Der Apostel in Spanien + Fromme Legende, Schwindel oder Wahrheit? + Miles Christi + Eine Analyse

Die heutigen Wissenschaftler kleben am Wort, messen der mündlich tradierten Überlieferung keinerlei Bedeutung bei. Ebenso wie sie der vom Evangelist Lukas berichteten Kindheitsgeschichte Jesu eine fromme Legende attestieren, verfahren sie gleichermaßen in Bezug zu unserem Apostel Jakobus. Er sei natürlich nie in Spanien gewesen, geschweige denn im heutigen Santiago de Compostela; frei nach dem Motto, was nicht sein darf, kann auch nicht gewesen sein. Entgegenkommender Weise spricht die eine Seite der Protagonisten von einer Geschichte vor historischem Hintergrund, die allerdings auf ein Missverständnis hindeute – nicht als Schwindel, vielmehr als eine Folge von in gutem Glauben begangenen Irrtümern. Diese Argumentationskette ist natürlich leicht durchschaubar.

Die andere immer wieder anzutreffende Seite, leider auch von anerkannten katholischen „Experten“, deklamiert unverhohlen, dass die Jakobusgeschichte eine im 9./10. Jahrhundert erfundene, kirchenpolitische Story gewesen sei, gerne auch garniert mit dem Zusatz: kreiert, um den Pilgertourismus anzukurbeln. Galicien als ein am äußersten Rand Europas befindliches Gebiet sei ja – nomen est omen – am Ende der Welt, finis terrae. Also, nichts los, einfach nur öde, und dann komme man schon auf komische Geschichten. + Meine Analyse. Stand: Januar 2020.

Selbst dem letzten großen lateinischen Kirchenlehrer Isidor von Sevilla (560 bis 636; Bischof von 600) glauben die Protagonisten der Mainstream-Wissenschaftler nicht. Sein älterer Bruder Leander gilt ebenfalls als eine bedeutende Gestalt des Katholizismus Hispanias. + Mehr über die Wissenschaft vgl. Menüpunkt: Historisch-kritische Exegese + Follow the Science?+ Mainstream-Wissenschaft vs Jakobus in Spanien

Eigenes Foto. Leon.

Isidor von Sevilla unglaubwürdig. Seine Enzyklopädie galt jahrhundertelang als das Standardwerk der Studenten des Mittelalters.

Seinen Ausführungen, dass Jakobus als Missionar in Spanien unterwegs war, glaubt man nicht mehr; also: Isidor habe gelogen, mindestens aber in frommer Absicht geschwindelt.

Wahrscheinlich scheidet der Bischof allein schon deshalb aus der Liga der vertrauenswürdigen Zeugen aus, da man ihm nachsagt, er hätte zu Pferd kämpfende christliche Truppen angeführt: „ein Frevel.“ Isidors Gebeine liegen übrigens in der Basilika gleichen Namens in Leon.

Mündlich tradierte Überlieferungen ohne Belang

Wie oben schon erwähnt, werden heute mündlich tradierte Überlieferungen ohnehin übergangen, nicht berücksichtigt, weil – vermeintlich – zu sehr in Fabeln abgleitend.  Nun, die lange Zeit auf der iberischen Halbinsel ansässigen Kelten verfügten über keine Schriftsprache im herkömmlichen Sinn. Dazu Wikipedia (29.01.2020):

  • „Die Kelten vermieden es vermutlich bewusst, gesellschaftliche, religiöse oder ihre Tradition betreffende Inhalte schriftlich und zudem auf dauerhaftem Material festzuhalten.
  • Die mündliche Weitergabe von Inhalten scheint einen hohen Stellenwert gehabt zu haben.“   

Welch` eine Arroganz der heutigen Wissenschaftler!

  • Auswendiglernen war früher selbstverständlich,
  • heute nicht mehr en vogue.

