Bewohner Santiagos klagen: „Wir sind das Disneyland der Touristen“ + Wie reagiert der Erzbischof?

80 % der Bewohner des Stadtzentrums seien bereits weggezogen + 2026 versus 2006 + Bewohner: Wir sind als „Vergnügungspark“ Teil einer Kulisse unerträglich lärmender „Touristen und Pilger“ rund um die Uhr + Niemand kümmert sich um unsere Ruhe oder unser Leben + Foto aus Mai 2006: herrliche Zeiten.

Eigenes Foto. 9. Mai 2006

13Uhr47: Hauptankunftszeit der Pilger.

Wann endlich kapieren es die Verantwortlichen der Stadt, der Diözese resp. der Kathedrale von Santiago de Compostela, dass es so nicht weitergehen kann? + Nur dem Mammon hinterherjagen, kann es doch wohl nicht sein! + Mehrheitlich dürfte es sich bei den lärmenden Touristen übrigens um junge Spanier handeln, was nicht ausschließt, dass Pilgertouris aus Europa und Übersee sich gleichermaßen eben nicht als Pilger, Peregrino autentico, benehmen.

Zitat katholisch.de vom 9. Juli 2026:

… mit den Worten: „Der Pilger ist kein Kunde. Die Seele des Jakobswegs darf nicht von einer kommerziellen Logik vereinnahmt werden“, sagte er in einem Vortrag laut einem Bericht von „Vida Nueva“ vom Mittwoch. „Wenn der Jakobsweg auf ein Produkt reduziert wird, verliert die Gastfreundschaft ihren wahren Wert.“ Der Pilger sei „nicht einfach nur ein Reisender; er ist jemand, der sich auf einen äußeren und inneren Weg zu Gott begibt. Der Jakobsweg ist eine Erfahrung der Menschlichkeit und des Glaubens, bei der die Begegnung mit anderen auch zur Begegnung mit Christus führt“. Wenn der Jakobsweg seine christliche Seele verliert, wird er letztendlich zu einer bloßen Route, zu einer fragmentierten Strecke, die weder weiß, wo sie beginnt, noch wo sie endet.“ Es gebe einen Weg, weil es ein Ziel gebe: Santiago de Compostela. Dies herauszustellen, sei auch eine der Herausforderungen für das Heilige Jakobusjahr 2027.

Was aber ist die Konklusion Seiner Exzellenz? Welche Vorschläge schweben ihm als Erzbischof der Diözese zwecks Problemlösung vor? + Hat er schon mit den verbliebenen Bewohnern der Stadt gesprochen?

Die 100km-Grenze für die Ausstellung der Compostela muss fallen

Eigenes Foto. Herrliche Zeiten, 10. Mai 2006, 11Uhr58.

Selbst bei einer Veranstaltung überschaubare Kulisse.

Obwohl die Verantwortlichen offenbar alles tun, den Camino de Santiago wieder als spirituellen Fernpilgerweg (ab Navarra) ins Gedächtnis zu rufen, scheinen die betreffenden Appelle (noch) nicht zu fruchten. Der Anteil der PilgerInnen am Wanderweg an der atemberaubenden Küste Portugals nimmt rasant zu; eine bedenkliche Entwicklung, oder? Warum?

Der ursprüngliche Sinn des Jakobsweges, begründet durch die christ-katholischen mittelalterlichen Pilger, das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen, also zumeist aus religiösen Gründen, geht schon seit langem stetig den Bach hinunter, wird gerne auch belächelt, gar offen negiert: „Nein, ich glaube nicht an Gott“ + „Ja, ich bin schon lange aus der Kirche ausgetreten.“ + Noch bis in die frühe Neuzeit hinein stand den Pilgern nicht der Sinn nach touristischen Erlebnissen (Wellness + Wanderung) + So werden die Portugiesen jener Zeit wohl kaum am Meer entlang gegangen sein; wenn überhaupt, durch das Landesinnere. In 2006, unserem ersten Camino Frances, waren es folgerichtig auch nur 6,4% von 101.056 Pilgern = 6.468 Pilger, die zumeist von Porto, aber auch von Lissabon, aus starteten.

  • Das alles ist sehr schade. Viele Wanderer, die sich Pilger nennen, nutzen alle Facilitäten des christlich konnotierten Jakobsweges, wollen aber mit der Kirche nichts zu tun haben. + Dazu der folgende Vergleich, der zugegebenermaßen etwas hinkt, beschreibt aber in etwa die Situation: Beim Fachhändler sich optimal fachlich beraten lassen (die Camino-Herbergen der Kirche nutzen), um dann im Internet günstiger zu bestellen (über die Kirche herziehen). + Das könnte man letztlich doch parasitär nennen, oder?