Theologie der Kirchenväter: „credo ut intelligas“ – „ich glaube, um zu verstehen“

„Die Kirche der Väter (erste Jahrhunderte nach Christus) hat den Schriftkanon, die Symbola und die Grundformen des Gottesdienstes geschaffen. Die Väter haben, indem sie den Glauben als eine „Philosophia“ begriffen und ihn unter das Programm des Credo ut intelligam (Verf.: unten mehr), sich zur rationalen Verantwortung des Glaubens bekannt und damit Theologie geschaffen, wie wir sie bis heute verstehen. Auch diese Wendung zur rationalen Verantwortung ist nichts einfach Selbstverständliches; sie war freilich die Voraussetzung für das Überleben des Christentums in der antiken Welt und sie ist Voraussetzung für das Überleben des Christlichen heute und morgen. So wird Theologie einfach dadurch, dass sie ist, immer wieder Vätern tributpflichtig sein und Grund haben, neu und neu bei ihnen in die Schule zu gehen.“- 

Eigenes Foto, 2015. Rom

über die Begrenztheit des menschlichen Geistes

Origenes, geb. 182 in Alexandria, Ägypten, gest. 254 in Tyros, Libanon, über die Begrenztheit des menschlichen Geistes im Glauben an Jesus Christus. Es gibt online Kartenmaterial, das die Situation des 2./3. Jhs. zeigt.

Kirche im Mittelalter. Karte von 1872. Fotoquelle + Bitte ggfs. selbst anklicken.

  • „Freilich geht das von allen seinen (Anm.: Jesus Christus ist gemeint) Wundern und seiner ganzen Hoheit am weitesten über die Bewunderung des menschlichen Geistes und über die schwachen Begriffe des Sterblichen hinaus,
  • dass jene herrliche Gottesmacht, das Wort des Vaters und die Weisheit selbst, in welcher alles, Sichtbares und Unsichtbares geschaffen ist, in der Begrenzung des Mannes, der in Galiläa aufstand, begriffen sein soll:
  • noch mehr, dass die göttliche Weisheit den Schoß einer Frau nicht verschmähte, als Kind geboren wurde und wie andere Menschenkinder wimmerte:
  • dass ebendieser im Todeskampf heftig erschüttert war, wie er selbst bekennt mit den Worten:
  • meine Seele ist betrübt bis in den Tod; dass er zum schmachvollsten Tod, den es unter Menschen gibt, geführt wurde, obgleich er am dritten Tage auferstand (…)
  • Die Wahrheit davon menschlichen Ohren vernehmlich zu machen, übersteigt freilich das Maß meines Verdienstes, oder meines Geistes und meiner Beredsamkeit weit;
  • ich glaube sogar (…), dass die Erklärung jenes Geheimnisses selbst für die ganze höhere Geisterwelt zu hoch ist.“

Quelle: Evangelium Tag für Tag. Origenes (185-253) in „Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft (De principiis), II, § 6,2.“ Kirchenvater; der bedeutendste Theologe vor Augustinus. Begründer der allegorischen Auslegungsmethode der Heiligen Schrift.

Das Mailänder Edikt von 312 n. Chr.

garantiert den Christen die Glaubensfreiheit

Mit der Mailänder Vereinbarung von 312 nach Christus, auch als Edikt bezeichnet, garantierte Kaiser Konstantin der Große (geb. zwischen 270 und 288, gestorben als Christ am 22. Mai 337) nach Absprache mit seinem Mitkaiser Licinius allen Bewohnern des ganzen Reiches, im Westen wie im Osten, die Religions- und Glaubensfreiheit. Eine Bevorzugung der prosperierenden Christenheit war damit noch nicht verbunden.

Foto: Schlacht zwischen Konstantin und Maxentius. Peter Lastmann, 1583 – Amsterdam 1633. Quelle: Kunsthalle Bremen. 

Diese wurde erst durch den späteren Kaiser  Theodosius Magnus im Jahre 380 festgezurrt. Theodosius bezog sich dabei auf das nicänische Glaubensbekenntnis  (verkündet im Konzil von Nicäa (nahe dem heutigen Istanbul) des Jahres 325) und ausdrücklich auf die Lehren des Apostels Petrus, die dieser den Römern überliefert habe. Damit wandte er sich ausdrücklich von der zuvor von den Kaisern praktizierten arianischen Lehre ab, die die Trinität/Dreifaltigkeit ablehnte, wonach eben Christus der Sohn Gottes ist, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.

Die siegreiche Schlacht an der Milvischen Brücke (vgl. Foto) über den Tiber direkt vor Rom am 28. Oktober 312 nach Christus hatte Konstantin zum unumschränkten und alleinigen Herrscher des römischen Reiches im Westen gemacht. Diese Schlacht ist in die Annalen der Geschichte eingegangen, weil Konstantin seinen Sieg einer Vision des christlichen Gottes zuschrieb: „In diesem (Zeichen) siege.“

Lactantius berichtete bereits 317 über die Vision des Kaisers. Die historisch-kritischen Forscher gehen von einem Naturphänomen aus – na klar doch. Eusebius von Caesarea, Theologe und Kirchenhistoriker (263 bis 339), erwähnte darüberhinaus das auf die Schilde der Soldaten gemalte Christusmonogramm „XP“ für die griechischen Worte Chi und Rho = CHRistos.

Zwölf Jahre später, 324 in der entscheidenden Schlacht gegen seinen Mitkaiser Licinius aus dem Osten des Reiches, ließ Kaiser Konstantin das Christusmonogramm diesmal auf seinem Labarum, seiner Hauptheeresfahne, befestigen – umrahmt von einem großen Kreuz, und verwirrte so offensichtlich die gegnerischen Soldaten.

