Wer kennt nicht die Stelle bei Johannes 21,15ff., an der der auferstandene Jesus Christus dreimal Simon Petrus (im Kreis der 12 Apostel) fragt: „Liebst du mich?“ und Petrus ihm dreimal antwortet: „Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“+ Und doch gibt es fundamental wichtige Nuancen zu beachten, die die Übersetzer in die jeweilige Landessprache kaum übersehen, aber übergangen haben, weil offensichtlich zu schwierig dem einfachen Gottesvolk zu erklären. + FotoAusschnitt: Die Berufung des Petrus (Quelle s.u.)
Anhand des Evangeliums Johannes 21,15-19
in der Betrachtung von Catholic Daily Reflections „Meeting Us Where We Are At“ *)
wird deutlich, wie wichtig eine korrekte Übersetzung aus dem Ur-Text in die deutsche Landessprache ist + Jesus fragt Petrus dreimal: Liebst du mich + Petrus antwortet dreimal: Herr, du weißt, dass ich dich liebe. + Jesus wechselt dann beim dritten Anlauf seine Fragestellung, nutzt ein unterschiedliches Verb
Einführung. Immer wieder stößt man vor allem bei den theologischen Abhandlungen von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI., wie auch zuweilen bei Nina Heeremann (Professorin an einem Prieserseminar in den USA + YouTube-MiniKat), auf erläuternde Hinweise, wonach die Übersetzer der Bibel manche Worte aus dem Original (aramäisch, hebräisch, griechisch, lateinisch) heraus ungenau – ich füge hinzu: letztlich manchmal auch sinnenstellend – übersetzt hätten; das betrifft auch und gerade die Texte zur Liturgiereform im Nachgang des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962.65 + Hinzu kommt, dass zuweilen auch an sich wichtige, den Gesamt-Text erklärende Passagen in den Evangelien wie auch in den Psalmen schlichtweg weggelassen wurden. Demnächst werde ich betreffende Beispiele benennen. +
Deshalb mein Tipp: Ungeachtet der zum jeweiligen Sonntag vorgeschlagenen Perikopen (Lesungen, Evangelium) immer den Gesamtkontext betrachten. Sie tappen sonst im wahrsten Sinn des Wortes im Dunklen und wissen gar nicht, warum Jesus, warum die Apostel und Evangelisten was und wann zu welcher Gelegenheit in welchem Kontext gesagt haben.

Raphael (1483-1520), 1515: Der Auftrag Christi an Simon Petrus.
Christ’s Charge to Peter (Matthew 16: 18-19, John 21: 15-17)
FotoQuelle: File:V&A – Raphael, Christ’s Charge to Peter (1515).jpg – Wikipedia (30.05.26)
Catholic Daily Reflections „Meeting Us Where We Are At“ *) + 22. Mai 2026
„Wir treffen uns dort, wo wir sind„
Nachdem Jesus sich seinen Jüngern offenbart und mit ihnen gefrühstückt hatte, fragte er Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Simon Petrus antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: „Weide meine Lämmer.“ Dann sagte er ein zweites Mal zu Simon Petrus… ( Johannes 21,15–16)
Betrachtung. Die heutige Erscheinung des Auferstandenen ist das dritte Mal, dass Jesus seinen Jüngern erschien, wie im Johannesevangelium berichtet wird. Sie fand statt, als sieben der Apostel fischten. Nach einem wundersamen Fischfang erkannten sie Jesus am Ufer.
Nachdem sie zu ihm gegangen waren, bereitete Jesus ihnen das Frühstück zu und fragte Simon Petrus dreimal, ob er ihn liebe.
Zur Thematik „Liebe“: + agapē + philéō
Im Deutschen kann das Wort vieles bedeuten in unterschiedlichen Kontexten: lieben, begehren, lieb haben, körperlich lieben, sexuell lieben, platonisch lieben, Elternliebe und Geschwisterliebe als Zuneigung, etc. + Andere Sprachen differenzieren.
- Als Jesus Petrus zum ersten Mal fragte, ob er ihn liebe, benutzte er das Verb agapáō (vom Substantiv agapē ),
- doch Petrus antwortete mit dem Verb philéō :
- „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Simon Petrus antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe .“
- Das Wort agapáō bezeichnet eine tiefere Form der Liebe – eine aufopfernde, totale Hingabe, die Gottes Liebe zu den Menschen widerspiegelt.
- Sie beinhaltet eine Liebe, die nicht nur Zuneigung ist, sondern sich durch die Bereitschaft auszeichnet, sich für das Wohl des anderen aufzuopfern – eine Liebe, die Jesus selbst vorlebte.
- Petrus’ Verwendung des Wortes philéō hingegen bezieht sich auf eine herzlichere, freundschaftlichere Liebe, die oft mit einer tieferen, menschlicheren Freundschaft verbunden ist.
- Sie ist zwar aufrichtig, aber weniger intensiv und aufopfernd als die agapē -Liebe.
- Als Jesus die Frage zum zweiten Mal stellt, verwendet er erneut agapáō, und Petrus antwortet wieder mit philéō.
- Beim dritten Mal passt Jesus seine Frage an Petrus’ Antwort an und verwendet philéō (nicht agape): „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“
- Petrus antwortet wieder mit philéō : „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe .“
Dieser Wechsel zu „philéō“ in der dritten Frage zeigt, dass Christus Jesus Petrus dort begegnet, wo er steht, und dessen Grenzen anerkennt, sowie seine derzeitige Fähigkeit, mit einer eher liebevollen als aufopfernden Liebe zu lieben.
Dieser Dialog verdeutlicht weiterhin Petrus’ Bewusstsein seiner Schwäche und seine Demut, mit der er zugibt, dass er noch nicht mit der vollen Tiefe der Agapē lieben kann, zu der Jesus ihn aufruft.
In seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist die Liebe)
vom 25.12.2005 geht Papst Benedikt XVI. gleichermaßen auf die Begriffe Eros, Philia und Agape ein. + Vgl. dazu auch Christoph Münch von der Tagespost vom 29.12.2025
Zitat, Auszüge Die Tagespost: Wie intensiv sich schon der brillante Theologe Ratzinger mit dieser Frage auseinandergesetzt hatte, bezeugt eine Relektüre seines ersten großen Lehrschreibens, dessen Titel bereits wie kein anderer Satz in drei Worten das Wesentliche über Gott und Glauben zum Ausdruck zu bringen vermochte: Gott ist die Liebe.
Wenngleich der Schwerpunkt seiner Schrift diesen theologischen Aspekt aufgreift und ihn auf das karitative Wirken der Kirche überträgt, analysiert der einstige Professor zunächst jedoch die verschiedenen Dimensionen des Themas, welches die Menschheit schon immer fasziniert hat.
FotoQuelle: wikimedia (03-06-26), gemeinfrei
Papst Benedikt XVI, am 7. Juni 2006.

