Das Interpretationszentrum Camino de Santiago-Ultreia in der Calle Mayor 20 von Pamplona setzt seine Öffentlichkeitsarbeit den ganzen Sommer über fort und wirbt insbesondere bei Pilgern für den Jakobsweg. + Mehr lesen: bitte scrollen
Nach wie vor stellt sich mir die Frage: Warum fühlen sich offensichtlich so wenige Menschen von ihrem (eigenen) Camino de Santiago angesprochen? Menschen, die direkt oder im Dunstkreis des Camino Frances wohnen, ihn aber selbst nicht gehen? Auch nicht abschnittsweise? Gibt es hierüber Untersuchungen? +
Die unten benannten Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, da sich nicht alle Pilger in Santiago de Compostela registrieren lassen (wollen): kein Interesse an der Urkunde haben; weil abschnittsweise unterwegs; Santiago überhaupt nicht ansteuerten. + Foto aus 2018: Pamplona: Das berühmte Cafe Iruna, Stichwort Ernest Hemingway.
Den navarrischen Jakobsweg bekannter machen
Im Vordergrund: Pilgererlebnisse
Zitat: Das Interpretationszentrum Camino de Santiago-Ultreia in der Calle Mayor 20 in Pamplona setzt seine Öffentlichkeitsarbeit den ganzen Sommer über fort und wirbt insbesondere bei Pilgern für den Jakobsweg.
- In Ultreia können Besucher die Ursprünge des Jakobswegs und
- seine kulturelle und spirituelle Bedeutung über die Jahrhunderte hinweg entdecken.
- Zum Angebot gehört eine audiovisuelle Präsentation, die die Erlebnisse von Pilgern auf dem Jakobsweg schildert.
- Das Zentrum stellt den Stempel für den Pilgerausweis aus.
Das Interpretationszentrum Camino de Santiago-Ultreia ist in drei Hauptbereiche unterteilt. + Der Empfangsbereich verfügt über einen Willkommensraum
- mit einem Touchscreen, der Informationen zum Jakobsweg bereitstellt.
- Der Interpretationsbereich umfasst die audiovisuellen Materialien „Pamplona, die erste Stadt des Weges“ und „Pamplona, Kreuzung“,
- die historische Inhalte zur Stadtentwicklung und ihrer Verbindung zu Pilgerfahrten präsentieren.
- Der Erlebnisbereich „Der Weg der Sterne“ lässt die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts,
- die Blütezeit des Königreichs Navarra, wiederaufleben.
Kommentar: So kann das nicht weitergehen! + Plädoyer für 300 km
Obwohl die Verantwortlichen offenbar alles tun, den Camino de Santiago wieder als spirituellen Fernpilgerweg (ab Navarra) ins Gedächtnis zu rufen, scheinen die betreffenden Appelle (noch) nicht zu fruchten. Der Anteil der PilgerInnen am Wanderweg an der atemberaubenden Küste Portugals nimmt rasant zu; eine bedenkliche Entwicklung, oder? Warum?
Der ursprüngliche Sinn des Jakobsweges, begründet durch die christ-katholischen mittelalterlichen Pilger, das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen, also zumeist aus religiösen Gründen, geht schon seit langem stetig den Bach hinunter, wird gerne auch belächelt, gar offen negiert: „Nein, ich glaube nicht an Gott“ + „Ja, ich bin schon lange aus der Kirche ausgetreten.“ + Noch bis in die frühe Neuzeit hinein stand den Pilgern nicht der Sinn nach touristischen Erlebnissen (Wellness + Wanderung) + So werden die Portugiesen jener Zeit wohl kaum am Meer entlang gegangen sein; wenn überhaupt, durch das Landesinnere. In 2006, unserem ersten Camino Frances, waren es folgerichtig auch nur 6,4% von 101.056 Pilgern = 6.468 Pilger, die zumeist von Porto, aber auch von Lissabon, aus starteten.
- Das alles ist sehr schade. Viele Wanderer, die sich Pilger nennen, nutzen alle Facilitäten des christlich konnotierten Jakobsweges, wollen aber mit der Kirche nichts zu tun haben. + Dazu der folgende Vergleich, der zugegebenermaßen etwas hinkt, beschreibt aber in etwa die Situation: Beim Fachhändler sich optimal fachlich beraten lassen (die Camino-Herbergen der Kirche nutzen), um dann im Internet günstiger zu bestellen (über die Kirche herziehen). + Das könnte man letztlich doch parasitär nennen, oder?
- Ich befürworte daher das Ansinnen einiger Verantwortlicher, die Compostela, die Pilgerurkunde erst ab einer gepilgerten Strecke von mindestens 300 km (derzeit 100 km) auszustellen. Dann dürften sich das Problem von allein gelöst haben. +
- Eine erste Maßnahme wurde bereits beschlossen:
Zahlen 26. Juli 2026
BITTE SCROLLEN
ALTER DER PILGER