Nach Einschätzung des bekannten Historikers Prof. Alexander Demandt in der TV-Serie Rom des Jahres 2007 galten die Christen schon in den Jahren vor dem Mailänder Edikt als sehr gut organisiert. Nicht nur durch bedingt durch die Reputation der Kirchenväter hatten sie sich insgesamt  auch ein hohes intellektuelles Ansehen in der Bevölkerung erworben. Nicht von ungefähr hat Konstantin der Große sich der Kraft der Christenheit versichert. Er nutzte diese geschickt zu seinem Vorteil zwecks  Machtausweitung aus.

HEILIGE, APOSTOLISCHE VÄTER UND KIRCHENVÄTER

Kaiser Konstantin der Große und seine Mutter Helena übten direkt wie indirekt großen Einfluss auf die Kirchenväter und -lehrer aus.

Foto: Heilige und Kirchenlehrer. Unbekannter Maler um 1475. Bitte selbst anklicken.

Ich nenne an dieser Stelle nur einige wenige Heilige: Augustinus von Hippo (354-430; Professor für Rhetorik, Philosoph (auch heute noch an den Unis gelesen), Bischof, einer der größten Theologen überhaupt), Papst Gregor I. der Große (540-604; einer der bedeutendsten Päpste, seine exegetischen Schriften zählen zu den meistgelesenen des Mittelalters), Hieronymus (347-420, Verfasser der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung), Ambrosius (339-397, Bischof von Mailand und Lehrer von Augustinus) und Johannes Chrysostomus (um 345-407, Priester in Antiochia, später Bischof von Konstantinopel). 

Zu erwähnen sind gleichermaßen die Heiligen Ignatius von Antiochien, Justinus, Klemens von Alexandrien, Irenäus von Lyon, Origenes, (nicht heilig) Tertullian, Cyprian von Karthago, Eusebius von Cäsarea, Athanasius von Alexandrien, Cyrill von Jerusalem, Basilius der Große, Gregor von Nazianz, Gregor von Nyssa, Cyrill von Alexandrien, Hilarius von Poitiers, Eusebius von Vercelli, Maximus von Turin, der Persische Weise Aphrahat,  Ephräm der Syrer, Chromatius von Aquileia, Paulinus von Nola und last but not least Isidor von Sevilla (Leon). Wer mehr wissen will, schlage bitte die Webseite des Heiligenlexikons auf.

auf dem Weltjugendtag in Köln am 21. August 2005 im Rahmen seiner Predigt über die Heilige Eucharistie über die Heiligen:“Es ist die Verwandlung, wie sie in den Heiligen zutage trete. In ihrem Leben kommt wie in einem Bilderbogen die Lichtspur Gottes, die er selbst durch die Geschichte gezogen hat und zieht. Nur von den Heiligen, nur von Gott her kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt.“

Apostolische Väter – Die ersten Zeugen der Tradition

Unabhängig davon gibt es noch die Apostolischen Väter, die zu den wichtigsten Schriftstellern der christlichen Kirche des 1. und 2. Jahrhunderts zählen, wie Barnabas, Clemens I. von Rom, Ignatius von Antiochia, Polykarp von Smyrna, Papia von Hierapolis, der unbekannte Verfasser des 2. Clemensbriefs, Hermes von Rom, Quadratus von Athen, der unbekannte Verfasser der Didache/Apostellehre, der unbekanne Verfasser der Briefes an Mathetes (bedeutet: Jünger) an Diognetus.  – Soweit das Heiligenlexikon.

Der große Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar (1905 bis 1988; Priester und Kulturphilosoph) hingegen nimmt eine andere Aufteilung vor. Sein Denken orientierte sich an den Kirchenvätern, Mystikern und Glaubenszeugen der Kirche. Zusammen mit Joseph Ratzinger und anderen Theologen gründete er in 1972 die Internationale katholische Zeitschrift Communio. Sie gilt als eine der wichtigsten katholisch-theologischen Publikationen.

Für von Balthasar zählen nur diejenigen Kirchenmänner des Übergangs von der apostolischen Zeit zur weiteren Kirchengeschichte, die entweder noch mit den Aposteln in Kontakt waren oder sein konnten, und um das Jahr 100 nach Christus ihre ersten Briefe schrieben.

Dann verengt sich das Spektrum auf drei Apostolische Väter, nämlich Clemens von Rom (geboren um 50 in Rom bis 97/101 in Rom) wahrscheinlich der dritte Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus), Ignatius von Antiochien (um 35 bis 117 in Rom) und Polykarp von Smyrna (um 69 bis 155 in Smyrna). Die ansonsten oben erwähnten Kirchenväter schrieben um 130 (Barnabasbrief; stark antijüdisch); um 150 (Hirte des Hermas, in Rom verfasst) und der fragmentarische überlieferte Papias um 130, der nur die Apostelschüler gekannt hat; die Didache wird in ihrer Endfassung erst Mitte der zweiten Jahrhunderts fertiggestellt worden sein.

Allen Apostolischen Vätern liegt die Einheit der Christen am Herzen. Warum? Es gab schon damals viele Irrlehrer, nicht nur heute, die u.a. die wahre Auferstehung Christi leugneten. Clemens von Rom geht desweiteren auf die Apostolische Sukzession (Nachfolge Petri) ein; allen ist auch wichtig, die „Schrift“, sie meinten damit das Alte Testament, mit in ihre von Christus über die Apostel eingegebene Lehre einzubeziehen.

Wer mehr über die Apostolischen Väter wissen will, besorge sich das von Hans Urs von Balthasar herausgegebene Büchlein (120 Seiten) „Die apostolischen Väter“; Erstauflage 1984, 3. Auflage 2015, Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg.