Palästina war zu Jesu Zeiten ein prosperierendes Staatswesen. Es pflegte maritime Handelsbeziehungen mit der ganzen Welt, also auch mit Galicien. Quasi monopolgleich handelte man mit Bronzeprodukten. Das für die betreffende Herstellung benötigte Zinn wurde aus Galicien resp. aus England importiert.

  • Die Galicier exportierten über ihren Hafen Iria Flavia im heutigen Portugal nahe Santiago Edelmetalle wie Gold, Silber, Kupfer und Zinn;
  • importierten im Gegenzug beispielsweise Marmor.

Die Römer hatten die Grundlage gelegt

  • Ausbau des Straßennetzes,
  • der Jakobspilger wird sich an die in Nordportugal vorfindliche Straße XIX) erinnern.
  • Ausbau der Wasserwege und Häfen,
  • insbesondere unter den flavischen Kaisern: Iria Flavia und Flavia Jaffa in Palästina.

Eigenes Foto, 2011.

Die Miniatur eines flämischen Stundenbuches aus 1512

zeigt Christus, wie er den heiligen Jakobus nach Spanien entsendet.

Ausgestellt im Sir John Soane`s Museum, London, zeigt die Miniatur Christus Jesus, wie er den heiligen Jakobus nach Spanien entsendet. + Stellt euch ein Bild vor, wie Jesus mit einer an sich ungewöhnlichen Geste, nämlich mit dem Fuß das steinerne Boot abstößt, auf dem Jakobus schläft.

Die Szene bezieht sich auf die wundersame Ankunft des Leichnams des Heiligen in Galicien auf dem Seewege. Stattdessen an dieser Stelle Minaturen aus dem Stundenbuch der Maria von Burgund. Es zeigt Maria in der Kirche und Thomas von Canterbury. Erstellt etwa 1477. Fotoquelle + bitte gegebenenfalls das gemeinfreie Foto von commons.wikimedia anklicken

Eigenes Foto. Kathedrale Santiago de Compostela.

Und so macht es Sinn und bleibt glaubwürdig, dass der kopflose Leichnam des Apostels Jakobus im Jahr 44 n. Chr. von seinen Helfern mittels eines dieser Handelsschiffe nach Hispania gebracht worden sein kann:

auf einem mit Marmor, mit Stein beladenen Schiff.

Die Spuren Jakobi lassen sich bis ins 1. Jahrhundert zurückverfolgen: Gräberfunde. Nekropole aus dem 1. bis 7. Jahrhundert belegen dies für die römische Epoche resp. der der römisch-suebischen; vgl. dazu auch die archäologischen Ausgrabungen unterhalb der Kathedrale von Santiago in den Jahren zwischen 1946 und 1959 wie in den 19-achtziger Jahren. Papst Leo XIII. hatte sich schon im 19. Jahrhundert festgelegt und das Grab des Apostels für echt befunden.

Das alles scheint die Wissenschaftler, leider auch die Professoren Klaus Herbers und Robert Plötz, nicht zu interessieren und sie deklamieren unverdrossen, dass die aufgefundenen Knochen dem Apostel nicht zugesprochen werden können, allein schon deshalb, weil ja erst um 820 der Jakobuskult seinen Anfang genommen habe; und die aufgefundenen Grabmonumente seien mitnichten römisch, sondern erst im 9./10. Jh. erbaut worden. Sie werden merken, dass die Argumentionslinien nicht immer stringent verlaufen.

Die Technische Universität Dresden deklamiert im Rahmen ihrer Abhandlung zur Kunstgeschichte Spaniens (Webseite vom 12.06.2006), daß zwischen 1878 und 1894 erste Grabungskampagnen in der Kathedrale von A. Lopez und J. Labin vorgenommen worden seien, die sich im Kultraum unterhalb des Chores konzentrierten. Die Verifizierung des Grabes seitens der Katholischen Kirche hätte als Vorbild die Wiederentdeckung der Gebeine des hl. Franziskus von Assisi zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehabt. Weitere Kampagnen seien zwischen 1946 bis 1958 durchgeführt worden.

