Reisebericht westwärts

Eigenes Foto 2018. Santo Domingo de la Calzada

Nach Galicien – dem Schatten nach

Fotos. St. Jean-Pied-de-Port + Pilgerdenkmal Mansilla de las Mulas +,Jakobus hoch oben auf der Kathedrale + Grab des hl. Apostels, Krypta Kathedrale.

„Zunächst, wenn du aufbrechen willst, sollst du den Herrgott um seine Hilfe bitten, danach Maria, die Gnadenreiche, damit sie beide bereit sind, dich unbeschwert dorthin zu bringen, wo du Sankt Jakob mit Andacht finden mögest.“ – Hermann Künig von Vach, 1495

„Dann singt ihr Lieder wie in der Nacht, in der man sich heiligt für das Fest. Ihr freut euch von Herzen wie die Pilger, die unter dem Klang ihrer Flöten zum Berg des Herrn, zu Israels Felsen, hinaufziehen.“ – Jesaja 30,29

  • 34 Etappen kurz gefasst
  • Wie ich den Jakobusweg entdeckte
  • Liber Sancti Jacobi, 12. Jh. – IV. Buch des Heiligen Apostels Jakobus
  • Wer das elent bawen wel – Lied der Jakobspilger – 13. Jahrhundert
  • Broschüre Westwärts nach Galicien
  • Meditieren auf dem Camino. Highlight Cruz de Ferro
  • Etappenplan St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela
  • Hermann Künig von Vach, 1495
  • Jakobspilger auf den Spuren mittelalterlicher Zeitzeugen
  • Mittelalterliche Reiseschriftsteller auf dem Weg nach Compostell
  • Domenico Laffi, 1666
  • Arnold von Harff, 1499

Reisen ist Ausdruck unseres Seins

Das Leben selbst ist eine Pilgerreise

„Das Reisen ist Ausdruck unseres Seins als Pilger (viator *) auf dem ersehnten Ziel, während es zugleich einen anderen, tieferen und bedeutungsvolleren Weg widerspiegelt, den zu gehen wir berufen sind und der uns zur Begegnung mit Gott führt.“

Quelle: Papst Benedikt XVI. 2012: Botschaft zum Weltkongress für Tourismusseelsorge. Die Tagespoststiftung, 30.07.23. www.benedictusXVI.org. *) Viator: Wanderer, Reisender, Ausflügler. Nam vita peregrinatio est et homo viator, peregrinus qui viam percurrit usque ad locum petitum Quelle: vatican.va

Wie ich den Jakobusweg entdeckte

Raum C 4180, Sportturm Uni Bremen, kurz nach der Jahrtausendwende. Erschrocken drehe ich mich um, bin fast der einzige Mann unter lauter Frauen. Die Oberstudienrätin erklimmt das Podium, kommt sofort zur Sache. Vaganten, PilgerInnen und Beginen im Mittelalter, so lautet der Untertitel ihrer Seminarreihe.

Broschüre Westwärts nach Galicien

Die Autoren der Broschüre Westwärts nach Galicien – dem Schatten nach – wenden sich bewusst an die Menschen, die den Jakobsweg nicht nur als Ergänzung eines europäischen Wanderwegs begreifen, die mehr wissen wollen:

Über die mittelalterlichen Protagonisten, über den religiösen und geschichtlichen Hintergrund, über die beeindruckend schönen und wuchtigen Sakralbauten.

Der Reisebericht ist gleichwohl sehr persönlich gefärbt.

Mit unserem Reisebericht wenden wir uns an Menschen, die bereit sind, sich mit den Worten des Erzbischofs von Santiago, Julian Barrio Barrio, auseinanderzusetzen:

  • So ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort,
  • um mit Gott ins Gespräch zu kommen;
  • er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen durch Christus befreit zu fühlen,
  • und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen.

Meditieren auf dem Camino. Highlight Cruz de Ferro

Foto. Mai 2006. Auf dem Weg zum Cruz de Ferro. Es wird ein strahlend schöner Tag werden.

Elke schreitet voran, sie hat die besseren Augen, sie genießt die Stille, ich konzentriere mich auf den Weg — über die einsamen Montes de León.

Die Gedanken nehmen ihren Lauf. Elke erzählt mir von ihren Beweggründen, sie hat ihren Gott längst gefunden, sie will ihm danken. Ich gebe zu, mir schwirrt der Kopf: Gottsuche, Vernunft, Selbstfindung, 7‐Jahres‐Rhythmus. Ein tiefes Gefühl durchströmt mich, wie schön kann doch die Welt sein, wie schön Fauna wie Flora. Gut, dass keine Bergbahn hier herauf führt. Zum ersten Mal in meinem Leben achte ich penibel darauf, nicht mal eine Ameise zu zertreten.

Man wird ja immer wieder gefragt, Was hat dir denn der Weg gebracht, bist du ein anderer Mensch geworden?“ Ich weiß, diese beiden Stunden des Meditierens, der Gespräche mit Elke, auf dieser speziellen Etappe, weit und breit keine lärmenden Touristen, werden mir immer gegenwärtig bleiben. Danke.