Ich denke, gerade die Protagonisten von Maria 2.0, Wir sind Kirche, des Synodalen Wegs, des Zentrakomitees der deutschen Katholiken, etc. sollten sich mit der Theologie dieser Kirchenmänner, später auch Frauen, beschäftigen. Ohne diese keine katholische Kirche. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass ein Martin Luther deren Exegese unberücksichtigt ließ. Der einzige, der noch Gnade bei ihm fand, war Augustinus (4./5. Jh.). Ich denke, auch er sollte wissen, dass gerade diese Kirchenmänner (Apostolische Väter wie die Kirchenväter der nächsten Jahrhunderte) die „Schrift“, also das Neue Testament, beeinflußten.

Von Papst Benedikt XVI. geschätzter Kirchenvater. Geboren um 185 in Alexandria, gestorben 254. Eusebius von Casarea schrieb von ihm in seiner „Kirchengeschichte.“ Er gilt als der einflussreichste Theologe der griechischen Kirche und wohl der bedeutendste der Gesamtkirche vor Augustinus (4./5. Jh.).

Gemeinfreies Foto. Bitte anklicken

In einer seiner Predigten/Homilien geht Origenes im Rahmen der Deutung Buch Levitikus des Ersten Testaments auf die Vernunft und Deutung der Bibel ein, auf die Perikope Matthäus 15,1-2.10.14:

„Als in den letzten Tagen das Wort Gottes, in Fleisch gekleidet, von Maria geboren wurde und sich in dieser Welt zeigte, war das, was man von ihm sah, verschieden von dem, was der Verstand in ihm erkennen konnte. Sein Fleisch war für alle offensichtlich, aber die Kenntnis seiner Göttlichkeit war nur wenigen gegeben. Genauso verhält es sich, wenn das Wort Gottes sich durch das Gesetz des Alten Bundes und die Propheten an die Menschen wendet: Es zeigt sich verschleiert durch eine entsprechende Verhüllung. In seiner Menschwerdung ist es mit Fleisch bekleidet, in der Heiligen Schrift ist es mit dem Schleier des Buchstabens bekleidet. Der Schleier des Buchstabens ist vergleichbar mit seiner Menschlichkeit, und der geistliche Sinn des Gesetzes mit seiner Göttlichkeit.“ Und weiter:  „Sobald sich aber einer dem Herrn zuwendet“, sagt der Apostel Paulus, „wird die Hülle entfernt. […] und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (vgl. 2 Kor 3,16–17). Der Herr selbst, der Heilige Geist selbst ist es, zu dem wir beten müssen, damit er in seiner Güte alle Finsternis von uns nimmt und wir fähig werden, in Jesus den wunderbaren geistlichen Sinn des Gesetzes zu betrachten, so wie jener sagte: „Enthülle meine Augen, dass ich die Wunder deines Gesetzes betrachte!“ (Ps 118,18 LXX).“ Quelle: Evangelium Tag für Tag, 04.08.2020.

Mein Fazit. Brillante Formulierungen eines intellektuell geprägten Priesters/Theologen der frühen Christenheit. Nur einer kann heute mit ihm und den Kirchenvätern mithalten: Joseph Ratzinger – Papst em. Benedikt XVI.

Einband von „Das Leben der Heiligen Gottes.“ 

In den Ecken Darstellungen der ersten Kirchenlehrer der lateinischen Kirche.

Die Theologie der Kirchenväter erfährt gegenwärtig regen Zulauf, maßgeblich protegiert von Joseph Kardinal Ratzinger / Papst Benedikt XVI. Die kanonische Exegese hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bibeltexte im Gesamtzusammenhang zu verstehen und zu deuten, also nicht in einzelne Bücher und Bibelstellen zu unterteilen.

Also: den göttlich inspirierten Verfassern der Heiligen Schrift wieder vertrauen, wieder Jesus Christus als den trinitarischen/dreifaltigen Gottessohn verstehen, nicht als bloße Metapher abzutun. Fiat voluntas tua. Dein Wille geschehe.

Der heilige Hilarius, Bischof und Kirchenlehrer (315-367),  schrieb sein Hauptwerk „Über die Dreifaltigkeit.“ In einem seiner Briefe an die Arianer, sie glaubten nicht an Jesu Göttlichkeit, formulierte er die heue noch gültigen Sätze über den Glauben:  

  • „Das Unsagbare. Es blieb mir nichts anderes übrig: Mit meinen ungeschickten Worten versuchte ich, die unaussprechlichen Mysterien zu erklären.
  • An die Zufälligkeiten der menschlichen Sprache lieferte ich die Geheimnisse aus, die eigentlich in der gläubigen und ehrfürchtigen Seele verwahrt bleiben müssten.“
  • Quelle: Schott-Meßbuch für die Wochentage.

„ich glaube, um zu verstehen.“

Der Glaube öffnet den Weg, um die Tür zur Wahrheit zu durchschreiten. Aber auch, und nicht davon zu trennen: „intellige ut credas“ – „verstehe, um zu glauben.“

Hl. Augustinus als Verteidiger des Glaubens, eine Frucht der Tränen seiner Mutter Monika (im Hintergrund). Gemälde von Benevenuto da Garofalo (1481-1559).

Eigenes Foto aus „Stadt Gottes“ – Jahrgänge 1949 bis 1951.

Später wird der hl. Anselm von Canterbury (1033 – 21. April 1109) deklamieren: „Credo, ut intelligam“ – Ich glaube, um erkennen. Sein Gespräch mit seiner Mutter Monika in Ostia, kurz vor ihrem Tod im Jahre 387, fasziniert noch heute: Tiefgründige Reflexionen über und zur beata vita (über das glückliche Leben), über die ewige Weisheit  – in einer visio dei (Gottesschau); er meinte damit das Berührtwerden von Gott. Für Augustinus ist ohnehin das Böse nur der Entzug des Guten.

