Glaubt man dem staatlichen Zentrum für Soziologische Forschung (CSI) aus 2025: ja, sogar dramatisch. Glaubt man hingegen den erhobenen Regionaldaten, stieg der Anteil der Gläubigen in manchen Regionen. Wie ist das möglich?
Möglicherweise durch politische Einflussnahme? So vermutet es die Plattform Religion en Libertad. Immerhin sei der CIS-Präsident langjähriges Mitglied der Sozialistischen Partei PSOE des Ministerpräsidenten Pedro Sanchez, der bekanntermaßen kein Freund der Kirche ist.
Fotoausschnitt: Virgen de las Angustias by Juan de Juni. Author: Rastrojo.

Semana Santa Alameda Principal. Karwoche. Ntro Pater Jesus von der Puente del Cedrón (Paloma) umarmte die Kurve des Marqués de Larios.
FotoQuelle: commons.wikimedia (22.08.25), gemeinfrei; Author: Antonio Espana.
- CSI-Daten: Nur noch 52,8% bezeichneten sich als katholisch (2015: 68,8%) und nur noch 17,3% seien praktizierend resp. 11,9% gingen regelmäßig in den Sonntags- oder Feiertaggottesdienst.
- Regionaldaten: In Katalonien, das als stärkste säkulisiertee Region gilt, Anstieg der Katholiken von 53% (2020) auf 56,8% (2023).
- Regionaldaten Andalusien: 76,5% religiös (56,4%) inkl. der „wenig Religiösen“.
Besonders eklatant sei der Widerspruch bei den jungen Menschen. Der CSI meldet 28%, während das eigentlich säkulisierte Katalonien 33% nennt; in Andalusien bezeichneten sich mehr als 50% als mehr oder weniger religiös.

Die Frage lautet also: „Wenn sich im entchristlichten Katalonien, wo 16 Prozent der spanischen Bevölkerung leben, fast 57 Prozent als katholisch bezeichnen – wie kann dann der Landesdurchschnitt nur 55 Prozent betragen, wenn man traditionell religiösere Regionen wie Kastilien, Andalusien oder Navarra mit einrechnet?“
Die Religiosität in Teilen Spaniens habe in den letzten fünf Jahren sogar zugenommen, insbesondere unter jungen Menschen. – Das deckt sich insoweit mit den Erhebungen in Frankreich, England, den USA und auch in Deuschland.
Fazit: Trau schau wem.
Quelle: Die Tagespost, 07.08.25: Streit um den Säkularisierungstrend in Spanien. Das spanische Meinungsforschungsinstitut CIS meldet einen dramatischen Rückgang der Katholiken. Regionale Erhebungen zeigen allerdings ein ganz anderes Bild.
Das spanische Meinungsforschungsinstitut CIS meldet einen dramatischen Rückgang der Katholiken. Regionale Erhebungen zeigen allerdings ein ganz anderes Bild.
Wenn die Bilder nicht täuschen, ist mancherorts die Begeisterung für den Glauben und seine Praxis wieder auf eine größere Zahl an Menschen übergesprungen, zum Beispiel in Spanien.

Prozession durch den Calvario de Urrea de Gaén (Teruel). Ruta del Tambor und der Bombo del Bajo Aragón.
FotoQuelle: commons.wikimedia (03.05.26), gemeinfrei
Zitate: In diesem Jahr (2026), so scheint es, ist die Faszination der Semana Santa auf eine große Zahl von Menschen übergesprungen. Ich schließe das aus den Videos, die bei der Plattform X zu sehen sind. Man sieht die – nicht zur eigentlichen Prozession gehörenden –
Choreografie hocheleganter, frommer junger Damen auf hochhackigen schwarzen Schuhen, schwarz gekleidet sind sie und tragen die hochragende schwarze Kopfbedeckung, die Mantilla; eigentlich sind sie klerikale Models.
Blumengeschmückt sind die Aufbauten für Jesus und Maria, im Rhythmus bewegt, fast wie in einem Tanz, werden sie von mehreren Dutzend Männern getragen; die Prozession ist kein reines Marschieren, sondern folgt einer choreografischen Gestaltung. Formsinn dirigiert eine Pracht, die nicht schamhaft versteckt, sondern stolz ausgestellt wird.
Auch die Polizei stellt eine solche Gruppe. Von den Dächern regnen Blütenblätter.
Paradox: Das Ganze, aus Bußübungen hervorgegangen, lebt aus dem Überschwang der Beteiligten. Auch das ist für Menschen ungewohnt, die im deutschen Protestantismus groß wurden, wo die Innerlichkeit festlich sein darf, aber nie das Äußere.