Pilgerbüro Santiago, 26. Mai 2026: 144.644 registrierte Pilger: + 3% zum Vorjahr + port. Küstenweg bald No. 2

Der Trend geht in Richtung Kurzwanderung und zum Camino Portugues Costa (20,21%), der wohl in einigen Tagen den „CP Central“ (21,29%) auf Platz 3 verdrängt haben wird. + Da sich nicht alle Pilger in Santiago de Compostela registrieren lassen, entweder weil sie kein Interesse an einer Urkunde haben oder weil sie abschnittsweise unterwegs waren, Santiago überhaupt nicht ansteuerten, sind die Zahlen nur bedingt aussagefähig. +

Vor 20 Jahren, 2006 unser 1. Jakobsweg, überwogen eindeutig die männlichen Pilger. Seit einigen Jahren dominieren die weiblichen Pilger + Das wirkt sich vermutlich sowohl auf die Altersklassen, wie auf den eklatanten Bedeutungsverlust des Camino Frances aus: nur noch 43% +

Obwohl die Verantwortlichen offenbar alles tun, den Camino de Santiago wieder als spirituellen Fernpilgerweg (ab Navarra) ins Gedächtnis zu rufen, scheinen die betreffenden Appelle (noch) nicht zu fruchten. Der Anteil der PilgerInnen am Wanderweg an der atemberaubenden Küste Portugals nimmt rasant zu; eine bedenkliche Entwicklung, oder? Warum?

Der ursprüngliche Sinn des Jakobsweges, begründet durch die christ-katholischen mittelalterlichen Pilger, das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen, also zumeist aus religiösen Gründen, geht schon seit langem stetig den Bach hinunter, wird gerne auch belächelt, gar offen negiert: „Nein, ich glaube nicht an Gott“ + „Ja, ich bin schon lange aus der Kirche ausgetreten.“ + Noch bis in die frühe Neuzeit hinein stand den Pilgern nicht der Sinn nach touristischen Erlebnissen (Wellnes + Wanderung) + So werden die Portugiesen jener Zeit wohl kaum am Meer entlang gegangen sein; wenn überhaupt, durch das Landesinnere. In 2006, unserem 1. Camino Frances, waren es folgerichtig auch nur 6,4% von 101.056 Pilgern = 6.468 Pilger, die zumeist von Porto, aber auch von Lissabon, aus starteten.

  • Das alle ist sehr schade. Viele Wanderer, die sich Pilger nennen, nutzen alle Facilitäten des christlich konnotierten Jakobsweges, wollen aber mit der Kirche nichts zu tun haben. + Der Vergleich hinkt, beschreibt aber in etwa die Situation: Beim Fachhändler sich optimal fachlich beraten lassen, um dann im Internet günstiger zu bestellen. + Das könnte man letztlich doch parasitär nennen, oder?
  • Ich befürworte daher das Ansinnen einiger Verantwortlicher, die Compostela, die Pilgerurkunde erst ab einer gepilgerten Strecke von mindestenss 300 km (derzeit 100 km) auszustellen. Dann dürften sich das Problem von allein gelöst haben. +
  • Eine erste Maßnahme wurde bereits beschlossen:

Gesamt: 26. Mai 2026: 144.644 Pilger +

gesamt in 2006: 101.056 Pilger

  • Camino Frances, 26. Mai 2026: 62.171 Pilger (42,99%) +
  • gesamt in 2006: 82,09% = 82.955 Pilger
  • Camino Portugues, 26. Mai 2026: 30.795 (21,29%) +
  • in 2006: 6,4%
  • Camino Portugues Costa, 26. Mai 2026: 29.229 Pilger (20,21%) +
  • in 2006: 47 Pilger

Gesamtanteil Camino Portugues 2026: 41,50% + (2006: ca. 6,5%)

Foto aus 12.2024: Muxia. Km-Stein „0“

Zahlen vom 26. Mai 2026

WEITERE WEGE: Ingles: 8.018 (5,54%) + Primitivo: 5.578 Pilger + Norte: 3.756 + Via de la Plata: 2.603 + De Invierno: 673 + Muxia Finisterre: 410 + Camino del Baranza: 159 + Geira e Arrieiros: 284 + Muros-Noia: 168 + Andere Wege: 437 Pilger.

GENERO

Seit 2006 sehr deutliche Verschiebung zu Gunsten der weiblichen Pilger ergeben: 13% Differenz plus / minus.

  • Männer: 45,35% + gesamt in 2006: 59,21%
  • Frauen: 54,65% + gesamt in 2006: 40,79%

336 Pilger steuerten bis dato Muxia an.

Foto aus 12.2024: Costa da Morte (tote Küste). Muxia.

EINSTIEGSORTE DER PILGER

  • Von Sarria aus: 29,6% aller registrierten Pilger von 121.355 + gesamt in 2006: 16,18%
  • Tui: 6,78% + Ferrol: 5,27% + Oporto: 6,77% + Oporto Costa: 5,31%
  • St.-Jean-Pied-de-Port: 6.862 Pilger (4,74%) + Roncesvalles: 970 Pilger (0,67%)
  • gesamt in 2006: 9,26%
  • Leon: 2.084 + Lissabon: 827 + Lissabon Küste: 337 + Sevilla: 769
  • vom Somportpass aus: 55 Pilger +
  • gesamt in 2006: 0,87% (881 Pilger)
  • Jaca: 19 + Arles: 23 + Paris: 29 Pilger
  • von Lourdes: 50 Pilger + Fatima: 63
  • von Deutschland aus: 59 Pilger + Italien: 31

Foto aus 12.2024: Auf dem Weg nach Fisterra.

MOTIVATION DER PILGER

  • Religiös motiviert: 41,68% +
  • 2006 gesamt: 41,66%
  • sonstige (otros, kulturelle) Gründe: 30,94% + 2006: 49,51%
  • Unbekannte Gründe: 8,73%
  • nicht-religiöse Gründe: 18,65% +
  • 2006: 8,83%

Foto aus 12.2024: Kirche Muxia. Christi Himmelfahrt: Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit.

Kurzbetrachtung: Wie schon in den Jahren festzumachen, steigt der Anteil der nicht-religiösen Pilger, parallel dazu der Sinkflug kulturell interessierter Pilger und derjenigen Pilger, die keine Gründe angeben (wollen) + kurzum: die Profanierung setzt sich fort.

ALTER DER PILGER

  • Über 65-jährige: 12,91%
  • gesamt in 2006: 4,03 %
  • unter 18-jährige: 11,82%
  • gesamt 2006: 8,94%
  • 46-65-jährige: 38,54%
  • gesamt 2006: 33,46%
  • 18-45-jährige: 36,74% +
  • gesamt 2006: 52,77%

Foto aus 12.2024: Fisterra. Am Ende der Welt.

NATIONALITÄTEN DER PILGER

8.267 deutsche Pilger

43.878 spanische Pilger + US-amerikanische: 13.157 + portugiesische: 8.113 + italienische: 7.981 + koreanische: 2.566 + französische (sehr wenige): 2.91 Pilger

Iranische: 202 Pilger + indonesische: 186 + niederländische: 2.542 + indische: 70 + serbische: 56 + ungarische: 510 Pilger

Foto aus 12.2024:. Der gekreuzigte Christus. Auf dem Weg nach Muxia.

  • ggfs. mehr Zahlenwerk später, wenn sich die Zahlen verdichtet haben

Prof. Dr. Klaus Herbers: *). Anno Domini 1121 sandte der mohammedanische Almoraviden-Emir Ali ben Yusuf (geb. 1084; Herrscher von 1106 bis 1143) aus dem südlichen Spanien Boten zu der christlichen Königin Urraca von Leon, Galicien und Kastilien (geb. 1080; Regentschaft von 1109-1126).

Foto: Königin Urraca (URAKA REGINA ADEFONSI FILIA CONFIRMAT) dargestellt in einer Miniatur aus dem 12. Jahrhundert. Archivo de la Catedral de Santiago, Tumbo A.

FotoQuelle: commons.wikimedia (18.05.26), gemeinfrei

„Die Boten des Emirs sahen in Navarra die Massen christlicher Pilger (peregrinos christicolas), die nach Santiago und zurück gingen. Deshalb fragten sie einen Mann namens Peter, der ihre Sprache beherrschte:

  • „Wer ist dieser große Mann, den unzählige (innumeri) Christen von jenseits und diesseits der Pyrenäen aufsuchen, um ihn zu verehren?
  • Die Menge der christlichen Pilger, die nach Compostela gehen und wieder zurückkommen ist so groß, dass sie kaum den Weg nach Wester offenlassen (vix patet nobis liber callis ad occidentem).
  • Da wurde ihnen geantwortet, es sei der heilige Jakobus, der Apostel unseres Herrn ….,
  • dessen Leichnam in Galicien begraben liege und den Gallien, England, Latium und Deutschland, alle christlichen Provinzen und besonders Spanien als ihren Patron verehren.

*) Quelle: Vortrag Prof. Dr. Klaus Herbers: Metropolis. Würde des Ortes und Würde des Pilgers. Santiago und Rom im Lauf der Geschichte. Mitgliederzeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft STERNENWEG Nr. 66 aus 2025.26; Seite 16. + Quelle: Historia Compostellana II 50, p. 307-308.