Airport Bilbao, 18:00 Uhr. Geduldig stehen Elke und ich am Laufband. Erst morgen wird es nämlich richtig losgehen, in den Pyrenäen, in St.‐Jean‐Pied‐de‐Port, gute achthundert Kilometer bis Santiago. „Irgendwann werden die Rucksäcke kommen“, reden wir uns ein, „die kommen bestimmt noch, sie müssen kommen.“
Rucksäcke irgendwo
Mit diesen Gedanken sind wir nicht allein. Es hat gleichermaßen Florian aus Potsdam und ein Arztehepaar aus Oldenburg getroffen: stehen alle ohne Gepäck da. Fühlen uns solidarisch. Was folgt ist wahrlich kein Ruhmesblatt für den Carrier Air Berlin, für die Reisebüros, und für die Damen von Lost and Found im Flughafen auch nicht. Keiner fühlt sich zuständig. Unzählige Mobilfunkgespräche aller belegen es.
Etwas ratlos besteigen wir den Shuttlebus Richtung City / Busbahnhof; das Hotel liegt nur wenige Minuten entfernt. Die Oldenburger, die eigentlich weiter nach Logroño wollen, begleiten uns, checken ein; Florian geht zur Herberge.
Nach einigem Hin und Her übernimmt netterweise der Rezeptionist die Regie, und schon klappt alles. Die Rucksäcke werden tatsächlich einen Tag später mit der gleichen Nachmittagsmaschine kommen, unbeschädigt. Der Oldenburger Chefarzt und ich werden in den Wartebereich eingelassen. Zeit für ein interessantes Gespräch mit ihm. Auch ihm wollte es nicht in den Kopf, dass seine Frau „Wertsachen“ in den Rucksack deponiert hatte. Sie hatte Glück: ihr Rucksack schien ungeöffnet zu sein. Nevertheless, fünf Menschen sind glücklich, freuen sich, allerdings nicht darüber, dass an diesem Montag auch das berühmte Guggenheim Museum Bilbao geschlossen ist. Morgen geht es endlich weiter. Die Oldenburger nehmenden Bus nach Logroño, nehmen dort ihren Camino wieder auf; Florian, ein sympathischer junger Mann, werden wir am Busbahnhof wiedersehen für die Fahrt nach Bayonne; zuletzt am Bahnhof von St. Jean.
Informatives zum Guggenheim Museum Bilbao
Immer wenn Sie später auf Kursives stoßen, handelt es sich um weitere erklärende Beschreibungen.
Ein spektakulärer Bau aus Titan, Glas und Kalkstein, ein Prototyp avantgardistischer Architektur des 20. Jhs. weltweit, genauer gesagt vom kanadisch-amerikanischen Stararchitekten und Designer Frank O. Gehry. Das bekannteste Guggenheim steht in New York, gegründet 1937 von Solomon R. Guggenheim, einem Spross einer der reichsten Familien der USA. Sein jüngerer Bruder Benjamin ist in die Geschichte eingegangen mit den Worten „Wir sind angemessen gekleidet und bereit, wie Gentlemen unterzugehen“ ‐ gerichtet am 15. April 1912 an ein Crew‐Mitglied der Titanic, kurz bevor das Schiff im im Atlantik versank, zusammen mit ihm und seinem Butler in bester Abendkleidung gewandet. Anderen Passagieren hatte er zuvor selbstlos beim Einstieg in die Rettungsboote geholfen.
Auf den Spuren vergangener Zeitzeugen
Liber Sancti Jacobi: Lateinischer Pilgerführer, 12. Jahrhundert + Wer das elent bawen wel: Lied der Jakobspilger, 13. Jahrhundert + Deutscher Pilgerführer: Die walfart und straß zu sant Jacob: Hermann Künig von Vach, 1495 + Rom – Jerusalem – Santiago: Das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff, 1496-1498 + A Journey to the West: Reiseschriftsteller und Priester Domenico Laffi, 1670/73; u.a.m
Die walfart und straß zu sant Jacob
Hermann Künig von Vach, 1495
Der älteste deutsche Pilgerführer nach Santiago
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Rom — Jerusalem — Santiago
Das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff (1496-1498)
Eintrag des Ritters in Venedig:
Hier traf ich Anstalten, nach dem fernen St. Jakob in Galicien zu ziehen und stattete mich mit Wechseln und anderen notwendigen Dingen aus. 2
Wer das elent bawen wel, 13. Jh.19. Strophe
Er gab dem pilgram einen schlak, daß er von herzen ser erschrak, er tet zu dem spitel auß laufen, die andern brueder teten den spitalmaister sere raufen.
Er gab dem Pilger einen Schlag, sodass dieser von Herzen erschrak. Er lief hinaus zum Spital, und die anderen Brüder verprügelten den Spitalmeister heftig. + Die Erklärung kann nur lauten: Der Wirt war übergriffig geworden.
Vorausblick
Ankunft in Santiago de Compostela
Liber Sancti Jacobi, 12. Jh.
Compostela, die erhabene Stadt des Apostels, voller Liebreiz aller Art, die Stadt, die die sterblichen Reste Santiagos aufbewahrt, Grund dafür, dass sie als die glückseligste und erhabenste der Städte Spaniens betrachtet wird. Ich habe mich auf die Beschreibung dieser Etappen beschränkt, damit die Pilger, die nach Santiago aufbrechen und dies hören, die nötigen Reisekosten im Voraus planen können.
Fotos Bilbao. Zubizuri-Brücke (Weiße Brücke) nur für Fußgänger. Vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gebaut, 1994-1997. + Emblem Fußballclub Atletico Bilbao. + Elegantes Wohn- und Geschäftshaus diesseits der Brücke. + Wohnhaus mit Panther jenseits der Brücke.