Hilaire Belloc, 1902: „In der Messe tust du all das, was der Menschheit zu tun notwendig ist und was sie durch Jahrhunderte hindurch religiös praktiziert hat;

dort hast du die heilige, losgelöste Versenkung, den Altar, den Priester in seinen Gewändern, das fortgesetzte Ritual, die alte und hierarchische Sprache und alles das, worauf dein natürliches Verlangen im Zusammenhang mit dem Gottesdienst gerichtet ist.“ + Hilaire Belloc (1870-1953), 1902, in seinem Roman Der Weg nach Rom – Eine Pilgerreise durch Europa. + FotoAusschnitt: Taize prayer (18.03.26). Author: Damir Jelic.

Hilaire Belloc portrait by T. & R. Annan & Sons, vintage bromide print, 1910.

FotoQuelle: commons.wikimedia (18.03.26), gemeinfrei.

Nur ein Poet dieser Klasse, ein katholischer dazu, kann wohl diese prägsamen Worte formulieren. Zu lesen in seinem Roman Der Weg nach Rom.

Zusammen mit Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) bildete Hilaire Belloc (1870-1953) das englische Duo schlechthin, den Katholizismus nicht nur machtvoll zu verteidigen, vielmehr offensiv in den Vordergrund zu rücken.

Einschub: Wo bleibt seinesgleichen heute? + Er, fünffacher Familienvater, gilt als Autor, Rhetoriker, Historiker, Parlamentarier, Dichter, Liedermacher, Segler. + CNA geht zweimal auf diesen aussergewöhnlichen Mann ein: am 5. Januar 2021 und am 4. Januar 2022.

gibt es stets Gelächter und guten Wein“ *)

Er lässt dazu in seinem Reisebuch Mr. Hard zu Wort kommen, einem 54-jähriger Geschäftsmann, der alles verkauft und beschlossen hat, sich selbst eine Reise nach Europa zu gönnen. Nach einigen Wochen stieß er „mit der katholischen Kirche zusammen“. + CNA, 05.01.21

Ancient praying. Die frühen Christen beteten in der Orantenhaltung (ausgebreitete Arme).

FotoQuelle:commons.wikimedia (18.03.26), gemeinfrei

Weiter im Text „Die Geschichte von Mr. Hard“ – Seite 290 ff.

  • „Er studierte die katholische Kirche mit außerordentlichem Interesse.
  • Er schaute an den verschiedensten Orten der heiligen Messe zu (in der Hoffnung, sie möchte verschieden sein).
  • Er glaubte, sie wäre, was sie nicht war, und dann, umgekehrt, glaubte er, sie wäre nicht, was sie war.
  • Er sprach mit armen Katholiken, reichen Katholiken, mit Katholiken des Mittelstandes und mit schlauen, vornehmen, bedürftigen, mit adrett gekleideten, erfolgreichen Katholiken;
  • auch mit prahlerischen, hohlen Katholiken; mit demütigen, unsicheren Katholiken; kriechenden, plattfüßigen Katholiken;
  • mit herzhaften, gewaltigen, kampfbereiten Katholiken;
  • zweifelnden, achselzuckenden, aber devoten Katholiken; starren, verworrenen und gefährlichen Katholiken;
  • unbekümmerten, jovialen und vom-himmlischen-Licht-beschienenen Katholiken;
  • feinsinnigen Katholiken; merkwürdigen Katholiken und (quod tibi manifeste absurdum videtur) intellektuellen,
  • zwickertragenden, faden, verdrehten, analytischen, neidischen, launenhaften und introspektiven Katholiken:
  • kurz, er sprach mit allen Katholiken.
  • Und wenn ich sage ‚allen Katholiken‘, meine ich nicht, daß er mit jedem einzelnen Katholiken sprach, sondern daß er einen guten, zusammenfassenden Part der kämpfenden Kirche erfasste, das ist alles, was die Worte bedeuten.“

*) CNA, 04.01.22 + Eine der bemerkenswerten Persönlichkeiten aller Zeiten

1) Er durchquerte aus Liebe die USA — zu Fuß + 2) Er schrieb wunderbar witzige Kindergeschichten + 3) Als Student in Oxford gewann er eine politische Debatte — obwohl er im Publikum saß + 4) H. G. Wells (Anm.: engl. Schriftsteller, 1866-1946) sagte einmal über ihn: „Mit Herrn Belloc zu debattieren, ist wie mit einem Hagelsturm zu diskutieren“ + 5) Er gewann ein politisches Amt in England — nachdem er brilliant auf einen anti-katholischen Einruf antwortete + 6) Er half, eine Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus zu entwickeln + 7) Er war ein Sportsegler + 8) Er veröffentlichte über 150 Bücher und Pamphlete + 9) Er prägte den Satz: „Wo auch immer die katholische Sonne scheint, gibt es stets Gelächter und guten Wein“ + 10) Er schrieb und veröffentlichte seine eigenen Lieder. +

