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Überschrift H3
Santiago, Sonntag, 15. Mai, kurz der nach beeindruckenden 12 Uhr Pilgermesse so gegen ein Uhr. Tatort Pilgerhospiz San Martin, direkt gegenüber dem Nordeingang der Kathedrale. Rund zwanzig Pilger sind es doch noch geworden, die dem Aufruf des Ehepaars Koch von der Pilgerseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart gefolgt sind. Wir alle wollen Meinungen austauschen – frei nach dem von den Ehrenamtlichen gewählten Motto „Ankommen – erwartet werden.“ An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für diese Initiative. Die Kosten werden vom Katholischen Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz getragen. Elke und ich fühlen uns bestätigt: Von dem jugendlich auftretenden weit über 70 jährigen Herrn aus Oberbayern, der schon knappe 10.000 Fuß-Pilgerkilometer hinter sich hat und immer noch weiter machen will, aber auch von denjenigen, die mehr vom Spaß berichten, den sie auf ihrem Wanderweg hatten, denn von Freude oder Dankbarkeit dem Auferstandenen gegenüber. Auf Pater Fidelis, einem Ladiner, der alles so wunderbar am Schluss zusammenfasste, werde ich noch zurückkommen.
Elf Pilgerwandertage liegen hinter uns, Samstag, 14. Mai, 12:30 Uhr, Praza de Obradoiro. Elke liegt in meinen Armen, wir sind erschöpft aber glücklich, rund 230 km sind es geworden, streben nachdenklich zum Eingang der wunderschönen Kathedrale, die 12 Uhr Messe ist noch nicht beendet. Freundliche Mitpilger bieten sich an, uns auf der Treppe zu fotografieren. Elke möchte unbedingt die Büste des Heiligen Jakobus umarmen, ihm danken.
Es waren schöne Tage, heiße Tage, nasse Stunden nur ganz wenige darunter, anstrengende Tage, wir haben geflucht, der Herrgott möge es verzeihen, wir meditierten, lachten miteinander, wir bewunderten die portugiesische und spanische Kinderliebe, wir haben schöne Orte/Plätze, beeindruckende Kirchen betreten dürfen, viele religiöse Symbole an den Wohnhäusern registriert, die sprachliche Inkompetenz der meisten Hotelrezeptionisten beklagt, sie alle leben vom Pilgertourismus, (fast) keiner spricht Englisch.
Wir haben nette, freundliche, interessante Menschen kennengelernt, unter anderem einen SPD-Ortsbürgermeister aus der Nähe Wolfsburgs, eine Seniorchefin einer Großbäckerei aus Schleswig-Holstein, zwei junge Burschen aus Andorra, eine Buspilgertruppe gesehen, eine fünfköpfige Familie aus der Eifel gesprochen, eine zehnköpfige Gruppe einer evangelischen Bruderschaft war darunter und last but not least mit Harold und Irene, einem kanadischen Ehepaar aus Alberta viele Gedanken ausgetauscht, aber eben auch Wanderer kennengelernt , die die Infrastruktur des Caminhos wie selbstverständlich für sich reklamieren, viele Herbergsplätze kosten ja nicht mehr als 5 oder 6 Euro, mit der Kirche, dem Pilgern allerdings nichts am Hut haben. Ich denke, wir müssen gegensteuern, der Camino de Santiago darf nicht vollends zum profanen Wanderweg mutieren. Die örtlichen Kirchen am Jakobsweg sollten tagsüber geöffnet sein, Messen angeboten werden. Die Pilgerseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist ein guter Anfang.