Die jüngsten Untersuchungen ließen, so die Autoren der Studien, folgende Befunde zu:

  • Auf dem Gelände lässt sich eine Besiedlung bis in das 1. Jahrhundert nach Christi zurückverfolgen.
  • Spätestens zu Beginn des 5. Jahrhunderts wurde die Siedlung aufgegeben und das Areal bis in das 6./7. Jahrhundert als Nekropole benutzt.
  • Nach einer längeren Pause wurden erst im frühen 9. bis in das 12. Jahrhundert hinein an dieser Stelle Bestattungen vorgenommen.
  • Die zweite Nekropole ist in Zusammenhang mit dem Apostelkult zu sehen.
  • Der gesamte Grabkomplex, der heute unterhalb des Hauptaltares zu lokalisieren ist, bestand aus einem rechteckigen Kompartiment, das in der Mitte von einem Korridor geteilt wird, der sich im hinteren Teil zu einer Kammer öffnet. Um dieses Kompartiment verläuft ein Gang.
  • Der Mauerverband wurde von verschiedenen Forschern in das 1. Jahrhundert datiert, somit also in die Zeit der Anlandung des Apostels;
  • von anderen aber unter Verweis auf zeitgenössische Bauten wie Lourosa, Celanova und andere in das 9./10. Jahrhundert, also in die Zeit der Entdeckung der Grabstätte.
  • Im Westkompartiment des Kultraumes wurden drei gemauerte Grabkammern gefunden.
  • Allerdings bleibt unklar, ob es sich hierbei tatsächlich um die Gräber des Apostels und seiner beiden Begleiter handelt.
  • Es habe – zum Nachweis des Jakobusgrabes – zwei Grabungen in den Jahren 1879 und 1946-1959 gegeben.
  • Es wurde ein Mausoleum aus dem 1./2. Jahrhundert nachgewiesen – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grab des Bischofs Theodomir (800-843). 
  • Es müsse jedoch offenbleiben, ob es sich tatsächlich um das Grab des Apostels handelte.
  • Wahrscheinlicher sei es, dass man die gefundenen Knochenreste einer römischen Begräbnisstätte ‚einfach‘ mit den Reliquien des Jakobs gleichgesetzt hat.
  • Prof. Herbers fragt sich,
  • warum gerade die Jakobstradition im 9. Jahrhundert ihren Beginn nahm? *)
  • Warum nicht früher? Warum nicht später?
  • Ich denke, Professor Klaus Herbers wird sich diese Frage als Wissenschaftler gestellt haben, leider nur ausschnittsweise.
  • Warum ist er nicht den allgemein zugänglichen Informationen nachgegangen,
  • dass die Jakobustradition in Spanien sehr viel früher anzusetzen ist.
  • Warum vertraut er als gegenwärtiger Präsident der Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft nicht den Aufzeichnungen des allseits geschätzten Kirchenlehrers und Bischofs Isidor von Sevilla?
  • Warum schließt er sich dem Mainstream an,
  • der letztlich von Phantastereien machthungriger katholischer Kirchenleute spricht?

Prof. Klaus Herbers bringt also das Auffinden des Grabes

mit den damaligen geschichtlichen Ereignissen zusammen, namentlich mit den moslemischen Eroberungen der spanischen Halbinsel beginnend in 711. + Nur Asturien blieb davon bekanntlich verschont. + Und da von hier im 9. Jahrhundert die Rückeroberung / Re-Conquista Spaniens seitens der Christen gestartet worden sei, sei es dem König Asturiens mehr als recht gewesen, dass das Jakobusgrab gefunden wurde und er den heiligen Apostel Jakobus für sich und die Rückeroberung / Re-Conquista vereinnahmen und kriegerisch einsetzen konnte; vgl. u.a. die Geschichte von Clavijo; dazu an anderer Stelle. 