Für Papst Benedikt XVI. ist Augustinus der größte Kirchenvater und Kirchenlehrer der lateinischen Kirche, der auch und gerade für Nichtchristen eine sehr tiefe Spur im kulturellen Leben des Abendlandes und der ganzen Welt hinterlassen habe. Geboren am 13. November 354 in Thagaste in der Provinz Numidien (heutiges Algerien) im römischen Afrika, gestorben am 28. August 430 in Hippo. Getauft mit 32 Jahren am 24. April 387 vom berühmten Mailänder Bischof Ambrosius in der Osternacht im Mailänder Dom. Sodann 391 in Hippo, der afrikanischen Küstenstadt, zum Priester und 395 zum Bischof geweiht. Von ihm sind mehr als 1000 Schriften erhalten: 300 Briefe und fast 600 Predigten, die zu unterteilen sind in philosophische, apologetische, lehrmäßige, moralische, monastische, exegetische und gegen die Irrlehren gerichtete Schriften.

Berühmt sind seine Bücher Confessiones (Bekenntnisse: „tolle, lege, tolle, lege!“ – Nimm und lies. Nimm und lies! – VIII,12,29) + Retractationes (Durchsicht) + De civitate Dei (Vom Gottesstaat) + De doctrina Christiana (Die christliche Bildung: Einführung in die Bibel ) + De Trinitate (Dreifalitgkeit) + De catechizandis rudibus (Theorie und Praxis der Katechese).

Hier eines der schönsten

und berühmtesten Gebete der Confessiones (X,27,38):

„Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und doch immer neu, spät habe ich dich geliebt! Und siehe, du warst in meinem Inneren und ich draußen, und dort (draußen) suchte ich dich und stürzte mich, häßlich entstellt, auf die Schönheiten, die du geschaffen hast. Du warst bei mir, aber ich war nicht bei dir. Weit von dir weg zog mich, was keinen Bestand hätte, wenn es nicht in dir wäre. Du hast mich laut gerufen *) und meine Taubheit zerrissen; du hast gestrahlt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht. Du hast mir deinen Duft zugeweht, und ich habe ihn eingesogen und seufze nun nach dir. Ich habe dich geschmeckt, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt in deinem Frieden.“

Quelle: Papst Benedikt XVI. – Kirchenväter und Glaubenslehrer, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2008.

*) Und das sind wohl die berühmtesten Worte,

die je ein Mensch von Gott gehört hat (vgl. Confessiones): „tolle, lege, tolle, lege“ – in einem Mailänder Garten, rundherum spielende Kinder: „Nimm und lies! Nimm und lies!“ Sodann schlug er die Bibel auf, fand eine Stelle von Paulus, nämlich im Römerbrief 13,13, und bekehrte sich endgültig.

Saint Augustine, by Philippe de Champaigne, 1650. Fotoquelle. Bitte anklicken. + In this painting, the Flemish artist Philippe de Champaigne portrays Augustine in his studio. In one hand Augustine holds a feather pen, and in the other, a flaming heart. +

The flaming heart – a heart on fire for God – was one of Augustine’s traditional attributes. + The painting is located at the Los Angeles County Museum of Art in California. Source/Citation:  Public domain image via Wikipedia commons.

HEILIGENVEREHRUNG VON ANFANG AN

Für die alte Kirche war sie selbstverständlich. Gleichermaßen nimmt die Heiligenverehrung einen hohen Stellwert in der lateinischen Messe nach dem Alten Ritus/Tridentinische Messe ein. Vor der Wandlung, die Gläubigen sind still, ruft der Priester am Altar voller Ehrfurcht die Heiligen als Zeugen des Allerheiligsten an, in erster Linie die der von Rom.

Eigenes Foto.

Vergleiche auch: Marienkönigin. „Dreihändige“ Gottesmutter Tricheirousa, Kloster Hilandar, Athos, 14. Jh. Fotoquelle + Bitte anklicken.

Eigenes Foto, 2015. Rom. Vatikan.

Die Heiligenverehrung hat dann im Laufe des Frühmittelalters teils krude Züge angenommen, die Ausrufung wurde vor Ort vorgenommen,

sodass Kaiser Karl der Große im Jahr 805 neue Bestimmungen herausgab.

Erst 993 nach Christus mutierte die Heiligsprechung zum alleinigen Recht der Päpste, erstmalig am 31. Januar 993 von Papst Johannes XV. initiiert – zum Leidwesen der örtlichen Bischöfe.

Heute existieren seitens des Vatikan strenge Regeln, die allerdings manchmal außer Kraft gesetzt werden. Bsp.: Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. Dem Ruf der Gläubigen „Santo subito! Heilig sofort“ konnte man sich nicht entziehen.

Zur Klarstellung: Die Heiligen werden NICHT angebetet, auch die Gottesmutter  nicht. + Gläubige Katholiken beten ZU den Heiligen. Das ist ein großer Unterschied. Angebetet wird nur der trinitarische Gott.

WISSENSCHAFT, VERNUNFT UND GLAUBE

Historisch-kritische Exegese

Die Hochzeit von Kana. Kunsthalle Bremen. Julius Schnorr von Carolsfeld, 1794 bis 1872. + Beschrieben bei Johannes 21,1-12.

  • Berühmt die Worte Jesu Mutter zu Jesus: Sie haben keinen Wein mehr. 
  • Kurze Zeit später verwandelt der Herr Wasser in Wein – sein erstes Zeichen.
  • Mittlerweile glauben auch viele Christen, auch Katholiken, nicht mehr an die Wunder Jesu Christi:
  • Mythen, Märchen, nachträglich Jesus zugesprochen.

