Jahrhunderte 1500 bis 1700. + Üblicherweise wird die moslemische Besatzungszeit mainstreamkonform als Spaniens goldenes Zeitalter bezeichnet – vom 8. Jahrhundert bis 1492. Die maurische Toleranz, die mit dieser Zeit in Verbindung gebracht wird, war, ist mindestens zu hinterfragen. – Fotoausschnitt: Cisneros‘ originale Complutensische Polyglotte Bibel -1.jpg
An dieser Stelle geht es um Kardinal de Cisneros,
der maßgeblich zu Spaniens wirklichem goldenen Zeitalter ab 1500 nach Christus beigetragen hat. + Granada, die letzte moslemische Maurenfestung, war 1492 gefallen, an die katholischen Könige Isabella I. (Kastilien und Leon) und Ferdinand II. (Aragon) zurückgegeben + Amerika im selben Jahr von Christopher Kolumbus entdeckt, finanziert mit großer finanzieller Unterstützung der Königin aus ihrer Privatschatulle.

Kardinal Francisco Jiménez de Cisneros mit Legatenkreuz und Mitra. Gemälde von Juan de Borgoña (1470–1534) im Kapitelsaal der Kathedrale von Toledo
FotoQuelle: commons.wikimedia (24-06-26), gemeinfrei
Nach dem Tod von Königin Isabella I. unterstützte er die Aussöhnung zwischen Ferdinand und Philipp I. Seine Vermittlung führte am 24. September 1505 zum Frieden von Salamanca + Auszug Wikipedia
Complutensische Polyglotte – ein Meisterwerk
Es war Kardinal Francisco Jimenez de Cisneros, Erzbischof von Toledo, der die Erstellung der Complutensische Polyglotte förderte, eines der bedeutendsten Werke des 16. Jahrhunderts, hinsichtlich der Theologie und Philologie, wie auch und gerade der Drucktechnik wegen.
Tiefgreifende kirchliche Reformen setzten ein: + man besann sich spirituell auf die ursprünglichen Ideale eines Franz von Assisi; + die ehemals moslemischen Gebiete konnten endlich re-christianisiert werden, + die Staatsgewalt wurde zentralisiert, + der Adel entmachtet, + Navarra ins spanische Staatsgebiet eingegliedert. + Kurzum, Spanien stieg zur Weltmacht auf, begünstigt durch den einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung. + Ein Reich, in dem später, so sagte man, die Sonne niemals untergehen würde.
Zeit für Kardinal Francisco Gonzalo Ximénez de Cisneros OFM (1436–1517),
wirkmächtig in die Geschichte Spaniens einzutreten
– mit weltweiter Ausstrahlung. + Er war als Erzbischof von Toledo nicht nur der Beichtvater der Königin Isabella I.; + als franziskanischer Provinzminister für Spanien reformierte er gleichermaßen den heruntergekommenen Klerus. + Zudem beriet er als Ratsherr Isabellas Ehemann, König Ferdinand II. Zusammen mit ihm legte er eben jene Basis für Spaniens Einstieg in die Neuzeit – für Spaniens fast zwei Jahrhunderte dauerndes „Goldenes Zeitalter“ von 1500–1700. + Der Gelehrte und belesene Kardinal gründete u.a. im Jahr 1500 die Universität in Alcalá de Henares (rund 30 Kilometer von Madrid), in römischer Zeit Complutum genannt, keltiberischer Herkunft. Wenige Jahre später zählte die Universität bis zu 7.000 Studenten. +
Mehrsprachige Übersetzung der vollständigen Bibel
zur Wiederbelebung der Sprachstudien der heiligen Schrift
Parallel dazu regte der Kardinal ein Projekt an, das er in seiner Wirkmächtigkeit nicht voraussehen konnte, nämlich den Druck einer vollständigen, mehrsprachigen Bibel „zur Wiederbelebung der Sprachstudien der heiligen Schriften“, die alsbald als die Complutensische Polyglotte (1502-1517) bekannt wurde.
In ihr enthalten ist die erste gedruckte Ausgabe des griechischen Neuen Testaments, sowie die vollständige Septuaginta: älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch -aramäischen Bibel in die altgriechische Alltagssprache Koine (ab 250 vor Christus bis etwa 100 nach Christus) und das Targum-Onkelos, also die Übersetzung der jüdischen Tora aus dem Hebräischen ins Aramäische (der Basistext entstammt dem 2. Jahrhundert nach Christus.
Die erste Seite der Complutensischen Polyglotte.
FotoQuelle: commons.wikimedia (09.08.25), gemeinfrei
Der asketisch lebende Kardinal selbst verfügte über viele, sehr alte griechische und hebräische Bibelhandschriften, andere kaufte er mit hohem finanziellen Aufwand hinzu, wobei ihm Papst Leo X. (1513–1521) weitere aus seinem Fundus zur Verfügung stellte.
Die besten und bekanntesten Philologen folgten des Kardinals Ruf, in 1502 nach Alcalá de Henares zu kommen; darunter die konvertierten jüdischen Wissenschaftler Alfonso de Zamora und Pablo de Coronel , die sich den Sprachen Hebräisch und Aramäisch widmeten.
Die besondere Sorgfalt galt dem Schriftbild, gedruckt auf großem Folioformat; ihre griechischen Lettern gingen als die schönsten, je entworfenen in die Geschichte ein.

