Wer kennt nicht die Stelle bei Johannes 21,15ff., an der der auferstandene Jesus Christus dreimal Simon Petrus (im Kreis der 12 Apostel) fragt: „Liebst du mich?“ und Petrus ihm dreimal antwortet: „Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“+ Und doch gibt es fundamental wichtige Nuancen zu beachten, die die Übersetzer in die jeweilige Landessprache kaum übersehen, aber übergangen haben, weil offensichtlich zu schwierig dem einfachen Gottesvolk zu erklären. + FotoAusschnitt: Die Berufung des Petrus (Quelle s.u.)
Anhand des Evangeliums Johannes 21,15-19 vom 22. Mai 2026
in der Betrachtung von Catholic Daily Reflections „Meeting Us Where We Are At“
werde ich versuchen, die Thematik zu verdeutlichen
Einführung. Immer wieder stößt man vor allem bei den theologischen Abhandlungen von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI, wie auch zuweilen auch bei Nina Heeremann (Professorin an einem Prieserseminar in den USA + YouTube-MiniKat), auf erläuternde Hinweise, wonach die Übersetzer der Bibel manche Worte aus dem Original (aramäisch, griechisch, lateinisch) heraus sehr ungenau – ich füge hinzu: letztlich auch sinnenstellend – übersetzt hätten; das betrifft auch und gerade die Texte zur Liturgiereform im Nachgang des 2. Vatikanischen Konzils 1962.65 + Hinzu kommt, dass zuweilen auch an sich wichtige, den gesamten Text erklärende Passagen in den Evangelien wie auch in den Psalmen einfach weggelassen wurden. Demnächst werde ich betreffende Beispiele benennen. +
Mein Tipp: Ungeachtet der vorgeschlagenen Perikopen (Lesungen, Evangelium) zum jeweiligen Sonntag immer den Gesamtkontext betrachten. Sie tappen sonst im wahrsten Sinn des Wortes im Dunklen und wissen gar nicht, warum Jesus, warum die Apostel und Evangelisten was und wann zu welcher Gelegenheit in welchem Kontext gesagt haben.
Im nachfolgenden werden Sie feststellen, mit mir der Meinung sein, dass eine profane Übersetzung der Sache Jesu Christi nicht gerecht wird.

Raphael (1483-1520), 1515: Der Auftrag Christi an Petrus.
Christ’s Charge to Peter (Matthew 16: 18-19, John 21: 15-17)
FotoQuelle: File:V&A – Raphael, Christ’s Charge to Peter (1515).jpg – Wikipedia (30.05.26)
Nachdem Jesus sich seinen Jüngern offenbart und mit ihnen gefrühstückt hatte, fragte er Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Simon Petrus antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus sagte zu ihm: „Weide meine Lämmer.“ Dann sagte er ein zweites Mal zu Simon Petrus… ( Johannes 21,15–16)
Betrachtung. Die heutige Erscheinung des Auferstandenen ist das dritte Mal, dass Jesus seinen Jüngern erschien, wie im Johannesevangelium berichtet wird. Sie fand statt, als sieben der Apostel fischten. Nach einem wundersamen Fischfang erkannten sie Jesus am Ufer. Nachdem sie zu ihm gegangen waren, bereitete Jesus ihnen das Frühstück zu und fragte Petrus dreimal, ob er ihn liebe.
Zur Thematik „Liebe“
Im Deutschen kann das Wort vieles bedeuten in unterschiedlichen Kontexten: lieben, begehren, lieb haben, körperlich lieben, sexuell, platonisch lieben, Elternliebe, Geschwisterliebe (Zuneigung), etc. + Andere Sprachen differenzieren.
- Als Jesus Petrus zum ersten Mal fragte, ob er ihn liebe, benutzte er das Verb agapáō (vom Substantiv agapē ),
- doch Petrus antwortete mit dem Verb philéō :
- „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Simon Petrus antwortete ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe .“
- Das Wort agapáō bezeichnet eine tiefere Form der Liebe – eine aufopfernde, totale Hingabe, die Gottes Liebe zu den Menschen widerspiegelt.
- Sie beinhaltet eine Liebe, die nicht nur Zuneigung ist, sondern sich durch die Bereitschaft auszeichnet, sich für das Wohl des anderen aufzuopfern – eine Liebe, die Jesus selbst vorlebte.
- Petrus’ Verwendung des Wortes philéō hingegen bezieht sich auf eine herzlichere, freundschaftlichere Liebe, die oft mit einer tieferen, menschlicheren Freundschaft verbunden ist.
- Sie ist zwar aufrichtig, aber weniger intensiv und aufopfernd als die agapē -Liebe.
