Meditation Tod auf dem Camino

26-10-23. Wohl kaum ein Pilger dürfte sich heute mit der Möglichkeit seines eigenen Todes auf dem Jakobsweg auseinandersetzen. Auch dann nicht, wenn er gelegentlich am Wegesrand Kreuze oder kleinere Mahnmale sieht, die vom Tod eines Pilgers berichten.

Der mittelalterliche Pilger hatte ein unverkrampftes Verhältnis zum Tod. Er preiste ihn ein. Nicht umsonst gilt Villafranca del Bierzo, eine von jeher ganz auf Pilger eingestellte Stadt, als das „kleine Santiago.“ Von den dort beheimateten vielen Kirchen sticht die Kirche Santiago, Gründung 12. Jh., hervor. Ihr zum Pilgerweg gewandtes Nordportal, die Puerta del Perdon – Tor der Vergebung resp. der Absolution *) schälte sich rasch als Magnet für die Pilger heraus. Wer auf dem Weg erkrankte und auf den Weiterweg nach Compostell verzichten musste, bekam hier seine Absolution. Der nahe Pilgerfriedhof zeigt, wie oft das nötig war.

Fotos: Tor der Vergebung Santiago-Kirche Villafranca del Bierzo. Denkmäler von zwei verunglückten deutschen Pilgern (Manfred Kress Friedrich am 9.6.1998 – Richtung Bercianos de Real Camino und ausgangs Acebo ein Radfahrer). Pelegrino Guillermo Wart, verunglückt am 25. August 1993.

*) Bedeutung Absolution“. Gemeint ist das Sakrament der Beichte. Der beichtende gläubige und getaufte Pilger bekennt gegenüber dem Beichtvater aufrichtig seine Sünden, zeigt gleichermaßen seine Reue. Der Priester, an Christi statt, erteilt ihm sodann die Absolution seiner Sünden, beim Sterbenden versehen mit rituellen Gebeten und der Letzten Heiligen Ölung.

Beichtgeheimnis

Das besondere an der Beichte ist ihr Beichtgeheimnis, das auch staatlicherseits nicht aufgebrochen werden darf, was aber immer wieder versucht wurde und wird, wie aktuell in Australien oder in Belgien. Wer mehr wissen will, schlage bitte bei katholisch.de. Viele Beichtväter haben ihr Leben dafür hergegeben. Beispielhaft nenne ich an dieser Stelle Kaplan Andreas Faulhaber (1713-1757), der auf Befehl des von vielen geschätzten preußischen Königs Friedrich II. hingerichtet wurde. Warum? Faulhaber hatte sich geweigert, den königlichen Behörden von der Beichte eines mutmaßlichen Deserteurs zu berichten. Ohnehin erlebten katholische Priester zu jener Zeit schwere Repressionen. Jeder solle nach seiner Fasson selig werden, eine Redensart ohne substantiellen Hintergrund, eine nicht eingelöste Maxime seitens des Königs.

vgl. auch „Warum hat Gott das zugelassen?“