Es ist Sonntag, 8. Mai. Die Nacht mäßig überstanden. Die Dusche spuckte nur kaltes Wasser aus. Das Zimmer unwirtlich, naßkalt. Freuen uns auf das sicherlich gute Frühstück, geöffnet im Pensao ab 7Uhr30: Instantkaffee plus heißes Wasser plus Milch, zugeteilte Marmelade, zugeteilte Brötchen. + In O Porrino trifft es uns noch ärger. Dort wird uns die Hotelwirtin am Vorabend ein Blatt Papier geben, auf dem wir vermerken sollen, ob wir nun zum Frühstück ein Toastbrot mit einem Stück Butter und Marmelade oder beispielsweise ein Croissant mit Marmelade wünschen. Kaffee wie Milch wird seitens der Bedienung eingeschenkt. + Der Frühstückstisch der Familie aus der Eifel sieht hingegen gut aus – alles reichlich vorhanden. Merke, wie unterschiedlich kann doch portugiesisches Frühstück in einem Ein- und/oder Zweisternehotel ausfallen; wahrscheinlich eine Frage der Vorbuchung. Wir haben es überlebt.

Kurz nach acht Uhr. Endlich weg. Der starke Regen hat sich endlich verzogen, verlassen das Hostal zusammen mit den Kanadiern und der evangelischen Bruderschaft, verlieren uns aber rasch aus den Augen. Harold und Irene sehen und sprechen wir allerdings noch zweimal auf der Etappe, zu Beginn einige Fotos mit und von ihnen; treffen auf zwei Österreicher. Haben Glück, es regnet die ganze Strecke nicht mehr, dafür sind die Wege voller Matsch.
Bereits um 14:00 Uhr sind wir im spanischen Tui, Doppelstadt mit dem portugiesischen Valenca. Wir müssen die Uhr vorstellen, es ist tatsächlich bereits drei Uhr nachmittags.
Die Internationale Brücke über den Rio Mino ist atemberaubend. Mir wird ein wenig schwindelig. Wir gönnen uns jetzt erst einmal ein Zimmer im Paradores, zu einem erschwinglichen Preis. Das muss einfach sein, wir haben es verdient.


Leider sind wieder einmal, bis auf die Kathedrale, alle Kirchen geschlossen. In Deutschland ist es zumeist so geregelt, dass tagsüber die katholischen Gotteshäuser geöffnet sind, die evangelischen hingegen nicht. Die von Raimund Joost in seinem Outdoor-Führer vorgeschlagene Besichtigung der Prozessionsfiguren können wir uns abschminken. Sie sind schon eingemottet, seit dem 2. Mai.
Widmen uns also einigen Highlights der Kathedrale Santa Maria, den Kreuzgangarkaden, durchstreifen später die Stadt, an diesem Sonntag nahezu kein Verkehr.
So verbleibt mir genügend Zeit, die Wäsche zu machen. Das 4-Sterne Hotel mutiert zu einer Wäschekammer. Wenn das der Geschäftsführer sähe, wie würde er wohl reagieren? Das sog. kleine Dinner im Hotel nicht unbedingt billig, dafür auch nicht sehr reichhaltig. Was soll`s:? Wenn man auf Reisen ist, auf dem Jakobsweg allemal, kann man viel erleben. Wenn alles klappte ….
An dieser Stelle nochmal das Thema Pause. Durchgängig werden es wohl je Etappe mindestens zwei gewesen sein. Elke reklamiert jetzt plötzlich, sie hätte immer davon gesprochen, sich alle zwei Stunden mindestens eine halbe Stunde ausruhen zu wollen – die Füße hochlegen. Das zu schaffen erscheint mir ein Rätsel.
Vorschau 6. Etappe: Tui – O Porrino, 16,5km
Wir erleben einen Wirt, dessen Menükarte zwar schauderhaft formuliert ist, der sich aber umso mehr engagiert. Wie ein Wiesel eilt er von Tisch zu Tisch, in die Küche, zum Tresen und zurück, wild gestikulierend. Es macht sich bezahlt. Das Essen schmeckt, ebenso der Wein, und teuer ist auch nicht.
Wir treffen die vertrauten Mit-Wanderer, beobachten Fritz in Begleitung „seiner“ Damen. In Santiago wird er uns dann erzählen, mit den beiden hätte er später läuferisch nicht mehr mithalten können.