Weg des Domenico Laffi + Eine Reise gen Westen vom 16. April 1670 bis zum 30. Juni 1670 

Domenico Laffi, 1636 nahe Bologna geboren, war katholischer Priester und Reiseschriftsteller. Er pilgerte dreimal nach Compostella 1666, 1670 und 1673, jeweils in Begleitung. Hierüber führte er ein ausführliches Tagebuch, das er zum ersten Mal 1673 publizierte. + 1681 fügte er die Erlebnisse seiner drei Reisen zu einem Buch zusammen: „Viaggio in Ponente A`SAN GIACOMO DI GALITIA, E FINISTERRA; Di D. Domenico Laffi Bolognese.“

1997 in Englisch übersetzt von James Hall in „A Journey to the West – BY DOMENICO LAFFI

The Diary of a Seventeenth-Century Pilgrim from Bologna to Santiago de Compostela.“   

Bologna – Santiago de Compostela: 2077 km + Modena, Parma, Mailand, Turin, Avignon, St. Etienne, Carcassonne, Narbonne, Toulouse, Montesquiou, Orthez, Pyrenäen.

Am 7./8. Juni 1670 erreichen Laffi und sein Begleiter Domenico Codici, ein Maler, den Pyrenäenort Roncesvalles und damit den Camino de Navarra resp. Camino Frances. 

Zwei Tage zuvor hatten sie noch am Donnerstag, 5. Juni das Fronleichnamsfest (Corpus Christi) gefeiert. Wir werden später sehen, dass Laffi zumeist selbst die Heilige Messe  *1 gelesen / zelebriert hat, besonders an den hohen kirchlichen Festtagen.

Ist es nicht berührend festzustellen, dass sich die Tradition der Gedenktage und Hochfeste über Jahrhunderte hinweg gehalten hat? Überall auf der Welt (Erde) werden sie zu gleicher Zeit gefeiert. Überall auf der Welt beten Gläubige für uns, beten wir für Menschen in allen Kontinenten.

El Burgo Ranero. Hier gibt es nach wie vor eine Städtische Pilgerherberge, die nach Domenico Laffi benannt ist , der hier auf eine seiner Pilgerreisen 1670-1673 Halt machte.

Peregrinos Municipal Domenico Laffi.

Eigene Fotos oben und nebenstehend, wie unten.

Im Nachfolgenden beschränke ich mich auf die Entferungsangaben (in Kilometer) von Roncesvalles aus gerechnet: Am 9. Juni überschreitet Laffi die Stadtgrenze von Pamplona *1 nach 43 Kilometern. Mit Ausnahme der Städte Mailand, Avignon, Toulouse und Roncesvalles verbleibt er in den einzelnen Orten jeweils nur eine Nacht.

  • Folgerichtig notiert Laffi den 10. Juni für seinen Weg nach Puente la Reina 23 km
  • Los Arcos – 39 km
  • Logrono –  25 km
  • Najera – 26 km; an diesem Tag beschreibt er das Fest des hl. Antonius von Padua.
  • Weiter ging`s am Samstag, 14. Juni nach Granon – 24 km
  • Villanueva – 40 km 
  • Burgos – 21 km 
  • Hontanas – 30 km
  • Fromista – 31 km 
  • Calzadilla/Cueza – 36 km
  • Burgo Ranero – 38 km 
  • Leon – 35 km
  • Puente de Orbigo am Sonntag, 22. Juni – 30 km
  • Rabanal – 35 km
  • Ponferrada – 29 km am 24. Juni 1670, dem Fest Johannes des Täufers
  • Villafranca/Bierzo – 21 km
  • ? – 21 km
  • Triacastela – 27 km
  • Puertomarin – 35 km
  • Mellid – 37km.
  • Das ersehnte Ziel Santiago sieht er dann nach 50 Kilometern am Montag, 30. Juni 1670 vor Augen.
  • Laffi bleibt dort weitere vier Tage.
  • Am 5. Juli tritt er die Heimreise an,
  • nicht ohne zuvor auch Finisterre besucht zu haben,
  • das er in der englischen Übersetzung „The Sunset Land“ nennt.

*) Auszug aus meinem Reisebericht, Etappe 4: Zubiri nach Pamplona:

  • Domenico Laffi darf als Priester nicht nur ein Hochamt lesen (zelebrieren),
  • begleitet von zwei Chören und vielen Musikern (Harfe, Zither, Spinett, Orgel); *2
  • er sieht auch, wie währenddessen zwölf Pilgern geholfen wird mit einem reichlich gedeckten Tisch,
  • der in der Kirche aufgebaut ist;
  • er bemerkt, wie andächtig die Spanier vor dem Allerheiligsten, der Monstranz, niederknien und beten,
  • wie am Abend den Pilgern der Segen erteilt wird.

*2 Anmerkung: Bitte geht einmal in einen normalen sonntäglichen Gottesdienst einer katholischen Gemeinde. Achtet auf den Zelebranten, dort nennt er sich Vorsteher des Gottesdienstes, er steht zumeist neben dem Altar, auf die MessdienerInnen, die wenig eingebunden sind, auf die Kommunionausteiler, wie sie gekleidet sind (vor allem im Sommer, wenn es heiß ist,) gleiches gilt für die Lektoren der Lesungen; auf die Chormusik, wenn es sie denn überhaupt gibt;

und dann besucht an einem normalen Sonntag die heilige Messe nach dem überlieferten Ritus aller Zeiten zum Beispiel in Hannover (St. Clemens-Basilika) um 13Uhr30: Ein festlich gekleideter Zelebrant: Predigt und alle Lesungen auch auf Deutsch; ansonsten lateinische Gebete, die teils im Wechsel mit den Gläubigen (fließend) gesprochen werden; vor der eigentlichen Messe der Asperges-Segen; achtet die Anzahl der Ministranten, die ihren Altardienst sehr ernst nehmen; dann lauscht dem Chor (zumeist unter der Leitung zweier Chorleiter + ab und an mit Einsatz der Trompete), der die Gregorianik der vergangenen Jahrhunderte so wirkungsvoll zur Geltung bringt.

