6. Etappe, Montag, 9. Mai: Tui – O Porrino 16,5 km.

O Porrino ist – leider ist es nun mal so – nichtssagend. Wir verbinden mit dieser Stadt und dem Weg zu ihr hin einen kilometerlangen Marsch durch hässliche Industrievororte, ein Rathaus, von dessen Fassade man nicht weiß, welchem Baustil es zu geordnet werden soll, ein mäßiges Zimmer, ein noch mäßigeres Frühstück, ich erzählte es bereits, aber: und das gehört auch zur Wahrheit.

Wir erleben einen Wirt, dessen Menükarte zwar schauderhaft formuliert ist, der sich aber umso mehr engagiert. Wie ein Wiesel eilt er von Tisch zu Tisch, in die Küche, zum Tresen und zurück, wild gestikulierend. Es macht sich bezahlt. Das Essen schmeckt, ebenso der Wein, und teuer ist auch nicht.

Wir treffen die vertrauten Mit-Wanderer, beobachten Fritz in Begleitung „seiner“ Damen. In Santiago wird er uns dann erzählen, mit den beiden hätte er später läuferisch nicht mehr mithalten können.

Zurück zum Frühstück im Paradores in Tui. Um 8Uhr40 ist vieles vom Buffet nicht mehr vorhanden. Eine größere französische Gruppe hatte erbarmungslos zugeschlagen. Verlassen das Hotel um 9Uhr35. Anfangs ist der Weg teils noch sehr schön, viel Wald, heiß, das Industriegebiet von Porrino gewöhnungsgedürftig, es wird immer heißer. + Treffen 3 x eine ältere Großfamilie, pensionierte Deutsche, ihr angeschlossen ein Ehepaar aus Kärtnen.

Kurz vor dem Industriegebiet. Eine Bar rechte Hand erweckt unser Interesse: eine Palme vor dem Gebäude, innen ein Elvis-Foto. 4,50 E plus Stempel. Sind bereits um zwanzig Minuten 2 Uhr am Zielort, ca. 16km.

Nachmittags Sightseeing, Besuch der Kirche, genießen das Pigermenü wie oben erwähnt: Fleisch, Nudeln Suppe: günstig. Hajo aus Wolfsburg hat sich verletzt, will einen Ruhetag in Valenca eingelegt haben.

O Porrino rasch vergessend widme ich mich jetzt umso mehr Redondela, einer Stadt, die am Ria de Vigo liegt. Elke und ich werden begeistert sein. Aber bis dahin werden noch viele Worte des Unmuts geäußert sein. Sie: „Wir sind hier falsch, das ist ein Umweg, warum machst du das mit mir!?“ Ich gebe zu, mangelnde Kommunikation. Zu meiner Ehrenrettung darf ich hinzufügen, es war extrem heiß.