Mittelalterlicher Segen von Jakobuspilgern, Tasche und Stab vor Antritt des Pilgerweges

Üblicherweise wurden die mittelalterlichen Jakobuspilger offiziell im Rahmen einer Heiligen Messe von der Gemeinde verabschiedet. Neben dem extra ausgesprochenen Pilgersegen  stand die Übergabe von Tasche und Stab im Focus des Geschehens. Der Priester sprach in etwa die nachstehend formulierten Segenswünsche, nicht ohne zuvor die Pilger ermahnt zu haben, mit den Armen zu teilen, auf dem Weg zu fasten, keine Reichtümer anzuhäufen, sich von Laster und Begierden fernzuhalten, kurzum: zum Nehmen und Geben bereit zu sein:       

Segen der Tasche

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus

  • Nimm diese Tasche als Zeichen deiner Pilgerschaft,
  • damit du geläutert und befreit zum Grab des heiligen Jakobus gelangen mögest, 
  • zu dem du aufbrechen willst,
  • und kehre nach Vollendung deines Weges unversehrt mit Freude zu uns zurück.
  • Dies gewähre Gott, der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
  • Amen.

Segen des Stabs

Nimm diesen Stab zur Unterstützung deiner Reise und deiner Mühen für deinen Pilgerweg,

  • damit du alle Feindesscharen besiegen kannst,
  • sicher zum Grab des Jakobus gelangest und
  • nach Vollendung deiner Fahrt zu uns mit Freude zurückkehrest.
  • Dies gewähre Gott, der lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.  

Gott, der Abraham gerufen hat, aufzubrechen aus dem Vertrauten und dem Weg zu folgen, den er ihm zeigte, segne auch dich auf deinem Weg.

  • Wie Abraham vertraue darauf, dass du nicht alles kennen musst, um den nächsten Schritt zu wagen.
  • Möge Gott dir Mut geben, wenn der Weg unbekannt wird, und offene Augen für die Menschen,
  • denen du unterwegs begegnest.
  • Möge dein Aufbruch dich verwandeln, dein Weg dich tiefer zu dir selbst führen
  • und dein Ankommen dich dankbar machen.
  • Der Gott Abrahams, der Gott des Aufbruchs und des Vertrauens, gehe mit dir. Er behüte deine Schritte, stärke dein Herz
  • und schenke dir seinen Frieden.
  • Geh in Frieden – und sei ein Segen für die Menschen, denen du auf deinem Weg begegnest.
  • Amen.

Eigenes Foto. Carrion de los Condes. Mittelalterlicher Pilger mit Stab und Kalebasse (Trinkgefäß) + Umhängetasche.

Gott, du hast Abraham aus seiner Heimat gerufen und ihn auf allen seinen Wegen begleitet. + Du hast das Volk Israel durch die Wüste geführt und bist deinem Volk stets nahe geblieben

  • Gott, du hast Abraham aus seiner Heimat gerufen und ihn auf allen seinen Wegen begleitet.
  • Du hast das Volk Israel durch die Wüste geführt und bist deinem Volk stets nahe geblieben.
  • Sei auch mit uns, deinen Pilgern, und begleite uns auf unserem Weg.
  • Schenke uns deine Gegenwart, wenn wir müde werden,
  • deinen Schutz, wenn Gefahren drohen, und deinen Frieden, wenn wir unsicher sind.
  • Lass uns unterwegs offen sein für die Menschen, denen wir begegnen,
  • und hilf uns, in jedem Menschen dein Angesicht zu erkennen.
  • Lass uns wohlbehalten ans Ziel gelangen und nach unserer Rückkehr dankbar auf den Weg zurückblicken.

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

  • Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
  • Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
  • Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
  • Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.
  • Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
  • Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
  • Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
  • So segne dich der gute und barmherzige Gott,
  • der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
  • Amen.

Der Brauch hat sich bis heute erhalten. Nicht wenige Pilger lassen sich vom örtlichen Pfarrer segnen und den Pilgerpass abstempeln. Eine offizielle Verabschiedung im Rahmen einer Heiligen Messe dürfte die Ausnahme sein.