Jakobspilger auf den Spuren mittelalterlicher Zeitzeugen

Der Reisebericht Westwärts nach Galicien – dem Schatten nach ist strukturiert. Wir nehmen euch mit auf vierunddreißig Etappen, in der Broschüre ausführlich beschrieben, an dieser Stelle mehrheitlich nur kurz angerissen mit der Nennung der jeweiligen Etappe, mögen sie im Einzelfall dreizehn oder achtunddreißig Kilometer lang gewesen sein, und dem zweiten Teil der Headline, der auf den Tenor der Etappen eingeht.

Beispiel 15. Etappe. „Elke, wir müssen mehr trinken.“ Aufmerksame Zuhörer. Hier erzählen wir von Räto, einem 45-jährigen erfolgreichen Schweizer Geschäftsmann, der einmal eine Auszeit einlegen wollte; da kam ihm der Jakobsweg gerade recht. + Oder 21. Etappe. Ein koreanischer Ex-Minister und eine Olympiasportlerin beeindrucken. Über zwei Stunden unterhalten wir uns mit dem Deputy Minister of Culture and Sports und seiner sportlichen Frau Kim, Volleyballspielerin bei den Olympischen Spielen von München 1972.

Letztlich pilgerten wir nach unseren Berechnungen achthundertzwei Kilometer, im Schnitt gut dreiundzwanzig Kilometer. Lust bekommen, mehr hierüber zu lesen? Dann bitte unsere Broschüre (s.u.) erwerben, zum Beispiel via Onlinehändler.

Einige der 34 Etappen sind bereits in voller Länge abgedruckt, auf der Webseite Camino Frances nachlesbar. Die skizzierten persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle werden von eingestreuten Berichten aus Geschichte, Kultur und Religion unterbrochen, aufgelockert. – Bezüglich anderer Etappen bitte auf die entsprechenden Verlinkungen achten oder gleich die Webseite Camino Frances anklicken.

Mittelalterliche Reiseschriftsteller auf dem Weg nach Compostell

Stellvertretend für die vielen Menschen, die sich seit dem 9./10. Jahrhundert auf den Weg gemacht haben, lassen wir Hermann Künig von Vach (1495), Ritter Arnold von Harff (1499) und Domenico Laffi (1666) zu Wort kommen. Mehr über die Pilger unten.

Wir dürfen annehmen, dass sie den Pilgerführer Liber Sancti Jacobi (12. Jh.) kannten, vielleicht auf ihren Wegen das Pilgerlied Wer das elent bawen wel aus dem 13. Jh. summten.

Liber Sancti Jacobi, 12. Jh. – IV. Buch des Heiligen Apostels Jakobus

Vorwort des seligen Papstes Calixtinus: *) „Wenn der gebildete Leser in unseren Werken die Wahrheit sucht, wird er sie in diesen Blättern bedenkenlos und ohne Zögern finden, denn was hier geschrieben ist, bezeugen viele, die noch leben, als wahr.“ 

*) Guido von BurgundGuido von Vienne, geb. um 1060, gest. 13.12.1124, Papst ab 1119. + Quelle: Der Jakobsweg. Ein Pilgerführer aus dem 12. Jh., Reclam. Übersetzt und kommentiert von Klaus Herbers, 2008; gilt für alle folgenden Zitate.

Wer das elent bawen wel – Lied der Jakobspilger – 13. Jahrhundert

Strophe1. Wer das elent bawen wel, der heb sich auf und sei mein gesel, wol auf sant Jacobs straßen! Zwei par schuaoch der darf er wol, ein schüßel bei der flaschen. 2. Ein braiten huot den sol er han und an Mantel sol er nit gan, mit Leder wol besezet, es schnei oder regn oder wähe der wint, daß in die luft nicht nezet. 3. Sack und stab ist auch darbei, er luog, daß er gebeichtet sei, gebeichtet und gebüßet! Kumt er in die welschen lant, er findt kein tuetschen priester. 4. Ein teutschen priester findt er wohl, er waiß nit wo er sterben sol oder sein leben laßen stirbt er in dem welschen lant, man grebt ihn bei den straßen. 

Quelle: Xacobeo, gilt für alle folgenden Zitate.

Etappenplan St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela

LIBER SANCTI JACOBI. Kapitel 1. Vier Wege führen nach Santiago, die sich zu einem einzigen in Puente la Reina vereinen; einer geht über (…) den Somportpass, ein anderer über Notre-Dame in Le Puy (…), ein letzter über St-Martin in Tours (…) und die Stadt Bordeaux (…), und nach dem Überschreiten des Cisapasses treffen sie in Puente la Reina auf (…)

Etappe 1. St. Jean-Pied-de-Port nach Huntto, 6 km

Chigong in den Pyrenäen. Kultivierung von Körper und Geist.