- Als Jesus die Frage zum zweiten Mal stellt, verwendet er erneut agapáō, und Petrus antwortet wieder mit philéō.
- Beim dritten Mal passt Jesus seine Frage an Petrus’ Antwort an und verwendet philéō (nicht agape): „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“
- Petrus antwortet wieder mit philéō : „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe .“
- Dieser Wechsel zu „philéō“ in der dritten Frage zeigt, dass Jesus Petrus dort begegnet, wo er steht, und dessen Grenzen sowie seine derzeitige Fähigkeit, mit einer eher liebevollen als aufopfernden Liebe zu lieben, anerkennt.
- Dieser Dialog verdeutlicht auch Petrus’ Bewusstsein seiner Schwäche und seine Demut, mit der er zugibt, dass er noch nicht mit der vollen Tiefe der Agapē lieben kann , zu der Jesus ihn aufruft.
Raphael. The Miraculous Draft of Fishes + Der wundersame Fischfang + Lukas 4, 1-11
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. 6 Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten 7 Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen. 8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder 9 Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; 10 ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.
Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen 11 Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.
FotoQuelle: File:Raphael – The Miraculous Draft of Fishes – Google Art Project.jpg – Wikimedia Commons + 30.05.26

Weiter in der Betrchtung. Am Ende des Gesprächs sagt Jesus: „Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst angezogen und bist gegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich anziehen und dich führen, wohin du nicht willst“ ( Johannes 21,18 ). Jesus prophezeite nicht nur, dass Petrus den Märtyrertod sterben würde, sondern auch, dass sein Martyrium Gott verherrlichen würde, da es der höchste Ausdruck der aufopfernden Agape -Liebe sein sollte, zu der Jesus ihn berufen hatte. Diese Verheißung an Petrus gab ihm Hoffnung für die Zukunft, selbst angesichts der Herausforderung seiner Berufung.
Trotz Peters Schwäche und seiner Unfähigkeit, Agape auszudrücken , begegnet Jesus ihm nicht nur in seiner Lage, sondern gibt ihm auch einen dreifachen Auftrag von göttlicher Bedeutung. Er sagt: „Weide meine Lämmer… hüte meine Schafe… weide meine Schafe.“ + Obwohl diese Gebote ähnlich erscheinen mögen, unterscheiden sie sich in ihrer Betonung.
- „Weide meine Lämmer“ bedeutet, sich um diejenigen zu kümmern, die im Glauben schwach sind und der ersten Stärkung durch das Wort Gottes bedürfen.
- „Hüte meine Schafe“ bedeutet, die reifen Christen zu begleiten und zu führen.
- „Weide meine Schafe“ betont, wie wichtig es für die im Glauben Gereiften ist, durch ein tieferes Verständnis des Wortes Gottes und die Gabe der Eucharistie, des Brotes des Lebens, gestärkt zu werden.
Obwohl Peter unvollkommen war und mit Schuldgefühlen und Entmutigung kämpfte, weil er die Tiefe der Liebe, die Jesus von ihm verlangte, nicht ausdrücken konnte, vertraute Jesus ihm dennoch einen göttlich inspirierten Auftrag an.
Anhang. Denken Sie heute über Gottes Einladung nach,
ihn zu lieben und seine Mission zu erfüllen. Obwohl wir alle unvollkommen sind und in vielerlei Hinsicht Fehler machen, bittet Jesus uns immer wieder um die bedingungslose Liebe (Agapē) . Auch wenn es uns schwerfällt, diese tiefe Liebe zu leben, wartet Gott in seiner Barmherzigkeit nicht, bis wir vollkommen sind, um uns als seine Werkzeuge auszusenden. Er möchte, dass wir diejenigen stärken, die wenig oder gar keinen Glauben haben, unsere gläubigen Brüder und Schwestern ermutigen und sie nähren, indem wir Werkzeuge seiner reinen Liebe werden. In dem Maße, wie wir die bedingungslose Liebe annehmen , werden wir diese Mission gut erfüllen können. Doch wir beginnen heute damit, so gut wie möglich zu antworten, denn Jesus begegnet uns und gebraucht uns dort, wo wir sind, während er uns zu Höherem beruft.
Allerliebster Herr, deine Liebe zu mir ist vollkommen, meine aber unvollkommen. Schenke mir Hoffnung und führe mich jeden Tag näher zu der reinen Agapē- Liebe, zu der ich berufen bin. Während ich in dieser Liebe wachse, gebrauche mich bitte so, wie ich bin, um die Aufgabe zu erfüllen, die du mir anvertraut hast. Jesus, ich vertraue auf dich.
Novene zum Heiligen Geist, gebetet zur Vorbereitung auf Pfingsten, Freitag, 15. Mai – Samstag, 23. Mai