VERNUNFT

Schöpferische Vernunft

Logos > Jesus Christus, Gottes Sohn

Quelle: Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Radioexerzitien (Radio Vatikan, 2013).

Seit dem es Menschen gibt, glauben Menschen an eine übernatürliche Wirklichkeit. Seit dem Menschen glauben, fordern Mit-Menschen, mindestens beginnend mit der Antike, Beweise und Zeichen von der Existenz der übernatürlichen Wirklichkeit, von Gott also. Das Infragestellen Gottes beginnt also nicht erst mit der Aufklärung, nicht erst mit der Neuzeit.

Seriöse Wissenschaftler deklamieren zu Recht, dass die wissenschaftlich fundierten erarbeiteten, erforschten neuen Erkenntnisse immer wieder der Irrtumsanfälligkeit unterliegen. Wissenschaftler haben sich zu allen Zeiten geirrt. Es ist also Vorsicht geboten, jenen Wissenschaftlern vorbehaltlos zu glauben, die heute gerne wie folgt argumentieren: „Heute wissen wir!“

Die Wissenschaftsgläubigen folgen jenen Wissenschaftlern, die sich selbst als Szientisten beschreiben würden: dies akzeptieren, kurz gesagt, nur das, was mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen resp. falsifiziert werden kann. Zwischenfrage: Kann ich meine Liebe zu meiner Frau wissenschaftlich nachweisen?

Die Szientisten, nicht alle Wissenschaftler begreifen sich als Szientisten, erheben gerne ihre Wissenschaft zur Weltanschauung, als Religionsersatz. Sie deklamieren, zeige mir Gott in der Natur? Unterstellen damit, dass Gott ein Teil der Natur ist. Der Christgläubige aller Zeiten hingegen, auf den heiligen Augustinus der Antike komme ich unten zurück, vertraut auf die Aussagen der Bibel, auf das Alte Testament, wonach Gott die Welt erschaffen hat: Gott ist also außerhalb der Natur zu denken;  auf die Botschaften der Evangelisten, die Predigten und Briefe der Apostel Jesu Christi des Neuen Testaments,  wonach Jesus Christus vor über zweitausend Jahren als Gottes Sohn auf die Erde gekommen ist, geboren von der Jungfrau Maria, um das Reich Gottes zu verkünden.

Papst Benedikt XVI.

warnt vor einer falschen Wissenschaftsgläubigkeit. In seinen Büchern,  als Professor der katholischen Theologie, als Erzbischof von München-Freising, als Kurienkardinal unter Papst Johannes Paul II., immer wieder ging er auf diese Thematik ein – Glaube und Vernunft: „Nicht die Wissenschaft erlöst den Menschen. Erlöst wird Mensch durch die Liebe.“ Durch die Liebe Gottes. 

Foto: His Holiness Benedict XVI, born 1927. Sua Santita Benedetto XVI – Seine Heiligkeit Benedikt XVI. mit Privatsekretär Prälat Dr. Georg Gänswein (geb. 1956), dem späteren Erzbischof. Quelle: Postkarte Vatican Radio`s Frenquencies.

Augustinus Aurelius,

354-430, Bischof von Hippo, Nordafrika. Sein Buch „Bekenntnisse (Confessiones)“ ist grandios, unübertroffen. Kein Wunder, dass sich der Jahrhunderttheologe, Papst em. Benedikt XVI. / Josef Ratzinger, in seinem Theologiestudium, neben Bonaventura besonders dieses größten lateinisch-katholischen Kirchenvaters angenommen hat. Im 20. Kapitel des zwölften Buches geht Augustinus in einer Breite und Tiefe auf das Thema Schöpfung der Welt ein, dass einem schwindelig wird.

Augustinus zur Schöpfung der Welt

„Was meinte der Verfasser der Genesis (Augustinus ging noch von Moses aus) mit den Worten ‚Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.‘ Den sichtbaren Himmel, die sichtbare Erde? Durch sein Wort, das mit ihm gleich ewig ist, die übersinnliche und sinnliche, oder die geistige und körperliche Schöpfung?  In Folge ringt er mit den verschiedensten Erklärungen.

Was ist wahr? Was hat die Genesis aussagen wollen? Materielles oder Immaterielles? Im 27. Kapitel des gleichen Buches geht er darauf ein, wie Gott zu denken sei. Viele meinten als einen Mensch oder als ein materielles Wesen mit einer unbegrenzten Macht, das durch einen neuen und plötzlichen Entschluss außer sich und in entfernen Räumen Himmel und Erde geschaffen habe? Andere verstünden unter Gott die Weisheit. Andere …

Im fünften Kapitel des dreizehnten Buches fallen Sätze wie diese: „Siehe, wie in einem Rätsel erscheint mir die Dreieinigkeit, die du, mein Gott, bist; denn du, Vater, hast im Anfange unserer Weisheit, die deine von dir geborene Weisheit ist, die gleich und mit dir gleich ewig, das heißt, in deinem Sohne hast du Himmel und Erde geschaffen. (…)

Ich erkannte schon in dem Namen Gottes den Vater, der dies schuf; in dem Worte Anfang, in dem er es schuf, den Sohn; und da ich annahm, dass mein Gott dreieinig sei, wie ich ihn glaube, forschte ich in seinen heiligen Aussprüchen und siehe, dein Geist schwebte über dem Wasser. Das ist die Dreieinigkeit, mein Gott! Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, der Schöpfer der ganzen Schöpfung.“

All die Modernisten, Szientisten der Moderne, die verächtlich auf die Protagonisten der zurückliegenden Jahrhunderte zurückschauen (dunkel, dumm seien sie gewesen), müssten sie nicht Abbitte leisten und zugestehen, dass die Kirchenväter und Kirchenlehrer der Antike, der frühen Christenheit also, dass die mittelalterlichen Theologen wie ein Thomas von Aquin, Albertus Magnus oder Bonvantura als grandiose Theologen, Wissenschaftler und Philosophen uns  mit ihrem Gedankengut zu und über Gott und die Welt immer noch maßgeblich beeinflussen, weil wahr und richtig!