Die Webseite Missa Tridentina – Mass of the Ages gibt Auskunft – zeigt Fotos.

Stellvertretend eine Passage

in der Übersetzung von James Hall, Seite 163.

Es beschreibt die Ankunft der Protagonisten in Santiago de Compostela.

Zwei Seiten zuvor hatte Laffi noch mit bewegenden Worten das Erreichen seiner Gruppe auf dem Monte del Gozo geschildert:

  • We fell to our knees,
  • with tears of great joy falling from our eyes,
  • we began to sing the DE DEUM.“ *3 ) Text s.u.
  • natürlich in Latein, der Kirchensprache schlechthin

Wer das einmal in feierlicher Form gesungen hat, wird es so schnell nicht vergessen, eine Gänsehaut bekommen ob der Frömmigkeit und Tiefe des Textes.

Mehr hierüber im Reisebericht zu ggb. Zeit. Weitere Vorbemerkung.

  • Domenico Laffi folgte von der Stadtgrenze Santiago genau dem gleichen Straßennetz,
  • wie ihn  Millionen Pilger vor und nach ihm gingen,
  • wie wir also.

Meine Übersetzung der Ankunft:

  • „(…) Wir betraten die Jakobuskirche durch eine Seitentür, von herrlicher Verarbeitung,
  • alles aus Marmor, und näherten uns dem Hochaltar des heiligen Jakobus.
  • Dort knieten wir nieder, voll von großer Freude, zerschlagenen Herzens,
  • denn noch nie hatten wir so etwas erlebt.
  • Wir dankten Gott und dem Apostel, dass beide uns das Ziel sicher und solide haben erreichen lassen,
  • nach dem wir uns so gesehnt hatten,
  • nach einer Reise von solcher Länge, mit all seinen Anstrengungen und Ängsten.
  • Dann gingen wir hinter den Altar,
  • stiegen einige wenige Schritte hinauf,
  • wo wir die Büste des Apostels umarmen konnten. (…)“

Eigenes Foto. Altarbereich.

Domenico Laffi: (…) we came to Roncesvalles, the place we so much longed to reach. (…) The main church lies to the left. It is very old indeed. It was built by Charlemagne and Bishop Turpin said Mass there.“(6)

 „Von hier kannst du Frankreich (…) sehen. Das ist der Platz, wo Roland, als er Karl den Großen um Hilfe anrief, so heftig in sein Horn blies, dass es zerbrach.“ (6)

Roncesvalles. Rolandsdenkmal. Eigenes Foto.

Laffi wird sich sicherlich hierbei auf das altfranzösische Rolandslied bezogen haben, das um 1100 verfasst worden ist. Es beschreibt die Ereignisse des Jahres 778 im Gebiet von Roncesvalles mit König Karl dem Großen, Roland, Olivier und Bischof Turpin in der Form eines Epos. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad aus 1070 lehnt sich am Original an, betont aber sehr stark den christlichen Aspekt des Unterfangens. Dazu anderer Stelle mehr.

*3 De Deum + Quelle: Wikipedia, 23.09.26

LateinischDeutsch

Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur.
Te aeternum patrem omnis terra veneratur.
Tibi omnes Angeli, tibi caeli et universae potestates:
Tibi cherubim et seraphim incessabili voce proclamant:
Sanctus:
Sanctus:
Sanctus Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra maiestatis gloriae tuae.


Te gloriosus Apostolorum chorus:
Te prophetarum laudabilis numerus:
Te martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum sancta confitetur Ecclesia:
Patrem immensae maiestatis:
Venerandum tuum verum, et unicum Filium:
Sanctum quoque Paraclitum Spiritum.


Tu Rex gloriae, Christe.
Tu Patris sempiternus es Filius.
Tu ad liberandum suscepturus hominem, non horruisti Virginis uterum.
Tu devicto mortis aculeo, aperuisti credentibus regna caelorum.

Tu ad dexteram Dei sedes, in gloria Patris.
Iudex crederis esse venturus.
Te ergo quaesumus, tuis famulis subveni, quos pretioso sanguine redemisti.
Aeterna fac cum sanctis tuis in gloria numerari.[5]

Salvum fac populum tuum Domine, et benedic haereditati tuae.
Et rege eos, et extolle illos usque in aeternum.
Per singulos dies, benedicimus te.
Et laudamus nomen tuum in saeculum, et in saeculum saeculi.
Dignare Domine, die isto sine peccato nos custodire.

Miserere nostri, Domine, miserere nostri.
Fiat misericordia tua Domine, super nos, quemadmodum speravimus in te.
In te, Domine, speravi: non confundar in aeternum.

Siehe auch:
Gotteslob Nr. 379
(1. Die Schöpfung preist den dreifaltigen Gott)
Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim mit niemals endender Stimme zu:
Heilig,
heilig,
heilig der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.

(2. Die Kirche preist den dreifaltigen Gott)
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.

(3. Lobpreis Jesu Christi)

Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht, bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.

Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe, die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.

(4. Bitten)

Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.

Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.
(Übersetzung nach Romano Guardini, 1950)

Siehe auch:
Großer Gott, wir loben dich GL 380 (alt: 257), EG 331 (strophische Nachdichtung von Ignaz Franz, 1771)