Ein wiederkehrendes Thema, seit unserem ersten Camino Frances 2006. + Der Protagonist von gronze.com bringt es auf den Punkt: sich nicht vom Tourismus dominieren lassen. + Pombo gilt als der spanische Jakobspilger-Fachmann schlechthin. + Deutsche Übersetzung + Sehr lesenswert. + FotoZusammenschnitt: Koffer-Wanderer vs koreanisch christliche Peregrinos.
Zitate: erster und letzter Absatz Anton Pombo, 08.02.26
- Absatz: Tagtäglich taucht diese Frage auf, wenn über die Zahlen des Jakobswegs gesprochen wird – Zahlen, die selbst Papst Franziskus infrage gestellt hat .
- Es ist zwar statistisch gesehen sehr praktisch, Pilger mit denen gleichzusetzen, die in Santiago ankommen und die Compostela-Urkunde erhalten,
- doch wir alle wissen, dass diese Zahl weder alle Anwesenden noch die gesamte Bevölkerung erfasst.
Weiter im Text: Darüber hinaus beharrt die Tourismusbranche, deren akademische Sichtweise sich rücksichtslos anderen Disziplinen aufzwingen will, darauf, Pilger – in ihrem Jargon dies als unumstößliche Wahrheit anzusehen – als Touristen zu klassifizieren, nur weil sie reisen und fernab von zu Hause übernachten.
Das ist also der Kern der Sache:

Anton Pombo: Wir halten es für unerlässlich, dem Vormarsch der Tourismusmanager, die den Jakobsweg heute nach ihren eigenen Interessen kontrollieren,
- Widerstand zu leisten
- und uns ihren Vorstellungen und Definitionen nicht zu unterwerfen
Fotobeschreibung oben: von lks. nach rechts: Für mich „wahre Pilger“ aus Korea + Die begüterten VIPs, ebenfalls aus Korea) gleichermaßen wahre Peregrini: Reisebericht Etappe 21: Bercianos de Real Camino über El Burgo, Reliegos nach Mansilla de las Mulas, 27 Kilometer + Ein koreanischer Ex-Minister und eine Olympiasportlerin von München beeindrucken. + Oder Webseite: Dort, wo Pilger aller Länder sich treffen: bitte scrollen zu: Begegnungen in Fromista und Mansilla de las Mulas + Foto unten: Koffer im Hostal zum Weitertranpsort per Taxi
Denn, wie ein erfahrener Hospitalero einmal sagte:
- Wir, die wir Menschen in einer Herberge willkommen heißen, erkennen sofort
- an ihrem Aussehen, ihrer Sprache und ihrem Verhalten,
- wer ein Pilger ist und wer nicht.

Ohne Dutzende von Artikeln, Konferenzberichten, Doktorarbeiten und dicken Wälzern voller Zitate lesen zu müssen, die die Sache erklären;
- Es ist nicht so schwer, Recht zu haben, wenn man ständig an vorderster Front ist,
- dort, wo das Geschehen ist –
- eine Realität,
- die Theoretiker am Schreibtisch, fernab der intensiven Erfahrungen des Jakobswegs, völlig ignorieren.
Wer den ganzen Artikel lesen will
Bericht eines Pilgerwanderers aus 2026
Wenn ein a-religiöser Wanderer die Infrastruktur des christ-katholisch grundierten Camino de Santiago nutzt + Hape Kerkeling als Vorbild nimmt + Emotionen am Cruz der Ferro zeigt +
Interessant, wie manche Pilger diesen Abschnitt mit diesem speziellen Eisenkreuz als ihren emotionalsten Moment ihrer Jakobswegtour beschreiben (wie ich), gleichwohl alles Religiöses aussparen, wie S. G., dessen Erlebnisse aus 2026 auf dem Camino Frances es dem Lokalteil des Weser-Kuriers wert waren, darüber fast ganzseitig zu berichten (ich hatte zwei Berichte im WK in 2007 und 2012) +
Warum erwähne ich das? Zunächst der Hinweis des Protagonisten auf seine Motivation Stichwort: Hape Kerkeling (für mich nach wie vor unverständlich); sein konsequentes Weglassen irgendwelcher religiöser und/oder spiritueller Gefühle; kein Hinweis darauf, nur eine der abzig Kirchen am Weg überhaupt betreten zu haben, auch kein Verweis und Blick zum Schluss seiner Reise auf die Kathedrale von Santiago de Compostela, nur der Hinweis auf die Urkunde +
Aber: so ganz dürfte der Protagonist seine über Jahrhunderte hinweg jüdisch-christlich geprägte Herkunft nun doch noch nicht vollends vergessen haben: Stichwort Cruz de Ferro. Sein emotionalster Moment seiner Reise + Er fragt sich, warum die Pilger seit Jahrzehnten (korrekt: seit Jahrhunderten) dort ein Steinchen ablegen? + Vielleicht, um dort eine Last abzulegen? Welche Last, fragt er sich nicht + „Oder einfach für etwas, das nicht länger mitgetragen werden soll.“ + Auf die Idee zu kommen, dass jene Pilger ihrem Herrgott (für was auch immer) danken wollten, ist er offenbar nicht gekommen + Einige Pilger hätten dort nur wenige Sekunden gestanden, andere geweint, gelächelt. + „Ich habe das als sehr bewegend empfunden“, so der Protagonist. + Warum bewegend empfunden? + Letztlich inkonsequent ohne tiefergehende Reflektion? Für ihn als ein back home tätiger Coach und Mediator sollte Nachfragen, Insistieren doch eine Selbstverständlichkeit sein, oder?
Fazit: Natürlich hat jeder Wanderer das Recht, den Jakobsweg zu wandern, seine Infrastruktur zu nutzen. Es ist und bleibt schade, dass es immer mehr werden, bis irgendwann „das Fass überläuft“, die Kirche die Reißleine zieht, der Jakobsweg zum reinen Touriweg mutiert, Hotels und teure Restaurants überhand nehmen, der Toruismusverband in Zusammenarbeit mit der Regierung das Zepter in die Hand nimmt.