Es hat so kommen müssen. + Seit Jahren rede ich mir den Mund fusselig, verfasse Artikel, die auf das jetzt in Rede stehende Missverhältnis Touristen vs Pilger im Artikel von Anton Pombo hinweisen, telefoniere mit dem Präsidenten einer deutschen Jakobusvereinigung: es nützt alles nichts. + Der Geld gerierende Tourismus hat das Ruder übernommen, und das offensichtlich mit expliziter Zustimmung der Verantwortlichen der Kathedrale + Bräuchte es nicht einer Tempelreinigung a la Jesus? Dieser provokanten Frage gehe ich unten nach. + Foto aus 12.24.
Nicht mehr hinnehmbare Einschränkungen
- Der Haupteingang mit der großen Treppe bleibt geschlossen +
- Der Portico de la Gloria nach Jahrhunderten erstmalig nur mit Anmeldung und bezahltem Ticket zu besichtigen +
- Damit das fromme Berühren des Jakobusstabes wie der Figur des Meisters Mateo abgeschafft + Fotos ohne Bewillung nicht mehr möglich +
- Für den Zutritt der Kathedrale langes Anstehen inkl. Taschenkontrolle am Nebeneingang + das Servicepersonal offenbar überfordert + Foto oben aus Dezember 2024.
- Seit langem schon nicht mehr der Zutritt mit Rucksack gestattet + Foto oben aus Mai 2006. +

- Die Umarmung der Büste des Apostels hinter dem Hauptaltar ist nur noch bedingt möglich + selbst ein kurzes Gebet liegt nicht mehr drin +
- Der Besuch des Apostelgrabes nur noch unter Zeitdruck möglich; die Kniebänke abgeschafft +
- Die Beichtstühle nicht mehr im Blickpunkt gelegen + Wer geht denn noch heute beichten? + Irritation für Nicht-Gläubige vermeiden wollen? + Schämt man sich im Kapitel des eigenen Glaubensgutes? +
- Das billig anmutende (neue) moderne Gestühl in völligem Kontrast zum historischen Gebäude +
- Das noch wenige Augenblicke vor dem Pilgergottesdienst resp. der heiligen Messe am 8. Dezember 2024 (Hochfest Mariä Empfängnis) tätige Reinigungspersonal lässt mitnichten eine fromme, christ-katholische Einstimmung zu +
- Ebenso nicht das Gewusel einiger Laien für die Abstimmung wer, wo, wie, was macht, singt, vorträgt, vorliest, erst kurz vor der Messe. + Foto links +

- Korrektur Leserbrief Bill aus St. Peter, 06.12.25: Jakobus zählte sich sehr wohl als Mitglied der von Jesus Christus gestifteten einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche + Ja, nicht römisch-katholisch; die spätere Aufsplitterung in orthodoxe Kirchen und vor allem in den vielen protestantischen Kirchengemeinschaften vollzog sich erst viele Jahrhunderte später. +
- Fazit: Jetzt den Apostel Jakobus – rückwirkend – für sich selbst zu requieren, sticht nicht. + Im übrigen war es gerade ein Martin Luther, der sich über die Gebeine des angeblichen Apostels lustig machte, und gar dort liegende Hundeknochen nicht in Abrede stellte. +
All das oben von mir immer wieder Angeprangerte ist dem Artikel von Anton Pombo resp. de Zuschriften (s.u.) zu entnehmen. + Ich empfehle dazu den Leserbrief von Javier Peno vom 02.12.25: fehlende Kniebänke + nicht mehr gut sichtbare Beichtstühle, etc.
Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel
Kurzum: Der Tourismus hat gesiegt! + Zumindest temporär, solange ein mutiger Kirchenmann oder -frau sich nicht ein Herz nimmt, Jesus folgt. Stichwort Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel gem. Johannes 2,14 ff. + Natürlich nicht 1:1 übertragbar, im gewissen Maße aber schon. + Lesen Sie selbst, ziehen Sie Analogien:
- Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. +
- Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. +
- Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! +
- Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. +
Setzen Sie gedanklich an die Stelle der oben erwähnten Verkäufer die heutigen Käufer = profane Touristen; an die Stelle der Markthalle = profanes Museum und last but not least an die Stelle der Wechsler die heutigen Protagonisten der Kathedrale Santiago de Compostela. +
Es folgt ein Auszug der Betrachtung von Christoph Kardinal Schönborn, Wien: „War Jesus naiv? Wie soll der Tempel, der Kult, die Religion ohne Markt und Geld funktionieren? Der Tempel muss erhalten, die Tiere für die Opfer gekauft werden. Dazu braucht es Geld. Jesus hat für sich und seine Jünger die Armut gewählt, aber sie waren auf die Wohltätigkeit der Menschen angewiesen, die sie unterstützten, auch finanziell. Jesus hat selber Steuern bezahlt und seine Jünger haben Armen geholfen. Warum also diese zumindest symbolische Gewalt gegen die Händler und Geldwechsler im Tempel? + Bitte weiterlesen im Text der Erzdiözese Wien + Es kommt definitiv auf die Gewichtung an. +
Beispiel: Warum hat es in der Geschichte der Kirche so viele Neugründungen der Mönchsorden gegeben? Der pekuniären Übertreibung wegen zu Lasten, verkürzt gesagt, des gelebten Glaubens + Beredtes Beispiel: Aus dem immer mächtiger gewordenen Benediktinerorden entwickelte sich im 11. Jh. der Orden der Zistenzienser mit dem Gebet im Fokus.