- Über 65-jährige: 10,80%
- gesamt in 2006: 4,03 %
- unter 18-jährige: 19,57%
- gesamt 2006: 8,94%
- 46-65-jährige: 27,83%
- gesamt 2006: 33,46%
- 18-45-jährige: 41,80%
- gesamt 2006: 52,77%
Foto aus 12.2024: Fisterra. Am Ende der Welt.
Kommentar: Gesperrter Haupteingang + Eintrittsgebühren für den Portico de la Gloria + Jakobswegfilm mit Martin Sheen
Der alles überstrahlende Jakobsweg-Kinofilm des Jahres 2010 The Way / Dein Weg mit Hollywoodstar Martin Sheen (bekennender Katholik) findet seinen fulminanten Abschluss vor dem Portico de la Gloria.
- Die Protagonisten erklimmen langsam die Stufen zum Portikus der Herrlichkeit. Verweilen vor der Figur des Christus, ihre Blicke gerichtet nach oben, nach unten zu dem auf einem Pfeiler sitzenden Apostel Jakobus.
- Jeder der vier Protagonisten legt seine Finger in die „Jakobussäule“.
- Einer von ihnen, Joost, der Holländer, obschon an sich nur dem Weltlichen zugewandt, fällt auf die Knie, rutscht in die Kathedrale, just so, wie er es den Dreien zuvor aus dem alten Pilgerführer vorgelesen hatte.
- Sarah, die Kanadierin, wie der irische Reiseschriftsteller Jack, er wollte niemals wieder eine Kirche betreten, sind emotional überwältigt. Meditieren in einer der Seitenkapellen vor dem gekreuzigten Herrgott.
Warum also wuchern die Verantwortlichen der Kathedrale nicht weiterhin mit diesem christ-katholisch konnotierten Pfund, das von der Jakobussäule (Pfeiler) ausgeht? Auch wenn es offensichtlich viele der Pilgerwanderer nicht zu interessieren scheint.
Foto aus 2011: Santo dos Croques. Meister Mateo beim Beten.
Warum verwehren die Verantwortlichen der Kathedrale dem Peregrino autentico nach seiner Ankunft, kaputt, aber glücklich, dieses in die Tiefe gehende religiöse Erlebnis, das niemals eine touristische Führung wettmachen kann? Unfassbar un-katholisch!
WARUM?

The Way. Dein Weg. Hauptdarsteller: Tom (Augenarzt in Kalifornien): Martin Sheen (Ramón Antonio Gerardo Estévez, geb. 1940) + Daniel (verunglückte tödlich auf dem Jakobsweg in den Pyrenäen, sein (echter) Sohn; Regisseur: Emilio Estevez + Sarah (Kanadierin): Deborah Kara Unger + Joost (Holländer): Yorick van Wachingen + Jack (irischer Reiseschriftsteller): James Nesbitt
Aufzeichung TV-Sender „ONE“ vom 30. August 2025. Möglicherweise noch in der Mediathek abrufbar.
GESAMT + CAMINO FRANCES + CAMINO PORTUGUES

Gesamt: 26. Juli 2026: 298.561 Pilger +
gesamt in 2006: 101.056 Pilger
- Camino Frances: 128.320 Pilger (42,98%)
- gesamt in 2006: 82,09% = 82.955 Pilger
- Camino Portugues Central: 60.708 (20,33%)
- in 2006: 6,4%
- Camino Portugues Costa: 57.751 Pilger (19,34%)
- in 2006: 47 Pilger
Gesamtanteil Camino Portugues 2026: 39,67% + in 2006: ca. 6,5%
Foto aus 12.2024: Muxia. Km-Stein „0“
WEITERE WEGE – CAMINOS
Ingles: 16.443 (5,51) + Primitivo: 13.075 (4,38%) + Norte: 10.603 + Via de la Plata: 5.299 + De Invierno: 1.719 + Muxia Finisterre: 1.352 + Camino del Baranza: 418 + Camino Mazarabe: 130 + Camino de San Salvador: 101 + Andere Wege: 1.018 Pilger.
GENERO: MÄNNER + FRAUEN
Seit 2006 sehr deutliche Verschiebung zu Gunsten der weiblichen Pilger:
- Männer: 45,74% + gesamt in 2006: 59,21%
- Frauen: 54,26% + gesamt in 2006: 40,79%
Foto aus 12.2024: Costa da Morte (tote Küste). Muxia.