Prof. Robert Plötz, Vorvorgänger von Prof. Klaus Herbers im Amt des Präsidenten der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft, deklamierte 1982:

  • Eine Erklärung des Kultphänomens Santiago in Compostela ist mit historischen Methoden nicht möglich.
  • Weiterhin vertritt er die Ansicht,
  • dass der Mönch Beatus von Liebana die Volkspsyche in Asturien
  • durch die Ernennung des Jakobus zum Patron Spaniens aufgeheizt habe,
  • dass damit quasi zwangsweise das Jakobusgrab aufgefunden werden musste. 

Anmerkung: Beatus von Liebana war bereits 800 AD verstorben, seine in Rede stehenden Traktate waren in der Zeit von 774 – 784 abschließend verfasst worden. Das Grab wurde allerdings erst um 810.20 entdeckt, und der Pilger-Run hatte seinen Höhepunkt im 12. Jahrhundert.

Interessant bei beider Argumentationslinien ist der Fakt,

  • dass man Herrschern prinzipiell (kriegerische) Herrschaftsattitüden unterstellt,
  • ihre christlich-fundierten Einstellungen außer Acht lässt;
  • gut nachzulesen bei der Bewertung von Königin Isabella die Katholische (15. Jh.).
  • Andererseits attestiert man gerne katholischen Kirchenleuten schlechthin Unlauterkeit;
  • anders kann man es nicht bezeichnen.
  • Als wäre Jesu Lehre, hier wäre insbesondere die Bergpredigt zu nennen, nie verkündigt worden.

*) Randbemerkung

Quelle u.a.: KI-ChatGPT, 28.09.26: Sokrates (469 – 399 vor Chr.) hat keine eigenen Schriften hinterlassen. Was wir über ihn wissen, stammt vor allem aus Berichten anderer Autoren. Die wichtigsten Quellen sind:

  • Platon (428-348 vor Chr.) – besonders die Apologie des Sokrates sowie verschiedene Dialoge, in denen Sokrates als Hauptfigur auftritt.
  • Xenophon (430-354 v.Chr.) – vor allem die Memorabilien (Erinnerungen an Sokrates) und weitere sokratische Schriften.
  • Aristophanes (450-380 v. Chr.) – in der Komödie Die Wolken wird Sokrates allerdings satirisch dargestellt.
  • Aristoteles (384-322 v. Chr.) – schrieb später über Sokrates, war aber kein Zeitzeuge.

Das führt zum sogenannten „sokratischen Problem“: Es ist schwer zu unterscheiden, welche Aussagen in Platons und Xenophons Texten tatsächlich von dem historischen Sokrates stammen. + Dennoch: keiner zweifelt ernsthaft die Aufzeichnungen der Zeitzeugen an.

Anm.: Bei den Evangelisten verfährt man anders: Da wird von Historikern behauptet, diese (Evangelisten) hätten „ihre persönlichen Auffassungen“, also nicht auf Tatsachen beruhend, nachträglich in die Evangelien hineingeschmuggelt, also Betrug.

Noch deutlicher festzumachen an HOMER.

Seine Schriften der Ilias und der Odyssee (Homer gilt damit als frühester Dichter des Abendlandes) werden in die Zeit um 850 vor Christus verortet, so die Schätzung von Herodot (490-430 vor Chr.) + Andere historische Quellen legen das Wirken Homers in die Zeit des Trojanischen Krieges,[2] der traditionell etwa um 1200 v. Chr. datiert wird. + Auch wenn die Existenz Homers nicht einwandfrei nachgewiesen werden kann, wird gleichwohl nicht ständig die unermessliche, bis heute andauernde Wirkung Homers, der schon in der Antike als der Dichter schlechthin galt, bestritten; sein tatsächliches Wirken vorausgesetzt. + Bei Figuren des Christentums sieht die Sache anders aus!

Beatus von Liebana. Illustration in den Beatus-Apokalypsen Kloster Valladolid. Fotoquelle https://commons.wikimedia.org/wiki/File:B_Valladolid_93.jpg + bitte selbst das gemeinfreie Foto anklicken, danke.

