Zukunft ist Herkunft

Zukunft ist Herkunft. Geschichte neu bewertet. Geschichte heute betrachtet.

Im weiteren Verlauf werde ich mich den folgenden Themen widmen: Leyanda Negra. Der spanische Bürgerkrieg. Die Kreuzzüge. Kölner Bischöfe helfen der jüdischen Bevölkerung. Prof. Rodney Stark entlarvt jahrhundertealten Anti-Katholizismus. Matamoros.

12-11-23. „Historiker sind rückwärts gekehrte Propheten“, sagt der deutsche Historiker schlechthin, nämlich Prof. Heinrich August Winkler, in seinem Interview mit der Welt am Sonntag vom 17. Juli 2022: Die größte Bewährungsprobe in der Geschichte der Bundesrepublik. Bis zu seiner Emeritierung war er Lehrstuhlinhaber an der Berliner Humboldt-Universität. Lesenswert seine Studien „Der lange Weg nach Westen.“

Das Betrachten vergangener Zeiten unterliegt immer der Brechung durch unsere Gegenwartsperspektive. Die Gefahr anachronistischer Geschichts-Betrachtung ist dann nicht mehr fern. Wir können unsere Vorfahren gleich welcher Zeit nicht mit unseren Moral- und Wertvorstellungen beurteilen. Die Menschen und ihre Mentalitäten, Politiken wie Herrschaftsansprüche, haben sich fundamental verändert. Da hilft es auch nicht, wenn mir ein Chefredakteur einer Regionalzeitung 2019 sagt: das Mittelalter sei nun einmal finster gewesen. Das ist postmoderne Arroganz und letztlich auch Dummheit.

Wollten wir in diesem Zusammenhang tatsächlich die weiland gebauten hellen gotischen Kathedralen unseren dunklen Betonkirchen gegenüberstellen? Wollten wir tatsächlich die großartige Rezeption griechischer Philosophen in der mittelalterlich Theologie der Scholastik der heutigen einfallslosen, Christ-abgewandten Theologie gegenüberstellen?, Stichwort Nationalprotestantismus während des Dritten Reichs?, so bliebe fraglich, zu welcher Seite sich die Waage neigte. 

Die Sichtung angehäufter Generationendeutung sollte prima vista Gegenstand historischen Forschens sein und nicht – frei nach dem Standardsatz „Wir wissen heute“ – den geneigten Lesern die eigene Wahrheit als die allgemeinverbindliche aufzudrücken. Ich bin kein gelernter Historiker, kein Forscher, wohl aber einer, der sich vieles über die vielen Jahre hinweg angelesen hat. Selbstverständlich bin auch ich jemand, der seine – nomen est omen – eigene Brille nichtwird absetzen können. Mir geht es letztlich darum, ein wenig mehr die katholische Sicht ins Spiel zubringen, häufig genug ist sie unter den Tisch gefallen, bei den Klerikern bis in die allerhöchsten Ränge inklusive.

Prof. Luise Schorn-Schütte unterstützt in etwa diesen Gedankengang in ihrem Büchlein Karl V. – Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit. (C.H. Beck, 2000; 3. aktualisierte Auflage 2006), wenn sie auf Seite 48 deklamiert, dass bisherige große Biographien die tiefe Frömmigkeit von Kaiser Karl V. (1500-1558; König von Spanien) ausblendeten, weil sie, so die Historikerin, konfessionell befangen waren; ich hingegen füge hinzu, weil sie  mit einem frommen tatsächlich an den dreifaltigen Gott glaubenden Kaiser/König/Menschen offensichtlich nichts anzufangen wußten/wissen, weil selber nicht-konfessionell und/oder agnostisch. Gut zu beobachten bei denjenigen Autoren, die sich mit der Re-Conquista Spaniens auseinandersetz(t)en, dabei zwangsläufig auf diverse katholisch geprägte und aus christlichem Verständnis heraus agierende spanische Könige stießen.

GESCHICHTE RICHTIG VERSTANDEN IN KURZFORM Also, ob man will oder nicht, Historiker bleiben Zeitgenossen. Die Protagonisten jeder Generation versuchen, ihre eigene Vergangenheit neu zu konstruieren. Auch und gerade die gegenwärtige historische Forschung folgt zeitgebundenen Leitbildern. Die Auflösung derart festgeschriebener Deutungsmuster ist nur über einen längeren Zeitraum möglich, Behutsamkeit ist gefragt, kollektiver Widerspruch umso mehr gegeben.

Deshalb ist es wichtig zu begreifen, was Geschichte eigentlich auszudrücken vermag, wie Historiker einzuordnen sind.

Geschichte ist ein System zwischen dem, was war, und dem, was, wie, wann von wem in welchem Kontext reflektiert wurde. Betrachtung der Geschichte ist also IMMER indivuell, persönlich, subjektiv, kann nicht objektiv sein. 

ZERRBILDER Und damit sind wir schlußendlich beim eigentlichen Thema angelangt, nämlich bei den Kreuzzügen (Beginn 1096), der Schwarzen Legende (16. Jh. Stichwort Kaiser Karl V.) und letztlich dem Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Unser erster Blick wendet sich zu gerne dem (vermeintlich) finsteren Mittelalter zu, vergessen dabei gleichermaßen gerne unser 20./21. Jahrhundert mit zig Millionen Toten des Kommunismus wie des Faschismus, gespeist vom Humanismus, et ecetera. Wir sind keine besseren Menschen als diejenigen vergangener Zeiten – mitnichten; Glaubt es nicht den Moralisten.