DER HISTORISCHE-KRITISCHE EXEGET

LEHNT DAS METAPHYSISCHES WELTBILD AB,

den Supernaturalismus ab. Lehnt also das Übersinnliche, das Glaubende ab,weil die Natur übersteigend, weil rational nicht begreifbar, weil außergesetzmäßig. Viele katholische Theologen schlossen sich diesem Trend der zumeist evangelisch orientierten Exegeten der vergangenen Jahrhunderte an. Auch heute denken noch viele so. Aber nicht mehr alle.

WISSENSCHAFT IGNORIERT UNERKLÄRLICHE DINGE

Es gibt kein Faktum ohne Deutung

Dagegen halten:

Prof. Walter von Laack (Grenzgebiete der Medizin) in dem „Welt“-Artikel vom 02.01.2017:

  • Was uns als Wissen verkauft wird, sind oft einzelne Interpretationen von Beobachtungen.
  • Und wenn die Naturwissenschaft auf unerklärliche Dinge stößt, ignoriert sie sie einfach.

Prof. Karl-Heinz Menke, Theologe, unterstreicht diesen Ansatz in „Die Tagespost“ vom 13. August 2020:

  • Es gibt kein Faktum ohne Deutung.
  • Das impliziert auch die an den Universitäten gelehrte …
  • exegetische Theologie
  • systematische Theologie
  • historische Theologie
  • praktische Theologie.

Wenn Theologie sich nicht auf den gelebten Glauben der Bekenntnisgemeinschaft bezieht, deren apostolisches Lehramt wahre von falschen Interpretationen unterscheidet, dann ist sie die Geisteswissenschaft, die am anfälligsten ist für Moden, Trends und Ideologien.

EVANGELISCHE THEOLOGIEPROFESSORIN

ETA LINNEMANN

Sie äußerte sich 1994 als prominente Schülerin des einflußreichen evangelischen Theologen Rudolf Bultmann *) völlig desillusioniert über die moderne evangelisch-liberale Theologie, wie sie eben ihr Lehrer vorgegeben hat, wie folgt:

  • Es wird eine Zeit kommen, in der man  die gesunde Lehre nicht erträgt,
  • sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln;
  • und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden (2 Tim 4,3).

*) Rudolf Bultmann, 1884 – 1976

programmierte die Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung (Kerygma).

Entmythologisierung: Der Versuch eines von Bultmann 1941 mit seinem Aufsatz Neues Testament und Mythologie ins Spiel gebrachte hermeneutische Verfahren, die vorgeblichen Mythen (Wunder Jesu Christi, Auferstehung, Jungfrauengeburt, etc.) des Neuen Testaments zu entkleiden. Der moderne Mensch würde sie nicht mehr verstehen; das wissenschaftliche Weltbild sei dem „Mythos“ überlegen. Prof. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., sieht in den Wundern, etc., keine Mythen, vielmehr in den Protagonisten der Frühen Kirche, sich für den „Logos“ (Jesus Christus Sohn Gottes gem. Joh 1,1-18; Vernunft, Sinn) entschieden zu haben, sich zwangsläufig damit gegen jede Art von Mythos entschieden zu haben.

Eta Linnemann widerrief alles, was sie auf der Basis dieser (modernen) Theologie publiziert hatte, festgehalten in ihrem Buch, mir vorliegend in der 2. Auflage 1999 bei CLV Bielefeld, mit dem Titel “ Original oder Fälschung – Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel.“

In Kurzform das Statement

der Professorin vom 11. Januar 2010:

„Warum ich als Theologieprofessorin ausstieg.“ Quelle: Gemeindenetzwerk.

Einige Auszüge:

Historisch-kritische Theologie

  • Unter dem Strich keine Wahrheit
  • Ich wollte für meine Studenten kein blinder Blindenleiter sein
  • Entweder die Bibel durch meinen Verstand kontrollieren
  • oder mein Denken durch den Heiligen Geist bestimmen lassen.

Nein zur kritischen Theologie

  • Durch Johannes 3,16 erfuhr ich, daß Jesus nicht nur Gottes Sohn genannt wird, sondern daß er es ist und
  • daß er von einer Jungfrau geboren wurde,
  • daß er der Messias und Menschensohn ist und i
  • hm solche Titel nicht durch menschliche Überlegungen beigelegt wurden.

ÜBRIGENS

Die historisch-kritische Exegese vermittelt sehr gerne den Eindruck,

dass erst sie mit Beginn des 18./19. Jahrhunderts die Bibel wissenschaftlich aufgearbeitet hätte. Dem möchte ich die Ausführungen von Prof. Bruno Reudenbach entgegenhalten, publiziert in seinem 1998 auf dem Markt gekommenen Buch „DAS GODESCALC-EVANGELISTAR – Ein Buch für die Reformpolitik Karls des Großen.“

Prof. Bruno Reudenbach verweist auf Bischof Eusebius von Caesarea (um 260-339), Historiker, Hoftheologe und Ratgeber Kaiser Konstantins des Großen. Danach ist Eusebius Erfinder der Kanontafeln: Um die in den vier Evangelien jeweils übereinstimmenden Textstellen leichter auffindbar und vergleichbar zu machen, gab er allen vier Evangelien abschnittweise fortlaufende Ordnungsnummern. Diese stellte er dann in Tabellen, canones, zusammen, aus denen entsprechend ablesbar ist, ob ein Abschnitt nur bei einem Evangelisten vorkommt oder ob und wann an welcher Stelle es Parallelen in den anderen Evangelien gibt. Die damaligen Exegeten/Kirchenväter und – lehrer sahen allerdings keinen Grund, an den Aussagen der Evangelisten und Aposteln zu zweifeln. Sie vertrauten ihnen im Glauben an Jesus Christus, wie Papst Benedikt XVI., der vor absoluter Wissenschaftsgläubigkeit warnt.

