Santiago. Praza do Obradoiro. Mai 2006. O-Ton: „Betreten erschöpft die herrliche Renaissance-Treppe, nur noch wenige Schritte bis zum Portikus der Glückseligkeit, sind überwältigt, unfähig weiterzugehen, knien nieder, greifen, wie Millionen Pilger vor uns, in die Löcher der Wurzel Jesse (vor dem Mittelpfeiler des Hauptportals), versuchen uns zu konzentrieren – noch gebannt von dem Rundumblick eines der eindrucksvollsten Kunstwerke der Romanik überhaupt, von Meister Mateo im 12. Jahrhundert geschaffen – auf den Mittelpfeiler, entdecken die Figur des Apostels Jakobus, darüber thronend Christus als Pantokrator, betreten zögernd den monumentalen Tempel Gottes.“
Windhauch, Windhauch
„Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch“ (Koh 1,2 *) + Seit Anno Domini 2018.2019 alles Geschichte.
Man hat Renaissance-Treppe und Pórtico de la Gloria geschlossen. + Besichtigung nur noch mit Führung via Tourismusbüro. + Die Pforte der Seligkeit, das wohl bedeutendste aller romanischen Portale Spaniens, abgeriegelt aus Rücksicht auf die zehnjährigen Restaurationsarbeiten: die in Originalfarbe restaurierten Figuren sollen nicht mehr verstauben. + Meister Mateo hatte für seine filigranen Arbeiten im 12./13. Jahrhundert zwanzig Jahre gebraucht. + Seit dem 2. Januar 2019 definitiv nicht mehr kostenfrei und ohne Anmeldung für den Peregrino autentico zugängig. **)
Rom. Jerusalem. Man stelle sich vor,
die Verantwortlichen der Jerusalemer Grabeskirche oder des Petersdomes in Rom würden gleichermaßen verfahren haben: „Mir nichts dir nichts“ die vielen Pilger plötzlich -nach Jahrhunderten – um den Haupteingang herumführen. Undenkbar. Nicht der Tourist steht im Blickpunkt, es ist der christliche Pilger.
Es waren die christ-katholischen Pilger und Wallfahrer – Heilige, Adlige, Könige inklusive – aller Herren Länder Europas, die über die Jahrhunderte hinweg aus christlicher Motivation gen Santiago de Compostela strebten. Sie waren es, die das Andenken an unseren heiligen Apostel Jakobus am Leben hielten – auch und gerade während der Durststrecken nach der Lutherischen Reformation im 16. Jahrhundert respektive der sog. Aufklärung (17./18. Jh.), ihm nicht untreu geworden sind. Das sollte nie vergessen sein. Es werden auch künftig diese christ-katholischen Pilger und Wallfahrer sein, die dem Camino de Santiago treu bleiben, wenn die Karawane der Touri-Pilger sich schon lange anderen Zielen zugewandt haben wird oder sie das Interesse am Jakobsweg verloren hat, weil zum Beispiel die KM-Grenze für die Erlangung der Compostela, der Pilgerurkunde von 100 auf 300 km angehoben worden ist.
Erinnern wir uns: Wir sprechen von Jakobus dem Älteren, nicht nur von einem der Zwölf Apostel, den Jesus Christus – neben dessen Bruder Johannes und Petrus als Stellvertreter Christi auf Erden – besonders wertgeschätzt hat, ihn auf seine kommenden Missionierungsaufgaben vorbereitet, Martyrium inklusive (als 1. Apostel), ihn mitgenommen hat auf den Berg der Verklärung des Herrn; Lukas 9,28-36.
**) KI.ChatGPT, 29.09.26: Wann der traditionelle Haupteingang durch den Pórtico de la Gloria am Obradoiro faktisch als normaler Zugang zur Kathedrale aufgegeben wurde.
- Der entscheidende Einschnitt war 2018. Nach Abschluss der Restaurierung wurde der Pórtico am 27. Juli 2018 wieder für Besucher geöffnet, aber bereits als kontrollierter Besichtigungsbereich: Gruppen von 25 Personen, getrennt vom normalen Kirchenbesuch.
- Der reguläre Zugang zur Basilika erfolgte damals über die Praza de Praterías, während der Zugang vom Obradoiro ausdrücklich dem Pórtico bzw. Museum zugeordnet war.
- Diese erste kostenlose Besuchsphase endete am 18. September 2018. Danach wurde der Pórtico wegen der weiteren Bauarbeiten vom Kirchenschiff baulich abgeschirmt („eingekapselt“).
- Ab 2. Januar 2019 lief die Besichtigung dann über das Kathedralmuseum bzw. den Pazo de Xelmírez in kleinen, geführten Gruppen; daneben gab es noch begrenzte kostenlose Kontingente.
- Als frei benutzbarer Haupteingang war der Obradoiro/Pórtico spätestens ab 2018 Geschichte;
- der konkrete Übergang zum heutigen kontrollierten Besichtigungssystem erfolgte zwischen September 2018 und Januar 2019.
- Die Restaurierung selbst hatte von 2008 bis 2018 gedauert.
Interessant ist außerdem: Schon vor 2018 war der Pórtico mehrere Jahre nicht normal zugänglich. Laut La Voz de Galicia wurde er am 27. Juli 2018 nach etwa fünf Jahren wieder für die Öffentlichkeit geöffnet; das vorherige Besuchsprogramm hatte im März 2013 begonnen.
*) 1 Worte Kohelets, des Davidsohnes, der König in Jerusalem war. 1
Weisheitslehrer Kohelet (Versammler, Gemeindeleiter); auch als Prediger oder Ekklesiastes bekannt. + Man identifiziert ihn wohlwollend mit König Salomon (10. Jh. vor Christus) + kritische Historiker bestreiten das (natürlich): verorten ihn im 2./3. Jh. vor Christus.
Offenbar lernt der Mensch nicht hinzu. Es werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Man will nicht aus der Geschichte lernen. Man möchte gerne Bürger und Pilger dominieren. Für einen kurzen Augenblick (Zeile 3) mag das zutreffen. Auf längere Sicht wird sich der selbst-denkende Bürger und Pilger durchsetzen. Mit Gottes Hilfe. Davon bin ich überzeugt.
Man beachte: Kohelet beschrieb das Szenario je nach Deutung vor rund 2.200 bis 3.000 Jahren + Was hat sich – bezogen auf das pure Menschsein – seit damals ge-/verändert? + In seiner Existenz als Mensch sowie das Menschentum in all seinen biologischen, sozialen und philosophischen Dimensionen?
- 2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. 2
- 3 Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? 34
- 4 Eine Generation geht, eine andere kommt. /
- Die Erde steht in Ewigkeit. 5
- 5 Die Sonne, die aufging und wieder unterging, /
- atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. 6
- 6 Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. /
- Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind.
- 7 Alle Flüsse fließen ins Meer, / das Meer wird nicht voll.
- Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, / kehren sie zurück,
- um wieder zu entspringen.
- 8 Alle Dinge sind rastlos tätig, / kein Mensch kann alles ausdrücken,
- nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, /
- nie wird ein Ohr vom Hören voll. 78
- 9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, /
- was man getan hat, wird man wieder tun: /
- Es gibt nichts Neues unter der Sonne. 910
- 10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: /
- Sieh dir das an, das ist etwas Neues – /
- aber auch das gab es schon in den Zeiten,
- die vor uns gewesen sind. 11
- 11 Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren /
- und auch an die Späteren, die erst kommen werden,
- auch an sie wird es keine Erinnerung geben /
- bei denen, die noch später kommen werden. 12