Offenbarung 6.

  • 1 Dann sah ich: Als das Lamm das erste der sieben Siegel öffnete,
  • hörte ich das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm!
  • 2 Da sah ich ein weißes Pferd,
  • und der auf ihm sitzende Reiter hatte einen Bogen.
  • ein Siegeskranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er von Sieg zu Sieg.

Verehrung des Apostels in Spanien

Die Verehrung von Heiligen nahm bei den Gläubigen Galiciens in den ersten Jahrhunderten an sich keine entscheidende Rolle ein. Die Westgoten fokussierten sich auf den Herrgott, auf Gottes Sohn Jesus Christus, und auf die von Johannes verfasste Apokalypse / Offenbarung, mit Bezug zum Alten Testament.

Eine Ausnahme stellte Jakobus dar. Der Portalstein mit der Jakobusinschrift  in Mérida, datiert für 620, deutet u.a. darauf hin. + Diese Verehrung kann man übrigens auch für die britischen Inseln nachweisen, die ein Aldhelm von Malmesbury im 7. Jahrhundert dokumentierte. + Als Zeugen für Spanien nannte ich bereits Bischof Isidor von Sevilla.

Beatus von Liebana

Darüber hinaus wäre an dieser Stelle beispielhaft Beatus von Liebana zu nennen, der neben seinem umfangreichen Kommentaren zur Apokalypse (geschrieben in den Jahren 774-784 im Kloster San Toribio bei Oviedo) den auf Jakobus gemünzten Hymnus „O Dei Verbum Patris Ore proditum“ verfasste; heute Bestandteil der Vesper am Fest des Heiligen Apostels am 30. Dezember in der mozarabischen Form. Unten mehr.

begann erst im 12. Jahrhundert

Das im Kopf zu behalten ist wichtig. + Die erste um das Jahr 810.20 n. Chr. – nach dem Fund des künstlichen Grabhügels – von König Alfons II. (761 – 842; König von 791) über den Grabresten des Apostels errichtete einschiffige Kirche ist derart klein, dass mitnichten davon gesprochen werden kann, dass der König den großen Pilgeransturm erwartet habe, vielleicht erhofft.

  • Erst über 50 Jahre später, 872 nach Christus, sorgte König Alfonso III.  (848 – 910; König von 868)
  • für einen respektablen Kirchenbau mit großer Ausschmückung.
  • Die Verehrung des Apostelgrabes ist zunächst nur von regionaler Bedeutung.
  • So gilt bekanntlich Alfonso II. der Keusche als erster Pilger nach Santiago de Compostela von Oviedo aus, einem regionalen Weg, dem heutigen Camino Primitivo.
  • Almanzor, der Heerführer des moslemischen Kalifen von Cordoba, ließ am 10. August 997 die Stadt und die Kirche bis auf die Grundmauern zerstören,
  • nicht jedoch das Grab des Apostels. 
  • Bei den nachfolgenden imposanten Neu-/Umbauten zeichnete sich besonders (Erz-) Bischof Diego Gelmirez (1100-1140) aus.

Dem Autor des Buches Jakobus – Apostel der Ibero-Kelten – Hans Jürgen Arens zufolge kann entsprechend den vorhandenen Quellen davon ausgegangen werden, dass um 44 n. Chr. in dem betreffenden Gebiet ein nach römischen Vorgaben elegantes Mausoleum auf einem größeren Gräberfeld gestanden haben muss. + In diesem Mausoleum seien die Gebeine des Apostels umgebettet worden; um 90 n. Chr. auch die leiblichen Überreste seiner Begleiter Athanasius und Theodor – in gemauerten Sarkophagen im westlichen Teil der Grablege. + Auf die weitere Geschichte gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein, wohl aber auf den Matamoros.