Eigenes Foto, 2015. Rom. Vatikan. Petersdom. Die Pieta.

*) Die Pieta stellt die Mutter dar, die den Leib des Sohnes empfängt, nachdem er vom Kreuz abgenommen worden ist. Betrachten wir das Antlitz Marias: Sie ist jung, sehr viel jünger als der Sohn, weil sie unbefleckt ist, wie Michelangelo selbst gesagt. Ihr Blick liebkost das Antlitz Jesu, er ist ernst und voller Mitleid, erfüllt von Milde und Leid, sie beugt sich der Zustimmung, denn sie ist ganz vereint mit der im Kreuzesopfer vollzogenen Hingabe des Sohnes an den Vater. Maria fährt fort, den Leib des Sohnes darzubringen:

Mit der linken Hand drückt sie ihn an sich und mit der rechten Hand bringt sie ihn dar. Es lässt mich an den Augenblick der eucharistischen Wandlung (Anmerkung: während der Heiligen Messe) und an die Worte des Priesters denken, der die Worte Jesu spricht: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. 

Quelle: Vatikanzeitung LÓsservtore Romano vom 17.März 2017: Kunst als Weg zur Wahrheit. Meditation zur Pieta von Schwester Rebecca Nazzaro, Oberin der Missionarinnen von der Göttlichen Offenbarung.

Enzyklika „Fides et Ratio“ – Glaube und Vernunft – 1998

Fides et Ratio – Glaube und Vernunft. Gemeinhin wird der emeritierte Papst Benedikt XVI. mit diesem seinem Lieblingsthema in Verbindung gebracht, zum Verdruss vieler seiner Kritiker, vor allem hier in Deutschland, namentlich Hans Küng vom Weltethos. Fotoquelle

Am 14. September 1998, dem Fest der Kreuzerhöhung, hat sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. eine Enzyklika vorgelegt, die es verdient hat, mehr denn je beachtet und diskutiert zu werden, nämlich, ich zitiere korrekt: (die) Enzyklika FIDES ET RATIO von Papst Johannes Paul II. an die Bischöfe der katholischen Kirche über das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Es gibt eine 7. Auflage aus 2014, zu beziehen über das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (www.dbk.de) als Nr. 135 der Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls. Wie der emeritierte Papst Benedikt XVI. jetzt (2016) verriet, stecken einige Ideen von ihm in dieser Enyzyklika. Mein erstes Fazit: spannend zu lesen. Nachstehend die Kapitel-Überschriften:

Einleitung: „Erkenne dich selbst.“

  • Die Offenbarung der Weisheit Gottes: Jesus als Offenbarer des Vaters. Die Vernunft vor dem Geheimnis.
  • Credo ut intellegam (Ich glaube, damit ich verstehen kann):  Die Weisheit weiß und versteht alles. „Erwirb dir Weisheit, erwirb dir Einsicht.“
  • Intellego ut credam (Ich glaube, damit ich erkennen kann): Auf dem Weg der Suche nach der Wahrheit. Die verschiedenen Gesichter der Wahrheit.
  • Das Verhältnis von Glaube und Vernunft: Bedeutsame Schritte der Begegnung zwischen Glaube und Vernunft. Die bleibende Neuheit des Denkens des hl. Thomas von Aquin. Das Drama der Trennung zwischen Glaube und Vernunft.
  • Die Wortmeldungen des Lehramtes im philosophischen Bereich: Das Urteilsvermögen des Lehramtes als Dienst an der Wahrheit. Das Interesse der Kirche für die Philosophie.
  • Die Wechselwirkung zwischen Theologie und Philosophie: Die Glaubenswissenschaft und die Erfordernisse der philosophischen Vernunft. Verschiedene Standorte der Philosophie.
  • Aktuelle Forderungen und Aufgaben: Der unverzichtbaren Forderungen des Wortes Gottes. Aktuelle Aufgaben für die Theologie. Schluss.

Fotos: Krakau November 2019 + (c) A.M. Schulze

Anhang

HÄRESIE – SCHISMA *)

2. Jahrhundert (Irenäus von Lyon) versus 21. Jahrhundert (Synodaler Weg)

Der große, auch von Joseph Ratzinger bewunderte, Schweizer Theologe der Neuzeit, nämlich Hans Urs von Balthasar (1905-1988), brachte 1981 ein Bändchen zum größten Theologen des 2. Jahrhunderts heruas, nämlich Irenäus von Lyon (geb. um 135 bis 202): Gott in Fleisch und Blut – Ein Durchblick in Texten; genauer gesagt seines epochalen Werkes “Adversus Haereses“, das im wesentlichen der Reinerhaltung der jungen christlichen Kirche dient und seinem Kampf gegen die Häretiker seiner Zeit, die sogenannten Gnostiker.

Was liegt da näher, diese seine Zeit (2. Jh.) mit der der unsrigen (20./21. Jh.)  zu vergleichen!?; inspiriert durch den Artikel von Gerhard Kardinal Müller in der Tagespost vom 5. Mai 2022: Das entkernte Christentum. Kardinal Müller verweist zum Schluß seiner Ausführungen auf eben jenes epochales Werk „Gegen die Häresien – Buch V, 20,1“, die ich ergänze mit Irenäus` Sätzen aus V 20,2;, entnommen dem mir vorliegendem oben bezeichnetem Buch.

