der Sinkflug kulturell interessierter Pilger und derjenigen Pilger, die keine Gründe angeben (wollen) + kurzum: die Profanierung setzt sich fort.

ALTER DER PILGER

  • Über 65-jährige: 13,61%
  • gesamt in 2006: 4,03 %
  • unter 18-jährige: 11,59%
  • gesamt 2006: 8,94%
  • 46-65-jährige: 39,30%
  • gesamt 2006: 33,46%
  • 18-45-jährige: 35,50% +
  • gesamt 2006: 52,77%

Foto aus 12.2024: Fisterra. Am Ende der Welt.

NATIONALITÄTEN DER PILGER

11.925 deutsche Pilger

64.023 spanische Pilger + US-amerikanische: 21.909 + portugiesische: 12.442 + italienische: 12.798 + koreanische: 3.494 + französische (sehr wenige): 4.295r + niederländische: 3.653 + ungarische: 812 + serbische: 90 Pilger

Iran: 202 Pilger + Indonesien: 186 + Indien: 99 + Süd-Afrika: 651 + Neuseeland: 660 Pilger

Foto aus 12.2024:. Der gekreuzigte Christus. Auf dem Weg nach Muxia.

  • ggfs. mehr Zahlenwerk später, wenn sich die Zahlen verdichtet haben

Prof. Dr. Klaus Herbers: *). Anno Domini 1121 sandte der mohammedanische Almoraviden-Emir Ali ben Yusuf (geb. 1084; Herrscher von 1106 bis 1143) aus dem südlichen Spanien Boten zu der christlichen Königin Urraca von Leon, Galicien und Kastilien (geb. 1080; Regentschaft von 1109-1126).

Foto: Königin Urraca (URAKA REGINA ADEFONSI FILIA CONFIRMAT) dargestellt in einer Miniatur aus dem 12. Jahrhundert. Archivo de la Catedral de Santiago, Tumbo A.

FotoQuelle: commons.wikimedia (18.05.26), gemeinfrei

„Die Boten des Emirs sahen in Navarra die Massen christlicher Pilger (peregrinos christicolas), die nach Santiago und zurück gingen. Deshalb fragten sie einen Mann namens Peter, der ihre Sprache beherrschte:

  • „Wer ist dieser große Mann, den unzählige (innumeri) Christen von jenseits und diesseits der Pyrenäen aufsuchen, um ihn zu verehren?
  • Die Menge der christlichen Pilger, die nach Compostela gehen und wieder zurückkommen ist so groß, dass sie kaum den Weg nach Wester offenlassen (vix patet nobis liber callis ad occidentem).
  • Da wurde ihnen geantwortet, es sei der heilige Jakobus, der Apostel unseres Herrn ….,
  • dessen Leichnam in Galicien begraben liege und den Gallien, England, Latium und Deutschland, alle christlichen Provinzen und besonders Spanien als ihren Patron verehren.

*) Quelle: Vortrag Prof. Dr. Klaus Herbers: Metropolis. Würde des Ortes und Würde des Pilgers. Santiago und Rom im Lauf der Geschichte. Mitgliederzeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft STERNENWEG Nr. 66 aus 2025.26; Seite 16. + Quelle: Historia Compostellana II 50, p. 307-308.