Auf der Meseta sich einem Mysterium nähern

Allein der Glaube an den Auferstandenen vermag es, die Heilige Dreifaltigkeit zu verstehen, wie sie von den Teilnehmern der 11. Synode von Toledo 675 n. Chr. formuliert wurde.

Jesus zu den Aposteln und Jüngern: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ Matthäus 28,19–20.

Catholic Daily Reflections vom 26. Mai 2024 bringt eine gute Einstimmung. Deutsche Übersetzung möglich. Zitat:  Obwohl wir auf einige allgemeine Wahrheiten über Gott hinweisen können, werden wir niemals in der Lage sein, das innere Wesen, die Tiefe, Schönheit und Allmacht der Dreifaltigkeit vollständig darzustellen.

Besuch der drei Männer bei Abraham in Mamre (Gen 18,1–16), typologisch *) gedeutet als die Heiligste Dreifaltigkeit. Gemalt von Andrej Rublëv (um 1400). Fotoquelle: kathpedia.com, 04.06.24

Die nachfolgenden Texte und Glaubensüberzeugungen sind – zugegebenermaßen – keine leichte Kost. Wer mehr verstehen will, dem rate ich, den Katechismus KKK zu lesen oder eines der vielen Bücher vom größten neuzeitlichen katholischen Theologen, nämlich Papst Benedikt XVI., aufzuschlagen.

Weil Gott die Liebe ist, ist er in sich dreifaltig: Gott zeigt sich in Jesus Christus als Liebe zwischen Personen, als Beziehung von Vater und Sohn, von denen ein Geist ausgeht, der „lebendig macht“, wie es im großen CREDO heißt. 

Die Heilige Dreifaltigkeit –

erklärt auf der 11. Synode von Toledo, 675 nach Christus

Der Katholische Katechismus zitiert auf Seite 98, Taschenbuchausgabe von 1993, folgende markante Sätze, die nach wie vor von der römisch-katholischen Kirche als wahre Glaubenssätze betrachtet werden, besprochen und festgelegt in Toledo im Jahre 675 nach Christus. Ein Glaubensschatz.

„Der Vater ist dasselbe wie der Sohn, der Sohn dasselbe wie der Vater, der Vater und der Sohn dasselbe wie der Heilige Geist, nämlich von Natur ein Gott.“ (11. Syn. v. Toledo 675: DS 530).

,,Der Vater ist nicht derselbe wie der Sohn, noch ist der Sohn derselbe wie der Vater, noch ist der Heilige Geist derselbe wie der Vater oder der Sohn“ (11. Syn. v. Toledo 675: DS 530).

Diese beiden Sätze wurden im 4. Laterankonzil Anno Domini 1215 bestätigt und folgender erklärender Satz hinzugefügt: „Sie sind voneinander verschieden durch ihre Ursprungsbeziehungen: Es ist ,,der Vater, der zeugt, und der Sohn, der gezeugt wird, und der Heilige Geist, der hervorgeht.“ (4. K. im Lateran 1215: DS 804). Die göttliche Einheit ist dreieinig.

Die 11. Synode baute auf die Ergebnisse, Beschlüsse und Ausformulierungen des III. Konzils von Toledo in 589 resp. des VIII. Toledanum von 653 auf, wonach der Heilige Geist hervorgeht aus dem Vater und dem Sohn. Die Beschlüsse der spanischen Teil-Kirche wurden später von der Römischen Kirche übernommen. – Fotoquelle: commons.wikimedia, 30.05.24

Die Heilige Dreifaltigkeit erklärt im Athanasischen Glaubensbekenntnis, 4. Jahrhundert

Athanasius der Große, 4. Jahrhundert, Patriarch von Alexandria und Kirchenvater. Griechische Ikone. 

Möglicherweise haben sich die Synodenteilnehmer von Toledo, 675 n. Chr., die Texte des heiligen Athanasius des zur Heiligen Dreifaltigkeit zu Eigen gemacht. Nicht von ungefähr wird seiner im „spanisch-mozarabischen Hochgebet“ gedacht. Im Bistum Avila wird sein Gedenktag am 4. Mai begangen. Leider wird sein Glaubensbekenntnis üblicherweise nicht in der Lateinischen Kirche, also in unserer, gelesen. Zwecks Glaubensvertiefung jedoch sehr wünschenswert, da von hoher Bedeutung. Das orthodoxe Christentum deklamiert, dass das Athanasianische Glaubensbekenntnis auf Erzbischof Athanasios von Alexandrien (300 – 373) zurückginge. Mehr über diesen großen Kirchenvater im Heiligenlexikon. 

Allgemein wird zu diesem außergewöhnlichen Glaubensbekenntnis gesagt, dass es im Wesentlichen den Stand der westlichen theologischen Entwicklung in der Zeit des Konzils von Chalkedon (451) wiedergäbe. Danach soll der Text in lateinischer Sprache im 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts kreiert worden sein. Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde das Athanasianische Glaubensbekenntnis von der römisch-katholischen Kirche dem Apostolischen und dem Nizänischen Glaubensbekenntnis in seiner Dignität / Wertigkeit gleichgestellt.