  • Ich füge einen elften Punkt hinzu: Er schrieb 1902 mit Der Weg nach Rom einen Roman, den zu lesen ich jederman und -frau auch heute nur wärmstens empfehlen kann. +

Title page to The Path to Rome by Hilaire Belloc

FotoQuelle: commons.wikimedia (18-03-26), gemeinfrei

Buchbeschreibung: Ausgehend von einem Gelübde, das er in seiner Heimatkirche abgelegt hat, beschreibt Belloc seine abenteuerliche Pilgerreise, die ihn auf Schusters Rappen von Toul durch das Tal der Mosel, über Epinal, Belfort, die Schweiz, über die Alpen und durch Oberitalien auf dem kürzesten Weg nach Rom brachte. Wer nun erwartet, in diesem Buch die üblichen Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten zu finden, hat sich getäuscht. Belloc geht es nämlich vor allem darum, seinen Lesern sein Bild von Europa nahezubringen, aber er versteht es dabei, sie mit Geist und Witz zu unterhalten.

Darum schildert er die kleinen Zufälle, die ihm auf seiner Wanderschaft zustießen, skurrile Begebenheiten am Rande des Weges, seine Begegnungen mit seltsamen Menschen in einer fremden Landschaft, und wo es ihm gefällt, hält er an, um ein Bild zu zeichnen, erzählt Geschichten, Anekdoten und Schnurren, deklamiert Gedichte oder singt ein Lied, kurz, er tut alles, damit seinen Begleitern der Weg nicht allzu lang und beschwerlich werde. So zieht der Leser mit ihm durch das Land, über Berg und Tal, bei Sonne und Regen, er teilt seine Freuden und Nöte, lacht über seinen trockenen Humor und erlebt, wie der Wanderer seine feierlich abgelegten Versprechen eines nach dem anderen bricht, bis er nur noch das letzte erfüllt : er erreicht tatsächlich Rom.
Dort, vor den Toren der ewigen Stadt, läßt Belloc den Leser seine eigenen Wege gehen, denn jede Pilgerreise, auch die schönste und abenteuerlichste, hat (wie auch das beste Buch) einmal ein Ende.

317 Seiten, Klappenbroschur. Aus dem Englischen übertragen von Gertrud Jahn. Renovamen-Verlag, 1. Auflage 2021

Vita Renovamen-Verlag 18-03-26). Hilaire Belloc, 1870 in der Nähe von Paris geboren, war ein britischer Schriftsteller, Historiker und Politiker. Nach dem Geschichtsstudium an der Oxford University war Belloc als Journalist und Parlamentsmitglied tätig, vor allem jedoch als freier Autor. Unter seinen 150 Büchern finden sich Gedichte, Romane, Biographien, Kinderbücher und Schriften zur Geschichte und Politik. Der strenggläubige Katholik, glühende Europäer, radikale Sozialkritiker und monarchistische Reaktionär war einer der streitbarsten Gestalten seiner Zeit. Gemeinsam mit seinem engen Freund G. K. Chesterton entwickelte er die ökonomische Philosophie des Distributismus in Opposition zu den Wirtschaftssystemen des Kapitalismus und des Sozialismus. Er starb 1953 in Surrey.

Rom 2018. Internationale Wallfahrt Summorum Pontifcum. Heilige Messe -Missa Tridentina. Betende Gläubige (keine Unterhaltungen) warten auf die Einzugsprozession des Zelebranten, der Diakone und Ministranten. + Man beachte den vorne links kniend betenden jungen Mann.

  • dort hast die heilige, losgelöste Versenkung,
  • den Altar,
  • den Priester in seinen Gewändern,
      • das fortgesetzte Ritual,
      • die alte und hierarchische Sprache (er meint das Lateinische)
      • und alles das,
      • worauf dein natürliches Verlangen im Zusammenhang mit dem Gottesdienst gerichtet ist.“

      Hilaire Belloc, 1902, S. 46 in seinem Roman Der Weg nach Rom – Eine Pilgerreise durch Europa.

      *) In der Messe aller Jahrhunderte