Zu ggb. Zeit werde ich noch einige Worte zur Typografie verlieren, einige Fotos nachreichen, auf den Disput mit Erasmus von Rotterdam und Martin Luther eingehen.
Schule von Salamanca, 1526 n. Christus
Papst Leo XIV. hat bei seinem Juni-Besuch 2026 eine Rede vor den spanischen Abgeordneten gehalten. Es ging ihm in ihr unter anderem um die Bedeutung der Schule von Salamanca (1526), die heuer ihr 500-jähriges Jubiläum begeht.

University of Salamanca, Hauptportal.
FotoQuelle: commons.wikimedia (24-ß6-26), gemeinfrei; Author-Jacob Burckhardt 16:41, 13 September 2007 (UTC)
Zitat Die Tagespost, 20.06.26, Miguel Angel Quintana Paz: Die Schule von Salamanca dachte nicht allein über Politik nach. Aus ihrem Umfeld erwuchsen das Völkerrecht, die moderne Wirtschaftswissenschaft und einige der einflussreichsten theologischen Kontroversen der Geschichte.
All dies stand in enger Verbindung mit der besonderen Lage Spaniens in jener Zeit. Die Entdeckung und Eroberung Amerikas – die erste Globalisierung – warf neue Fragen auf: War die Eroberung legitim? Besaß der Kaiser oder der Papst eine universale Herrschaft über die Welt und damit Anspruch auf neue Länder? Durften deren Bewohner versklavt werden?
Durften deren Bewohner versklavt werden? Gab es ein Recht, das für alle Völker gilt – unabhängig von den jeweiligen eigenen Gesetzen? Und wann ist ein Krieg gegen Menschen gerechtfertigt, die die christliche Moral nicht kennen?
Der Dominikaner Francisco de Vitoria und seine Kollegen in Salamanca beantworteten diese Fragen so eindrucksvoll, dass heute eine Büste Vitorias in den Gärten der UNO in New York steht, mit der Inschrift „Begründer des Völkerrechts“. + Auch der Ratssaal der UNO in Genf trägt seinen Namen. + Es überrascht daher nicht, dass Leo XIV., der in Spanien mehrfach auf Multilateralismus und Völkerrecht verwies, sich auf diese Tradition bezog.
Auch in der Theologie, damals die Leitwissenschaft, standen die Salamantiner vor neuen Herausforderungen. Die protestantische Reformation verlangte Antworten. Hinzu kam die Entdeckung von Millionen Menschen jenseits des Atlantiks, die lebten und starben, ohne je vom christlichen Glauben gehört zu haben. Waren sie alle verdammt?
Und wenn Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden“ (Erster Timotheusbrief): Wie rettet Gott sie? Leo XIV. sprach diese Fragen in Spanien nicht direkt an. Doch zur gleichen Zeit entfalteten sich in der Schule von Salamanca einige der bedeutendsten Debatten, etwa zwischen Domingo Báñez und Luis de Molina, in denen sich die universelle Theologie bis zu ihren spekulativen Gipfeln verdichtete.