Pilgern aus der Sicht von …

PAULO COELHO, brasilianischer Schriftsteller. „Ich bin viele Kilometer gewandert, um Dinge herauszufinden, die ich bereits wusste, die wir alle wissen, aber die so schwer anzunehmen sind. Gibt es etwas Schwierigeres für den Menschen, Herr, als herauszufinden, dass er die Macht erreichen kann? Diesen Schmerz, den ich jetzt in meiner Brust fühle und der mich schluchzen lässt und das Lamm erschreckt, gibt es, seit es Menschen gibt. Nur wenige nehmen die Last des eigenen Sieges auf sich: Die meisten geben ihre Träume auf, wenn sie sich als erfüllbar erweisen. Sie weigern sich, den guten Kampf zu kämpfen, weil sie nicht wissen, was sie mit dem eigenen Glück anfangen sollen. So wie ich jetzt mein Schwert finden wollte, ohne zu wissen, was ich damit anfangen wollte.“ Quelle: Paulo Coelho, Auf dem Jakobsweg, Diogenes Verlag AG Zürich, 1999,2002.

ROBERT WARD, Schriftsteller. „Da war ich also. Ich hatte gerade eine der großen katholischen Wallfahrten geschafft. Ich hatte drei Wochen in Lourdes verbracht. Wie sollte ich als Atheist ein solches Verhalten rechtfertigen? Ich kann nur sagen, dass ich, solange ich mich erinnern kann, immer meine Nase gegen die Fenster des Glaubens gedrückt und versucht habe, einen Blick darauf zu erhaschen, was da drinnen vorgeht. Ich bin von der Religion auf die Art fasziniert, wie man von etwas fasziniert ist, das man nicht hat. Und deshalb finde ich mich an Orten wie Lourdes und Santiago wieder.“ Quelle: Robert Ward, Pilgerwege eines Ungläubigen, Unterwegs zwischen Santiago, Fatima und Lourdes. Kreuz Verlag Stuttgart, 2004.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE, 18./19.Jh. „Europa ist auf der Pilgerfahrt geboren und das Christentum ist seine Muttersprache!“

MARTIN LUTHER, 16. Jh. „Narrenwerk. Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt.“

GIDEON LEWIS-KRAUS, Schriftsteller. „Es kommt auf die Rückkehr an, denn erst da wird deutlich, ob es sich tatsächlich um eine erfolgreiche Suche gehandelt hat oder doch nur um eine Flucht.“ Quelle: Interview Literarische Welt, Ausgabe 05.10.2013.

AUGUSTINUS, 4./5. Jh., Bischof von Hippo, Kirchenlehrer. „Im Menschen lebt die Sehnsucht, die ihn hinaustreibt aus dem Einerlei des Alltags und aus der Enge seiner gewohnten Umgebung. Immer lockt ihn das Andere, das Fremde. Doch alles Neue, das er unterwegs sieht und erlebt, kann ihn niemals ganz erfüllen. Seine Sehnsucht ist größer. Im Grunde seines Herzens sucht er ruhelos den ganz Anderen, und alle Wege, zu denen der Mensch aufbricht, zeigen ihm an, daß sein ganzes Leben ein Weg ist, ein Pilgerweg zu Gott.“ – Quelle: PUR spezial 3/2016. Pilgern. Unterwegs zu Gott.