SYMBOLUM ATHANASIANUM

Wer da selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten.
Jeder, der diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verlorengehen.

Dies aber ist der katholische Glaube:
Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit, ohne Vermischung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit.

Denn eine andere ist die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes; eine andere die des Heiligen Geistes. Aber der Vater und der Sohn und der Heilige Geist haben nur eine Gottheit, die gleiche Herrlichkeit, gleichewige Majestät.

Wie der Vater ist, so ist der Sohn und so der Heilige Geist:

Ungeschaffen der Vater, ungeschaffen der Sohn, ungeschaffen der Heilige Geist.

Unermesslich der Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist.

Ewig der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.

Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger, wie es auch nicht drei Ungeschaffene oder drei Unermeßliche sind, sondern ein Ungeschaffener und ein Unermeßlicher.

Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist. Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger.

So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott. Und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott.

So ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr. Und doch sind es nicht drei Herren, sondern ein Herr.

Denn wie uns die christliche Wahrheit zwingt, jede Person einzeln für sich als Gott und als Herrn zu bekennen, so verbietet uns der katholische Glaube, von drei Göttern oder Herren zu sprechen.

Der Vater ist von niemandem gemacht noch geschaffen noch gezeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht noch geschaffen, aber gezeugt. Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht noch geschaffen noch gezeugt, sondern hervorgehend.

Es ist also ein Vater, nicht drei Väter, ein Sohn, nicht drei Söhne, ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister.

Und in dieser Dreifaltigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind einander gleich ewig und gleichrangig, so dass in allem, wie bereits oben gesagt worden ist, die Dreifaltigkeit in der Einheit und die Einheit in der Dreifaltigkeit zu verehren ist.

Wer also selig werden will, soll diese Auffassung von der Dreifaltigkeit haben.

Aber zum ewigen Heil ist es [ferner] nötig, auch an die Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus aufrichtig zu glauben.

Der richtige Glaube ist nun dieser: Wir glauben und bekennen, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, zugleich Gott und Mensch ist.

Gott ist er aus der Wesenheit des Vaters, vor den Zeiten gezeugt, und Mensch ist er aus der Wesenheit der Mutter, in der Zeit geboren.

Vollkommener Gott, vollkommener Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und menschlichem Fleisch.

Dem Vater gleich der Gottheit nach, geringer als der Vater der Menschheit nach.

Doch obwohl er Gott und Mensch ist, sind es nicht zwei, sondern ein Christus.

Einer aber nicht dadurch, dass die Gottheit in Fleisch verwandelt worden wäre, sondern dadurch dass Gott die Menschheit angenommen hat.

Er ist ganz und gar einer nicht durch eine Vermischung der Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person.

Denn wie vernünftige Seele und Fleisch einen Menschen ergeben, so ergeben Gott und Mensch einen Christus, der gelitten hat um unseres Heils willen, herabgestiegen ist zur Unterwelt, auferstanden ist von den Toten, aufgestiegen ist zum Himmel, sich gesetzt hat zur Rechten des Vaters, von wo er kommen wird, um Lebende und Tote zu richten.

Bei seiner Ankunft werden alle Menschen mit ihren Leibern auferstehen und über ihre Taten Rechenschaft ablegen.

Und die Gutes getan haben, werden ins ewige Leben eingehen, die Böses [getan haben], in das ewige Feuer.

Dies ist der katholische Glaube.
Jeder, der ihn nicht aufrichtig und fest glaubt,
kann nicht selig werden.“

Auslegung der Schrift

*) Typologie (von altgriechisch τύπος týpos „Abbild, Vorbild“) – auch Präfiguration genannt – ist in der Auslegungstradition der Bibel die Inbezugsetzung einer Person oder eines Geschehens aus dem Alten Testament, des Typos, mit einer Person oder einem Ereignis aus dem Neuen Testament.

Vierfacher Schriftsinn

Vierfacher Schriftsinn: a) buchstäblich als konkrete historische Aussage; b) allegorisch oder typologisch über die Glaubenswirklichkeit; c) moralisch oder tropologisch als Handlungsanweisung für den Glaubenden und d) anagogisch als Ausdruck der Hoffnung, endzeitlich-eschatologische Auslegung.

a) Der Buchstabe lehrt die Ereignisse – b) was du zu glauben hast, die Allegorie – c) die Moral, was du zu tun hast – d) wohin du streben sollst, die Anagoge – Führung nach oben.

Johannes Cassian`s klassisches Beispiel vierfacher Schriftsinn: vier Bedeutungen von Jerusalem:

„Es gehen also diese vier Figuren, wenn wir wollen, so auf Eins zusammen, dass wir ein und dasselbe Jerusalem in vierfacher Weise auffassen können: nach der Geschichte als Stadt der Juden, nach der Allegorie als Kirche Christi, nach der Anagoge als jene himmlische Gottesstadt, welche die Mutter von uns allen ist, nach der Tropologie als Seele des Menschen, welche häufig vom Herrn unter diesem Namen entweder getadelt oder gelobt wird.“ –  Cassian: Collationes Patrum 14,8.

Quelle. wikipedia, 04.06.24