EINSTIEGSORTE DER PILGER

Foto aus 2006. Sarria.
Gesamt: 298.561 Pilger am 26. Juli 2026
- Sarria: 28,5/% + Tui: 7,71% + Oporto: 5,65% + St. Jean: 16.533 Pilger + Roncesvalles: 2.083 + Leon: 4.274 Pilger + Lissabon: 1.583 + Lissabon Costa: 697 + Sevilla: 1.207 + Bilbao: 670 + Madrid CF: 333 + Madrid: 206 + Bayonne: 404+
- Fatima: 126 + Lourdes: 113 Pilger
- Somportpass: 100 Pilger
- Direkt aus Italien: 84 + Belgien: 130 + Niederlande: 89 + Frankreich CF: 612 + Frankreich CN: 131 + Deutschland: 118 Pilger +
SPANISCHE PILGER NACH REGIONEN
Gesamt: 106.883 Pilger + Madrid: 19,84% + Andalucia: 19,81% + Valenciana: 11,88% + Die Bevölkerung aus Asturien (1,50%) und Aragon (1,96%) verspürt offenbar nur wenig Lust zu pilgern, ebenso die Spanier aus Castilla Leon mit 4,71% und La Rioja mit 0,37% und Navarra: 0,68% + Galicia: 5,82% + Warum ist das so? Frei nach dem Motto: Der Prophet im eigenen Land zählt nicht?
Ich denke, es wäre eine Untersuchung wert,
warum so wenige Spanier aus den angrenzenden Camino Frances-Gebieten sich nicht von ihrem Camino de Santiago angesprochen fühlen, an dem doch so viele von ihnen verdienen. + Bsp.: aus Andalusien 19,81% + aus Galicien 5,82%. + Auch wenn man die absoluten Bevölkerungszahlen der Regionen berücksichtigte, bliebe der Anteil der vorgenannten Regionen am CF immer noch unterdurchschnittlich repräsentiert, denke ich.
Kommentar: Organisierte Pilgerwanderungen der örtlichen Pfarreien am Camino Frances nach Santiago? + Re-Evangelisierung nach den Papstbesuchen in Spanien von 1982 bis 2026 + Heuchelei spanischer Politiker?
Die örtlichen Pfarreien Navarras, Aragons, La Riojas und jene aus Kastilien-Leon könnten, soweit noch nicht geschehen, beispielhaft Pilgerwanderungen nach SdC anbieten, mittels dieses Weges ihren Gläubigen auf spielerische Art und Weise das Wissen um das besondere spanische Christentum der ersten Jahrhunderte näher zu bringen *).
Das betrifft die Anwohner Asturiens im Besonderen, ist doch von dort die Re-Conquista 722 n. Chr. gestartet worden mit der Schlacht von Covadonga unter Führung von Fürst Pelayo, also nur elf Jahre nach der Eroberung des größten Teils der iberischen Halbinsel durch die moslemischen Berber im Jahr 711 unter Tariq Ibn Ziyad. +
*) Warum schlage ich das vor?
Seit den Besuchen des großen Papstes Johannes Paul II. in 1982, 1984, 1989 und 1993 und seines nicht mindergroßen Nachfolgers Benedikt XVI. in 2006, 2010 und 2011, die teils Millionen Spanier, vor allem junge Menschen, begeistert haben, hat sich gleichwohl das Interesse am Katholizismus seit dem dramatisch verschlechtert. + Im Juni 2026 dann die Euphorie über den Besuch von Papst Leo XIV. + Wie passt das zusammen? +
Auch wenn das Wort in diesem Zusammenhang fehlgedeutet werden könnte: es sind schlichtweg Managementfehler aller Beteiligten: Kardinäle, (Erz-) Bischöfe, Bischofskonferenz, Bistümer, Diözesen, Pfarrer, Priester, Ordensleute, Pfarreien; + erst dann wären die Gläubigen zu nennen, die sich gegen den Widerstand der Linken und eines Teils der Mainstream-Medien durchzusetzen hätten.
Hinzu kommt die agierende Zweigleisigkeit (Heuchelei) eines Teils der politischen Klasse Spanien. + Erinnern Sie sich, als Regierungsvertreter und das Parlament von Madrid am 8. Juni 2026 Papst Leo über 7 Minuten Standing Ovations gezollt haben. + Man könnte gemeint haben, sie seien zustimmend beeindruckt gewesen von der Rede des Pontifex über die unantastbare Würde des Menschen: ungeborenes Leben und alte Menschen schützen +
Nein, wenige Tage später brachte die sozialistische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez einen Gesetzentwurf ein, der das Recht auf Abtreibung als Teil des Gesundheitsschutzes in der Verfassung (Artikel 43) verankern soll. + Wie hat der Papst darauf reagiert? Er ist doch letztlich verschaukelt worden.
Jaime Mayor Oreja, ehemaliger Innenminister der Konservativen, nennt das im Tagespost-Interview, Ausgabe 16. Juli 2026, strukturelle Lüge: „Man bejubelt etwas, woran man nicht glaubt, um negative öffentliche Reaktionen zu vermeiden. Die spanische Politik ist in dieser Heuchelei gefangen.“
vgl. auch:
WEITERES ZAHLENWERK
MOTIVATION DER PILGER
- Religiös motiviert: 43,33%
- 2006 gesamt: 41,66%
- sonstige (otros, kulturelle) Gründe: 29,75% + 2006: 49,51%
- unbekannte Gründe: 8,67%
- nicht-religiöse Gründe: 18,25%
- 2006: 8,83%
Foto aus 12.2024: Kirche Muxia: Christi Himmelfahrt (Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit)