Selbst die im Thema nicht steckenden Personen, Gläubige werden unschwer rasch erkennen, soweit sie sich der Ergebnisse des deutschen Synodalen Weges vergewissert haben, dass hier Parallelen gezogen werden können. Die Situation schon vor achtzehn, neunzehn Jahrhunderten nicht anders war, also direkt auf die Apostel folgend.

Dazu muß  man allerdings auch wissen, dass Prof. Magnus Striet, maßgebliches Mitglied und Promoter des Synodalen Weges und Deutschland-weit bekannter Theologe,  u.a. an der Freiburger Uni u.a. das Thema Gender Studies lehrend, folgende These zu Papier brachte,

  • dass die Ergebnisse des Synodalen Weges
  • (faktisch) schon ein Schisma in der katholischen Kirche in Deutschland erbracht hätten.

Der Einfachheit halber zitiere im folgenden die Texte der Bibliothek der Kirchenväter.

ADVERSUS HAERESES – Gegen die Häresien

Irenäus von Lyon. Fünftes Buch 20 – Kapitel 1 und 2 V 20,1

Sind sie doch alle viel später als die Bischöfe, denen die Apostel die Kirchen übergeben haben, was wir im dritten Buche mit aller Sorgfalt nachwiesen. Da nun also die genannten Häretiker für die Wahrheit blind sind, so schweifen sie immer auf andere Wege ab, und ohne Sinn oder Zusammenhang sind die Spuren ihrer Lehre. Der Pfad derer aber, die zur Kirche gehören, führt um die ganze Welt herum; er hat die feste, apostolische Tradition und läßt uns erkennen, daß aller Glaube ein und derselbe ist: alle bekennen ein und denselben Gott Vater, alle glauben an dieselbe Ordnung der Menschwerdung des Sohnes Gottes, wissen von ebenderselben Gabe des Geistes, beobachten ebendieselben Gebote und bewahren ebendieselbe Form der kirchlichen Verfassung, erwarten ebendieselbe Ankunft des Herrn und erhoffen ebendieselbe Heiligung des ganzen Menschen, d. h. des Leibes und der Seele. Wahr und fest ist die Predigt der Kirche; ein und derselbe Weg zum Heil wird in der gesamten Welt gewiesen. Ihr ist das Licht Gottes anvertraut, und deshalb wird die Weisheit Gottes, die alle Menschen rettet, „an dem Ausgang besungen, und auf den Straßen wirkt sie mit Zuversicht, oben auf den Mauern wird sie gepriesen, an den Toren der Stadt redet sie ständig“. Überall nämlich predigt die Kirche die Wahrheit, sie ist der siebenarmige Leuchter, der Christi Licht trägt.

V 20,2

(…)  Das gilt aber allen Häretikern, die da glauben, daß sie etwas mehr als die Wahrheit gefunden haben, wenn sie den genannten Lehren folgen, und indem sie auf verschiedene, mannigfaltige und törichte Weise ihren Weg gehen und über dasselbe nicht immer dieselben Anschauungen haben, werden sie wie Blinde von Blinden geführt. So fallen sie gerechter Weise in die verborgene Grube der Unwissenheit, da sie „immer suchen und niemals die Wahrheit finden“. Daher muß man vor ihren Lehren fliehen, und sorgfältigst müssen wir achtgeben, daß wir nicht irgendwo von ihnen Schaden nehmen; zu der Kirche aber muß man seine Zuflucht nehmen, in ihrem Schoß sich erziehen und von den Schriften des Herrn sich ernähren lassen. Ist doch die Kirche gepflanzt als das Paradies in dieser Welt. „Von jedem Baume des Paradieses darfst du Speise essen“, sagt der Geist Gottes , d. h. von jeglicher Schrift des Herrn — doch mit stolzem Sinne sollt ihr nicht essen, noch den gesamten häretischen Zwiespalt berühren. Rühmen sie sich doch selber, die Kenntnis des Guten und Bösen zu besitzen, und über Gott, ihren Schöpfer, erheben sie sich in ihren gottlosen Herzen. Über das Maß der Erkenntnis hinaus wollen sie erkennen. Deshalb mahnt auch der Apostel, „nicht höher zu sinnen, als man sinnen soll, sondern zu sinnen gemäß der Klugheit“ , damit wir nicht von ihrer Erkenntnis, die das gebührende Maß übersteigt, essen und aus dem Paradiese des Lebens verstoßen werden. Die aber seiner Weisung gehorchen, führt der Herr dort hinein, „indem er alles in sich zusammenfaßt, was im Himmel und was auf Erden ist“ . Das „im Himmel“ bedeutet das Geistige, das „auf Erden“ bedeutet die Heilsordnung in Betreff des Menschen. Dies also faßte er in sich zusammen, indem er den Menschen mit dem Geiste vereinte und den Geist in den Menschen einpflanzte, selbst das Haupt des Geistes wurde und den Geist das Haupt des Menschen sein ließ, denn durch ihn haben wir gesehen und gehört, und durch ihn sprechen wir.

*) SCHISMA – HÄRESIE

In der Theorie ist die Welt ganz einfach: Ein Schismatiker trennt sich von der Kirche, weil er Probleme mit einer Leitungspersönlichkeit, deren Leitungsanspruch oder mit der praktischen Umsetzung bestimmter Dinge hat. Eine neue Lehre stellt er jedoch nicht auf.

Anders bei der Häresie: Hier sind theologische Überlegungen der Grund für die Trennung, persönliche Leitungsambitionen spielen weniger eine Rolle.

Was auf der Metaebene klar und trennscharf klingt, stellt sich in der Praxis oft deutlich vielschichtiger dar.

Quelle. Katholisch.de