„Ohne eine ganz besondere Gnade wäre das unendliche Wesen mir unvorstellbar, undenkbar gewesen + Der Gott der Philosphie und der Gelehrten hätte in meinem moralischen Leben keinen Platz gehabt“, sagt der am 1. September 1970 in Paris 85-jährig verstorbene französische Schriftsteller, Nobel-Preisträger und überzeugter Katholik Francois Mauriac (Quelle: s.u.)
Blaise Pascal. Nur durch Christus kennen wir Gott
Die Theologie Blaise Pascals (1623-1662) scheint Francois Mauriac eine große Stütze gewesen zu sein, der apodiktisch erklärt hatte: „Nur durch Christus kennen wir Gott.“

Blaise Pascal, 1691. Unbekannt; eine Kopie des Gemäldes von François II Quesnel, das 1691 für Gérard Edelinck angefertigt wurde.
FotoQuelle: commonswikimedia (25.04.26), gemeinfrei
Französischer Mathematiker, Physiker, Literat, Erfinder und christlicher Philosoph. + Berühmt seine „Pascalsche Wette“ hinsichtlich Beweisbarkeit Gottes + an anderer Stelle dazu mehr +
Ebenso bewunderte Francois Mauriac offensichtlich seinen siebzehn Jahre älteren Landsmann Paul Claudel (1868-1955), berühmter Konvertit als 18-jähriger *): Schriftsteller, Dichter und Diplomat.+
*) Claudel hatte sein Erweckungserlebnis mit 18 Jahren in Notre Dame, Paris, als er nach der Weihnachtsmesse das von den Sängerknaben gesungene Magnifikat hörte, natürlich in Latein (Lk 1,46b-55). : Magnificat anima mea Dominum, et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo +.Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. + Vollständiger Text unten.
- Quelle. Zitat: „Und so steht Jesus Christus, der Gottessohn, einzigartig über allen Menschen,
- (einzigartig) auch über jeden Religionsstifter:
- ‚Jeder Mensch kann tun, was Mohammed getan hat, denn er vollbrachte keine Wunder, und er war nicht geweissagt.
- Kein Mensch kann tun, was Jesus Christus getan hat.‘ „
Francois Mauriac
Wäre Jesus nicht Christus, würde ich in den Kathedralen nur eine ungeheure Leere empfinden
Mauriac scheint für viele Menschen ein großes Vorbild gewesen zu sein. So habe er nicht wenige Menschen kennengelernt, die eben nicht wie er eine christliche Soazialisierung durchlaufen zu haben, später aber Christen geworden sind.
François Mauriac (1933).
FotoQuelle: commons.wikimedia (25.04.26); gemeinfrei
Natürlich erlebte auch er ein „erstickendes klerikales Milieu“, das er verachtete. Doch brach er nicht mit der Kirche: „Ich mochte noch so sehr spotten und so tun, als zerrisse ich die Bande (…), ich ging nicht fort.“

In seinen vielen Romanen beschrieb er dieses Milieu, auch das der bigotten Menschen, die in ihrer Selbstgerechtigkeit sich als gnadenlose Richter aufwarfen, anderen ihre eigenen Vorstellungen von Sitte und Moral aufzuwerfen. + Die Pharisäerin + Natterngezücht, etc.
In 1936 dann sein Versuch – mit dem Buch Leben Jesu – dem Leben Jesu als „wahrer Mensch und als wahrer Gott“ nachzuspüren. + In seinem Vorwort zur 2. Auflage deklamierte er ergänzend:
- „Ich habe zeigen wollen, dass „diese Quelle Leben atmet“ (er meint das Neue Testament), um mit Claudel zu sprechen;
- und dass wir in keiner anderen Geschichte den lebendigen Odem eines Menschen so spüren, wie in dieser Geschichte.“

Paul Claudel. Von Camille Claudel geschaffene Büste ihres Bruders.
Büste von Paul Claudel, 37 Jahre alt. Oeuvre von Camille Claudel (1864-1943), 1905 Bronze-Schriftart Converset, 1912. Exemplar stammt von Paul Claudel. Nach Nachkommen des Modells mit Beteiligung am Vermögensbestand, 2016 Sammlung des Camille Claudel-Museums in Nogent-sur-Seine
FotoQuelle: commons-wikimedia (25.04.26), gemeinfrei
Zeitweilig hatte Mauriac sich stark beeinflussen lassen vom französischen Theologen Alfred Loisy mit dessen historisch-kritischer Bibelexegese und den liberalen Anschauungen, aber zugleich auch tief verstört. + Die Verarbeitung fiel ihm dann insoweit leicht, wenn er sich Paul Claudels Zitat besann:
Jesus Christus als Pantokrator am Camino de Santiago.
Das Testament in der linken Hand; mit der rechten Hand zeigt er als Gottessohn nach oben gen Himmel, gen Gottvater. Zwei Engel dienen und lobpreisen.

- „Wie sehr strengen sie sich an, die Gottheit Christi ins Dunkle zu rücken,
- dieses Antlitz zu verschleiern, das sie nicht ertragen,
- christliche Wirklichkeit zu verdünnen, seine Umrisse auszulöschen
- unter dem kreuzweise verschlungenen Ineinander von Gelehrsamkeit und Zweifel.
- Das in kleine Stücke zerlegte Evangelium wurde schließlich zu einer Sammlung un-zusammenhängerder und verdächtiger Materialien,
- in der jeder Dilletant die Elemente seiner ebenso gesuchten wie vorläufigen Konstruktion suchen ging.“
Sein gelebtes Christentum, Barmherzigkeit zu üben, brachte er nach Beendigung des 2. Weltkrieges ein (er war Mitglied der Resistance, wie übrigens Charles de Gaulle), indem er sich gegen die pauschalen Aburteilungen der französischen Kollaborateure wandte und stattdessen Begnadigung empfahl. + Ab 1950 verfaßte der Protagonist im „Figaro“ regelmäßig viel beachtete Kommentare.
Quelle: Matthias Hilbert. Gottfinder. Dichterbekehrungen durch die Jahrhunderte. Vierzehn Dichterporträts. 2021. Steinmann Verlag, Neuenkirchen/Soltau + Seite 57: Francois Mauriac. Der Mensch, ein Sünder und der Gnade Gottes bedürftig + Seite 83: Blaise Pascal. Ein Genie begegnet Gott.
Magnifikat
Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, / 2223
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. 24
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. /
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. 25
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan /
und sein Name ist heilig. 26
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht /
über alle, die ihn fürchten. 27
51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: /
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; 28
52 er stürzt die Mächtigen vom Thron /
und erhöht die Niedrigen. 29
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben /
und lässt die Reichen leer ausgehen. 30
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an /
und denkt an sein Erbarmen, 31
55 das er unsern Vätern verheißen hat, /
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. 32
56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
Magnificat anima mea Dominum,
et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae.
Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna qui potens est,
et sanctum nomen eius.
Et misericordia eius a progenie in progenies
timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo,
dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede
et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis
et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum,
recordatus misericordiae suae.
Sicut locutus est ad patres nostros,
Abraham et semini eius in saecula.
Gloria Patri et Filio
et Spiritui Sancto,
sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum. Amen.