Apokalypse / Offenbarung des Apostels und Evangelisten Johannes

Um dieses Phänomen zu verstehen, sollte man die Vorgeschichte nicht außer Acht lassen. + Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte, außer Gottes Erschaffung der Welt. + Jedes Ereignis, jeder Krieg, provoziert eine Gegenreaktion. + Nach dem derzeit allgemein gültigen Kenntnisstand waren es die moslemischen Mauren, die in 711 begannen, die iberische Halbinsel zu erobern + zwangsweise Glaubenskonversionen vom christlichen zum moslemischen inklusive.

Eigenes Foto. Jakobus als Matamoros. Museum (ehem. Santiago-Kirche) Carrion de los Condes.

Die Westgoten, wie oben ausgeführt, hatten sich im besonderen Maße der Offenbarung des Johannes zugewandt. Er beschreibt in Visionen den Kampf um die Wahrheit des Evangeliums gegen falsche Propheten und gegen den Antichrist – bis zur Wiederkehr Jesu Christi am Ende aller Zeiten.

Für die Goten, West- wie Ostgoten, erschien Christus als Sieger, der, auf einem weißen Pferd reitend, alle Feinde, Tod und Teufel, besiegt. Das imponierte und erleichterte, die eigenen Götter quasi abzustreifen.

  • 11 Dann sah ich den Himmel offen und siehe, da war ein weißes Pferd und der,
  • der auf ihm saß, heißt: Der Treue und Wahrhaftige; gerecht richtet er und führt er Krieg.
  • 12 Seine Augen waren wie Feuerflammen und auf dem Haupt trug er viele Diademe;
  • und auf ihm stand ein Name geschrieben, den er allein kennt.
  • 13 Bekleidet war er mit einem blutgetränkten Gewand;
  • und sein Name heißt: Das Wort Gottes.
  • 14 Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden;
  • sie waren in reines, weißes Leinen gekleidet.
  • 15 Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen.
  • Und er weidet sie mit eisernem Zepter und er tritt die Kelter des Weines, des rächenden Zornes Gottes,
  • des Herrschers über die ganze Schöpfung.
  • 16 Auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte trägt er den Namen geschrieben:
  • König der Könige und Herr der Herren.

Wer diese Fakten unberücksichtigt lässt, handelt nicht wissenschaftlich. Zumal wenn man als Wissenschaftler wissen sollte, dass die Westgoten und ihre Nachfolger apokalyptische Motive liebten, zum Beispiel das Doppelzeichen „Α und Ω)“, das Alpha und Omega: Anfang und Ende der Geschichte, Gottvater und Christus als Gottessohn in Wesenseinheit.

Miles Christi bedeutet auf Deutsch „Soldat Christi“. Im christlichen, besonders katholischen Kontext bezeichnet es sinngemäß einen Menschen, der für Christus lebt und sich in seinem Glauben engagiert. Damit sind oft geistlicher Kampf, Gebet, Selbstdisziplin, Treue zum Glauben und der Einsatz für christliche Werte gemeint.

Was lag also nahe, die Offenbarung des Johannes vor Augen, im Apostel Jakobus den Nachfolger Jesu Christi zu sehen im Kampf für den wahren Glauben an Christus, den Auferstandenen. + Jakobus zu reduzieren auf einen profanen Kriegshelden gegen die Moslems im Rahmen der Re-Conquista ist schnell  vollzogen, bleibt aber trotzdem mindestens zweifelhaft.+ Die heutigen Fachjournalisten und Wissenschaftler sollten sich halt ein wenig mehr mit der Heiligen Schrift, der Bibel, der Apokalypse, der Offenbarung des Johannes beschäftigen. + Dann werden sie den Altvorderen eine glaubwürdige religiöse Einstellung zum Leben nicht absprechen können, die heute bekanntlich mehrheitlich nicht mehr en vogue ist.

Quelle u.a.: Hans Jürgen Arens, Jakobus – Apostel der Ibero-Kelten. 1. Auflage 2012, 2. erweiterte Auflage 2017. Verlag Mainz, Aachen.

Vgl. auch Webseite RECONQUISTA. MAUREN. MATAMOROS. Aktivierung der Verlinkung später