Nach rund 20 km wissen wir mehr. „Nun halt doch mal deine Finger unter das Wasser“, so Elke zu mir. Ich bin folgsam. Es ist wirklich angenehm heiß, an sich gut für meinen Rücken, für meinen Nacken, der gelegentlich so schmerzt.

Ach, egal. Gelobt sei das, was hart macht.
Foto: Caldas de Reis. Nur wenige Minuten nach dem Start Richtung Padron
Heute ist „Benedetto-Tag“: Rückblick zur Reise Papst Benedikt XIV. nach Fatima am 13. Mai 2011 + in Erinnerung der ersten Erscheinung der Dame in Weiß *) am 13. Mai 1917. + Mehr lesen Fatima abseits des Caminho Portugues + Apostolat Mundial + Fundgrube für Marienverehrer
Foto: Fatima, einige Tage zuvor. +


Immer wieder am Wegesrand zu sehen. Die Jungfrau und Gottesmutter Maria erscheint den drei Seherkindern Lucia (11. Jahre alt), ihrem Cousin Franscisco (10 Jahre alt) und dessen Schwester Jacinta (9 Jahre alt).
Wir müssen weiter, schreiben Freitag, den 13. Mai, 8 Uhr. Das Frühstück nehmen wir gemeinsam mit Irene und Harold ein. Ungläubig schauen die in weiße Badetücher gehüllten Kur-Damen zu. Wir sind ihnen zu laut. Warum? Harolds spanischer Freund telefoniert für uns, er ordert bereits heute das Zimmer für Santiago. Man kann ja nicht wissen, ob die dritt-teuerste Stadt Spaniens nicht am Wochenende ausgebucht ist.
Heute geht es sich – eigentlich – gut. Waldwege, ruhige Landstraßen, ein kleiner Aufstieg nach Cortinas, ein etwas steiler Abstieg in das Valga-Tal. Auf den weiteren Verlauf, also auf die letzten Kilometer, werde ich später zurückkommen. Schlussendlich werden wir nicht mehr als knapp 20 km gehen. Zeit, kurz die Pausenproblematik zu thematisieren.
Die erste Pause gibt es bereits nach einer Stunde. Dort treffen wir die Kanadier und den Spanier. So, und jetzt mache ich einen Fehler, wie immer. Ich animiere Elke zu früh zum Aufbruch. Die anderen bleiben noch sitzen. Ich muss weiter. Warum eigentlich? Ich glaube, ich hab`s schon mal erklärt.
Die zweite Pause legen wir um 11 Uhr ein, ergattern einen Stempel beim Wirt, nicken freundlich den beiden jungen Frauen zu, sie verschmausen doch tatsächlich ein supergroßes Sandwich. Zweiter Fehler: Ich werde ungeduldig, frage Elke: „Biste fertig, wolln wir gehen?“ Und das Ende vom Lied? Ankunft Padron – 13:43h. Viel zu früh. 200 Meter vom Hotel entfernt: Elke insistiert erfolgreich. Das Foto beweist es.

Jetzt ist es an der Zeit, die letzten Kilometer zu beschreiben, ich zitiere Raimund Joos` Outdoor: Nach 90 m trifft die Straße dann am Ortsrand von Pontecesures auf eine breite zweispurige Straße…Sie gehen 290 m,… dann 90 m weiter, … hier gehen Sie halblinks und kommen so nach 170 m auf eine Kopfsteinpflasterung,…. stoßen nach 500 m auf eine kleine Teerstraße, die neben dem Fluss Sar verläuft, gehen nach rechts, nach 460 m unterqueren Sie die N 550, und erreichen nach weiteren 480 m schließlich einen großen Platz.

Auch hier geht es geradeaus, wo Sie dann nach weiteren 250 m, vorbei an der Cafeteria weitere 250 m gehen…. So, und genau hier pausieren wir, schlürfen eine Cola, für das wir ca. zwanzig Minuten benötigen. Und just während dieser Zeit telefoniert ein Halbwüchsiger – im Beisein seiner Freundin und eines Freundes – die ganze Zeit über. Gut, dass ich nicht des Spanischen mächtig bin.
Zurück zur Beschreibung und dem Empfinden, wenn du glaubst, es dauert nicht mehr lange bis zum Ziel. Wer nachgerechnet hat, wird auf über 2,3 km kommen. In brütender Hitze auf einsamen Straßen/Wegen, ohne Baum und Strauch, fast schon eine Zumutung, oder?
Ich bewundere Elkes Geduld. Sie hat`s nicht leicht mit mir. Ich verspreche es noch einmal. Nächstes Jahr werde ich konsequent alle zwei Stunden eine Pause einlegen, deren Dauer Elke bestimmen kann.
Die Wallfahrt zum Santiaguino do Monte (Jaköbchen vom Berge) geht über 500 Meter und führt zu der Stelle, wo der der Legende nach der Apostel Jakobus seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten hat.
Das Foto zeigt die kleine Jakobsstatue mit Steinkreuz. Wenn man dann noch alle 114 Stufen ohne Pause absolviert, ja, dann kommt man später in den Genuss der Gnade.
Unnötig zu erwähnen, dass wir die einzigen Wallfahrer sind, die anderen sitzen in der Allee, wo auch immer, und trinken Bier.


Das wertvollste Stück der Jakobustradition stellt der Pedron dar. Er stand ursprünglich am nahen Flussufer von Ulla und Sar, wo der Legende nach das Boot mit dem Leichnam des Hl. Jakobus festmachte, bevor dieser mit einem Ochsenkarren dann seinen letzten Weg nach Santiago nahm.
Dieser Stein befindet sich in der Jakobuskirche (15. Jh.) am Ende der Allee.
Wie nicht anders zu erwarten, wir treffen auf viele bekannte Gesichter, kommen mit einer 6er Gruppe Senioren ins Gespräch. Sie wollen weiter, rund 5 km bis zu einem Hotel, um morgen nicht mehr so viel Laufen zu müssen. Harold gibt uns einen guten Tipp. Pepes Bar öffnet morgens bereits um sechs. Das ist eine gute Nachricht. Wir alle wollen nämlich früh starten. Immerhin sind es fast 26 Fußkilometer bis Santiago mit mehreren nicht zu verachtenden Steigungen, und die wollen erst einmal überwunden sein.
Von einem Frühstück kann man zwar nicht sprechen, gleichwohl, ein heißer Kaffee und ein Stück Kuchen tun es auch. Pepe ist ein Unikum. Seine Bücher sind voll von Pilger- Notizen, die sich lobend über ihn äußern.