Dabei unterscheidet er präzise zwischen den verschiedenen Arten der Liebe, schreibt von Eros, Philia und Agape, von erotischer Liebe, freundschaftlicher Liebe und sorgender Liebe. Auch stellt er heraus, dass die erotisch-sexuelle Liebe in der gesamten Bibel lediglich an zwei Stellen im Alten Testament erwähnt wird, während die übrigen Stellen allesamt das christliche Ideal einer Liebe behandeln, welche selbstlos das Wohl des anderen in den Blick nimmt.
Berufung des Petrus: Von jetzt an wirst du Menschen fangen

Raphael. The Miraculous Draft of Fishes + Der wundersame Fischfang + Lukas 4, 1-11
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. 6 Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten 7 Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen. 8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder 9 Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; 10 ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.
Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.
FotoQuelle: File:Raphael – The Miraculous Draft of Fishes – Google Art Project.jpg – Wikimedia Commons + 30.05.26
Weiter in der Betrachtung. Am Ende des Gesprächs sagt Jesus: „Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst angezogen und bist gegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich anziehen und dich führen, wohin du nicht willst“ (Johannes 21,18 ). + Jesus prophezeite nicht nur, dass Petrus den Märtyrertod sterben würde, sondern auch, dass sein Martyrium Gott verherrlichen würde, da es der höchste Ausdruck der aufopfernden Agape -Liebe sein sollte, zu der Jesus ihn berufen hatte. + Diese Verheißung an Petrus gab ihm Hoffnung für die Zukunft, selbst angesichts der Herausforderung seiner Berufung.
Trotz Petri Schwäche und seiner Unfähigkeit, Agape auszudrücken, begegnet Jesus ihm nicht nur in seiner Lage, sondern gibt ihm auch einen dreifachen Auftrag von göttlicher Bedeutung. Er sagt: „Weide meine Lämmer… hüte meine Schafe… weide meine Schafe.“ + Obwohl diese Gebote ähnlich erscheinen mögen, unterscheiden sie sich in ihrer Betonung.
- „Weide meine Lämmer“ bedeutet, sich um diejenigen zu kümmern, die im Glauben schwach sind und der ersten Stärkung durch das Wort Gottes bedürfen.
- „Hüte meine Schafe“ bedeutet, die reifen Christen zu begleiten und zu führen.
- „Weide meine Schafe“ betont, wie wichtig es für die im Glauben Gereiften ist, durch ein tieferes Verständnis des Wortes Gottes und die Gabe der Eucharistie, des Brotes des Lebens, gestärkt zu werden.
Obwohl Petrus unvollkommen war und mit Schuldgefühlen und Entmutigung kämpfte, weil er die Tiefe der Liebe, die Jesus von ihm verlangte, nicht ausdrücken konnte, vertraute Jesus ihm dennoch einen göttlich inspirierten Auftrag an.
Anhang. Denken Sie heute über Gottes Einladung nach,
ihn zu lieben und seine Mission zu erfüllen. Obwohl wir alle unvollkommen sind und in vielerlei Hinsicht Fehler machen, bittet Jesus uns immer wieder um die bedingungslose Liebe (Agapē). + Auch wenn es uns schwerfällt, diese tiefe Liebe zu leben, wartet Gott in seiner Barmherzigkeit nicht, bis wir vollkommen sind, um uns als seine Werkzeuge auszusenden. + Er möchte, dass wir diejenigen stärken, die wenig oder gar keinen Glauben haben, unsere gläubigen Brüder und Schwestern ermutigen und sie nähren, indem wir Werkzeuge seiner reinen Liebe werden. + In dem Maße, wie wir die bedingungslose Liebe annehmen , werden wir diese Mission gut erfüllen können. + Doch beginnen wir heute damit, so gut wie möglich zu antworten, denn Jesus begegnet uns und gebraucht uns dort, wo wir sind, während er uns zu Höherem beruft.
Gebet. Allerliebster Herr, deine Liebe zu mir ist vollkommen, meine aber unvollkommen. Schenke mir Hoffnung und führe mich jeden Tag näher zu der reinen Agapē- Liebe, zu der ich berufen bin. Während ich in dieser Liebe wachse, gebrauche mich bitte so, wie ich bin, um die Aufgabe zu erfüllen, die du mir anvertraut hast. Jesus, ich vertraue auf dich.
*) Quelle Catholic Daily Reflections: Mail an mich: „Yes, you are most welcome to quote us on your website. We are most grateful. God bless, My Catholic Life!“
Novene zum Heiligen Geist, gebetet zur Vorbereitung auf Pfingsten, Freitag, 15. Mai – Samstag, 23. Mai