Kurzbetrachtung: Wie schon in den Jahren festzumachen, steigt der Anteil der nicht-religiösen Pilger, parallel dazu der Sinkflug kulturell interessierter Pilger und derjenigen Pilger, die keine Gründe angeben (wollen) + kurzum: die Profanierung setzt sich fort.
NATIONALITÄTEN DER PILGER

11.925 deutsche Pilger
106.883 spanische Pilger + US-amerikanische: 28.335 + portugiesische: 14.490 + italienische: 18.294 + koreanische: 4.268 + französische (sehr wenige): 5.574 + niederländische: 4.271 + ungarische: 1.184 + serbische: 113 + Isländische: 83 Pilger
Iran: 416 Pilger + Indonesien: 272 + Indien: 151 + Süd-Afrika: 915 + Neuseeland: 836 Pilger
Foto aus 12.2024: Der gekreuzigte Christus + Auf dem Weg nach Muxia.
Monte do Gozo + Pilgerbüro im Vergleich Mai 2006 zu Dezember 2024
Sidestep: Pilgermassen im 12. Jahrhundert
Emir Ali ben Yusuf (al-Andalus) fragt Königin Urraca (Leon), warum denn so viele christliche Pilger nach Compostela gehen?
Prof. Dr. Klaus Herbers: *). Anno Domini 1121 sandte der mohammedanische Almoraviden-Emir Ali ben Yusuf (geb. 1084; Herrscher von 1106 bis 1143) aus dem südlichen Spanien Boten zu der christlichen Königin Urraca von Leon, Galicien und Kastilien (geb. 1080; Regentschaft von 1109-1126).
Foto: Königin Urraca (URAKA REGINA ADEFONSI FILIA CONFIRMAT) dargestellt in einer Miniatur aus dem 12. Jahrhundert. Archivo de la Catedral de Santiago, Tumbo A.
FotoQuelle: commons.wikimedia (18.05.26), gemeinfrei
„Die Boten des Emirs sahen in Navarra die Massen christlicher Pilger (peregrinos christicolas), die nach Santiago und zurück gingen. Deshalb fragten sie einen Mann namens Peter, der ihre Sprache beherrschte:

- „Wer ist dieser große Mann, den unzählige (innumeri) Christen von jenseits und diesseits der Pyrenäen aufsuchen, um ihn zu verehren?
- Die Menge der christlichen Pilger, die nach Compostela gehen und wieder zurückkommen ist so groß, dass sie kaum den Weg nach Wester offenlassen (vix patet nobis liber callis ad occidentem).„
- Da wurde ihnen geantwortet, es sei der heilige Jakobus, der Apostel unseres Herrn ….,
- dessen Leichnam in Galicien begraben liege und den Gallien, England, Latium und Deutschland, alle christlichen Provinzen und besonders Spanien als ihren Patron verehren.
*) Quelle: Vortrag Prof. Dr. Klaus Herbers: Metropolis. Würde des Ortes und Würde des Pilgers. Santiago und Rom im Lauf der Geschichte. Mitgliederzeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft STERNENWEG Nr. 66 aus 2025.26; Seite 16. + Quelle: Historia Compostellana II 50, p. 307-308.