John Brierley’s Reiseführer gibt an sich die Vorgabe. Er schlägt vor, von Barcelos direkt bis Ponte de Lima durchzugehen, 33,6 km resp. wegen der Steigungen 38,8 km. Ich überlasse Elke die Entscheidung. Sie ist wirklich gut drauf, obwohl: ich kenne sie, weiß, dass es zum Schluss kritisch werden kann. Und genauso kam es denn auch.

Die letzten Kilometer bis zum Hotel nehmen kein Ende. Gott sei es gedankt kann ich gerade noch ein Doppelzimmer ergattern, direkt an der Allee am Rio Lima. Die Buspilger, wir sahen sie am Ponte das Tabuas, übernachten im selben Hotel: fast alles ältere Damen mit Hut und Pseudorucksack, gemein von mir dieser Schlenker, nicht wahr? Muss aber sein. Wie gesagt, bei der Ponte das Tabuas, kurz vor Balugaes, Christas Etappenziel, verlassen wir Christa, sie will kürzere Etappen gehen.
Schnell schreiten wir weiter, die Busdamen nehmen die Brücke und den Strand in Beschlag, es ist laut. Unser gestern vorsorglich gebuchtes Zimmer bei Fernanda storniere ich per SMS, Elke will nämlich weiter. Immer wieder begegnen uns zwei Holländer, die als Start Lissabon angeben, und zwei junge Frauen, mal vor, mal hinter uns.
Zum Schluss, auf der letzten Gerade in Ponte de Lima, hebt die eine doch tatsächlich den Daumen und will damit signalisieren, dass sie unsere Leistung toll findet.
„Was denkt die junge Frau sich eigentlich? Wir sind (halbe) Profis“, schießt es mir in den Kopf.


Der ältere Holländer, er spricht gut Deutsch, hatte mir übrigens zuvor zu meinem Portemonnaie verholfen, es war mir in der Bar aus der Hosentasche gerutscht. Ich bin ihm heute noch dankbar. In der Kathedrale in Santiago, am Sonntag, werden wir ihn und seinen Freund wieder sehen.
Heute ist das Tempo so richtig nach meinem Geschmack: acht Stunden Vierzig für 34 km, gefühlte 39 km, kein schlechter Schnitt, trotz der Hitze. Wir werden es leichwohl nicht noch einmal machen. Es passt nicht, zum Camino nicht, zu Elke nicht. + Wir müssen mehr Pausen einlegen, obwohl: gerade zum Schluss einer Etappe, wenn man also müde geworden ist, gibt es zumeist keine Snackbars mehr. + Der Hotel-Rezeptionist hatte entweder einen guten Tag oder er schnallte es nicht. Was warum? Sein PC hatte gestreikt: an sich zu zahlen 38,50 für die Übernachtungs plus 2 x 5 Euro für das Frühstück; er beließ es trotz mehrfacher Hinweise bei € 38,50. Beim nächsten Snack irgendwo am Caminho werden wir ihn hochleben lassen.
Nach einer Erholungspause, wir waren um 16Uhr45 in Ponte de Lima angekommen, hatten mit viel Glück noch ein Zimmer im Hotel an der Promenade ergattert, und einer kurzen Appetit-machenden Erkundungstour durch die sehenswerte Kleinstadt, geschichtlich sehr aufgeladen, stießen wir abends zum Pilgermenü auf einen absolut bürokratisch agierenden Restaurantbesitzer, völlig atypisch.
Was war passiert?

Das Restaurant Goia, sein Besitzer offensichtlich, verwehrte uns partout das Pilgermenü, da wir die Pilgerausweise nicht dabei hatten, obschon wir unschwer als Pilger erkennbar waren. + Das nahe gelegene Restaurant Encanada stellte uns sodann vollauf zufrieden, etwas teurer, aber auch eben besser.
Weitere Fotos von Ponte de Lima. Detaillierte Erklärungen später
Vorschau Etappe 4.
Ungelogen, selbst ich muss mich teils mit allen Vieren abstützen, um weiterzukommen, das Gewicht des Rucksacks zieht nach hinten. Wenn ich dann hinfalle, oder gar Elke, nicht auszumalen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Elke, sie ist hochgradig verstimmt, sich nicht knipsen lassen will, wo doch das Cruz de Francesco, auch Cruz dos Mortos (Tod) genannt, geradezu einlädt. Es erinnert an Napoleons Besetzung der iberischen Halbinsel 1808 bis 1814.
Beim abendlichen Dinner mit Harold und Irene ist alles wieder vergessen. Die Wirtin hat einen Fahrdienst zum Restaurant organisiert und schon bilden sich drei Gruppierungen: