Die Spanier wurden bezichtigt, „ihre“ Inquisition habe eine stringente Hexenverfolgung betrieben. Völlig falsch. Luthers evangelisches Deutschland der vielen Kleinstaaten war hier federführend – noch bis ins 17. Jahrhundert. + Fotoausschnitt: Wappen der Spanischen Inquisition; Beschreibung unten.
Die Reconquista, die Wiedereroberung des spanischen Kernlandes
von den moslemischen Mauren, tue ein Übriges. Auch hier eine völlig einseitige Lesart. So hat es die protestantische Seite geschafft, erfolgreich die Integrität von Königin Isabella I. die Katholische in Zweifel zu ziehen. Vor einigen Jahren wurde – letztlich vergeblich – ein Heilsprechungsverfahren seitens des Vatikans in Erwägung gezogen.
DIE SPANISCHE INQUISITION
Gern geglaubte Horrorgeschichten
Die heute noch gerne zitierten Schauermärchen über die vermeintlich monströsen Schandtaten der Katholischen Kirche Spaniens gehen auf ein Pamphlet eines abtrünnigen Mönches (Pseudonym „Monatanus“) zurück. Seine wüsten Übertreibungen und wilden Erfindungen hätten schon damals an sich jeden vernunftbegabten Menschen hellhörig machen müssen. Sie wurden hingegen bis in die Neuzeit als Quelle unzähliger Horror-Geschichten und bluttriefender Phantasmagorien herangezogen, von billigster Kolportage bis hin zum Werk eine Edgar Allen Poe. + Quelle Martin Eberts, Tagespost, 01.10.2020, Prof. Rodney Stark, USA.
BESONDERHEITEN
Die spanische Inquisition weist eine Besonderheit auf. Obwohl sie einen religiösen Hintergrund hatte, agierte sie relativ unabhängig von Papst und katholischer Kirche.Die Katholischen Könige Fernando und Isabella bündelten mit ihrer Heirat die Königreiche Aragons und Kastiliens. Im Anschluss beendeten sie die Reconquista, die Rückeroberung moslemisch besetzter Gebiete, mit der in 1492 erfolgten Eroberung Granadas – Grundlage für das heutige Spanien.
Um ihre Macht abzusichern, sie befürchteten nach wie vor den Einfluss und Eingriffe moslemischer Araber und auch der Juden, ließen sie sich Anno Domini 1478 von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis geben, die Inquisition in Spanien einzuführen. Sixtus IV. soll nur widerstrebend seinen Segen gegeben haben.

Wappen der Spanischen Inquisition:
Neben dem Kreuz als Symbol für den geistlichen Charakter der Inquisition halten Olivenzweig und Schwert die Waage, wodurch das Gleichgewicht zwischen Gnade und Strafe angedeutet werden sollte.
FotoQuelle: commons.wikimedia (21.01.26), gemeinfrei
Toledo. Nur 2 % der Angeklagten auf Scheiterhaufen
Nicht einmal 2% der Angeklagten von Toledo endeten auf dem Scheiterhaufen, 9 von 10 Verfahren wurden mangels Beweise eingestellt, weil die Beweise unsicher und/oder die Zeugen unzuverlässig erschienen.
Gleichwohl, alle Nicht-Katholiken mussten entweder zum Katholizismus konvertieren oder das Land verlassen. Das traf verhängnisvoller Weise vor allem die jüdischen Mitbewohner; vgl. dazu Menüpunkt Königin Isabella I. die Katholische.
Mitnichten ein Euphemismus, wenn ich festhalte, dass die Moslems Gleiches an gleicher Stelle, nur Jahrhunderte zuvor, initiiert hatten: Massenkonversionen, Massenhinrichtungen; vgl. dazu Verlinkung: JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. > Die Ritterorden. Mauren. Reconquista. > Jakobuspilger und Verfolgungen.
Straffällige unterwarfen sich bewußt der Inquisition
und nicht der staatlichen Gerichtsbarkeit.
Das Inquisitionstribunal in einer Illustration von Francisco de Goya. 1746 – 1828.
FotoQuelle: commons.wikimedia (23-01-26) gemeinfrei
- „Mit der Inquisition schafft die Kirche die erste fundamentale Säule der modernen Justiz, um Verbrechen von Amtswegen zu verfolgen „
sagt Paolo Prodi, ehem. Rektor der Universität Bologna, Bruder des ehemaligen Kommissionspräsidenten und italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi.

- In Spanien sollen Angeklagte ihren Taten gar noch Blasphemie hinzugefügt haben, nur um sicherzugehen, daß ihr Prozeß vor einem Inquisitionsgericht verhandelt würde.
- Gelang ihnen das, dann waren sie sicher vor der maßlosen Gewalt weltlicher Gerichte und vor der verbreiteten Rechtsbeugung.
- Sie erwarteten mit Recht einen faireren Prozess.
- Von 44.674 Fällen, die von der Spanischen Inquisition in den Jahren von 1540 bis 1700 verhandelt wurden, endeten nicht einmal 1,8% mit der Verurteilung zu einer Körperstrafe.
RECHERCHEN ZUR INQUISITION
Artikel regen zum Nachdenken an. Juni 2018. Wer kennt die Wahrheit über die Inquisition?
Wahrheit und Legenden: Vor über 20 Jahren öffnete die Glaubenskongregation ihre Archive. Was die Wissenschaftler fanden: Das passt nicht zu den landläufigen Legenden, oder doch? Quelle: Catholicnewsagency.
20 Jahre Öffnung des Vatikanischen Geheimarchivs. Kollektives Bild der Inquisition = Fake News.
Anna Foa (jüdische Forscherin) beklagt das Zerrbild der Inquisition, das sich im kollektiven Gedächtnis festgesetzt habe. Quelle: katholisches.info.
2008. Hans Conrad Zander: Warum die Inquisition im Fall Galilei Recht hatte. Mehr im „Welt“-Artikel aus 2008 ……
VERFOLGUNG DER INDIOS
Die Behandlung der südamerikanischen Indios war, ist und bleibt weitestgehend unentschuldbar. Das brachte 1511 der Dominikanermönch Antonio de Montesino zum Ausdruck, als dieser mit scharfen Worten die verabscheuungswürdigen Kriege thematisierte und kritisierte. Sein Dominikanerkollege, Bartolomé de Las Casas (1484 – 1566), Bischof in den spanischen Kolonien, wurde ob seines Einsatzes für die Ureinwohner des Kontinents Apostel der Indianer genannt. Bekannt sind überdies seine detaillierten Aufzeichnungen über die Conquista. Wer mehr über diese außergewöhnliche Gestalt wissen will, schlage im Internet nach.
PAPST PAUL III. FORMULIERT RECHTE DER INDIOS
Die spanische Krone erließ in den Jahren 1530 und 1543 umfassende Gesetze zum Schutz der Ureinwohner, lange vor auch nur entfernt ähnlichen Regelungen in den Kolonien anderer Länder. Kirchenleute kritisierten die Praxis der spanischen Kolonisten, sich Land, Arbeitskraft und Herrschaft der Indios enzueigenen. Außerdem schaltete sich auch Papst Paul III. ein, der in 1538 eine aufsehenerregende Bulle herausgab, in der er nicht nur die Rechte der Indios formulierte, sondern auch die aller anderen Völker. Menschen dürften nicht versklavt werden, sondern „ungehindert das Recht auf Besitz und Freiheit ausüben.“
Man kann mit Fug und Recht von einer der ersten Menschenrechtsdeklaration sprechen, Kernpunkt europäischer Identität, wie sie in keiner anderen Religion und Kultur ausgebildet wurde.
Während die Kolonien in Nordamerika es nicht für selbstverständlich erachteten, den Ureinwohnern die Taufe empfangen zu lassen, war es unter der spanischen und portugiesischen Herrschaft von Anfang üblich, was sie für alle Katholiken zu gleich zu achtenden Mitgliedern der Kirche machte. Das heißt leider nicht, dass die vor Ort agierenden Potentaten genauso dachten und handelten. Etliche Priester wurden bedroht oder vertrieben.
MENSCHENOPFER BEI DEN AZTEKEN
Neueste Grabungen (Stand Juli 2017) in Mexiko-Stadt werfen ein neues Licht auf die Kultplätze der Azteken (1371-1521) in vorchristlicher Zeit. Die Entdeckung der Reste eines ungewöhnlichen Azteken-Tempels bestätigen die grausamen Menschenopfer für den Windgott Ehecat! und damit die ältesten Erzählungen spanischer Chronisten. Sie, die 1519 nach Mexiko kamen, waren entsetzt über die blutrünstigen Kulte. Insoweit ist es mehr als verständlich, dass die „bösen“ Spanier die Azteken christianisierten. Die Ausgrabungen bestätigen also die ältesten Erzählungen spanischer Chronisten. Diese Fakten werden gerne verschwiegen.

Aztekisches rituelles Menschenopfer, dargestellt auf
Seite 141 (Folio 70r) des Codex Magliabechiano.
Opferung zu Ehren des Huitzilopochtli, dargestellt im Codex Magliabechiano, Mitte 16. Jahrhundert
FotoQuelle: commons.wikimedia (25-11-25), gemeinfrei
Es geht an dieser Stelle nicht darum, das Verhalten des katholischen Spaniens zu euphemisieren. Das liegt mir völlig fern. Andere Mächte müssten allerdings gleichermaßen am gleichen Pranger stehen. Warum stehen sie dort nicht? Eine gute Frage.
Moderner Hexenwahn
Sündenböcke und Objekte sadistischer Fantasien: Weltweit werden derzeit Menschen wegen angeblicher Zauberei verfolgt. Wie einen Nonne n Papua-Neuguinea gegen den grausamen Aberglauben kämpft
Der Artikel von Claudia Becker der Welt am Sonntag vom 17. August 2025 widerlegt indirekt die Behauptung, nur im Mittelalter hätte es den Hexenwahn gegeben. Nein auch heute. Einige Zahlen:
Seit 1960 mindestens 55.000 zum Opfer gefallen
Mehr Tote als den düsteren Zeiten des 15. bis 18. Jahrhunderts
Ergebnis der Recherchen des Historikers Werner Tschacher. In 2025 in 46 Ländern Gewalttaten gegen angebliche Hexen und Zauberer. +Missio, das katholische Hilfswerk, hilft den Betroffenen. + 352 Opfern konnte von Schwester Lorena (79 J.) mit ihren Mitarbeiterinnen das Leben retten. + Zu den brutalen Riten gehöre es, die Opfer an einen Pfahl inmitten einer Feuerstelle zu fesseln und die Flammen zu entfachen. + Von den 25.000 Straßenkindern, die in der Hauptstadt Kinshasa leben, sollen mehr als 70 Prozent von ihren Eltern verstoßen worden sein, weil angeblich Hexenkinder. + Vor 40 Jahren lebten viele dieser Menschen noch wie in der Steinzeit. + Heute durch die „Moderne“ mit Gewaltvideos und Pornos via Smartphones konfrontiert. Für Schwester Lorena ist es kein Zufall, dass die Folter so oft auf Brust und Unterleib abziele, wie in einem Gewaltporno, der sadistische Neigungen befriedige.