Anton Pombos Reflektion über die erwünschten Jakobspilger heute

Auf jeden Fall sollten es wohl keine katholischen Rechtgläubigen sein. + Er spricht von radikalen Rechten – von „Ultrakatholischen“ Gruppen auf dem Jakobsweg. + Er will offensichtlich nur diejenigen, die sich dem Geist der modernen jakobinischen Pilgerfahrt verpflichtet fühlen: Also geschichtslose und freihändig Gläubige, „believe whatever you want“ + as you like it.

Anders kann man den einseitigen Kommentar des Herausgebers des spanischen Portals gronze.com vom 6. September 2026 nicht deuten. + Zudem verbunden mit einem Frontalangriff auf die Ultramontanisten des 19. Jahrhunderts, die den Papst vor allem gegen die Einvernahme des Katholizismus von Reichskanzler Bismarck gestützt hatten. Fürst Bismarck hatte viele Kleriker verhaften lassen; Stichwort Kulturkampf: Schwächung der katholischen Kirche. + Für einen Historiker seiner (Anton Pombos) Güte eine Blamage, das nicht zu wissen. Wahrscheinlich ist ihm gar nicht bewusst, was die Begrifflichkeit Liberalismus im damaligen Kontext überhaupt bedeutete. Jedenfalls nicht das, was er wohl heute noch vermutet.

Jetzt kann ich sehr gut nachvollziehen,

warum der katholische Glaube vieler Spanier *) nicht mehr sehr ausgeprägt ist. Viele von ihnen hingegen wie Anton Pombo „ungläubig“ im Sinne von nicht fassbar feststellen müssen, dass es tatsächlich noch junge Katholiken gibt, die das traditionelle, überlieferte katholische Glaubensgut hochhalten. + Wahrscheinlich wird Herr Pombo mit Schrecken die Situation in Frankreich verfolgt haben, die Re-Katholisierung des Landes, die Begeisterung vieler junger Frauen und junger Männer beim Besuch des Papstes Leo XIV. Ende September 2026. + Herr Pombo sollte sich im Gegenzug über die neuen Pilgerscharen freuen, die den Touripilgern entgegentreten, die Intentionen des vormals christ-katholischen Camino de Santiago wieder sichtbar machen.

*) in Deutschland und in den Niederlanden beispielsweise finden wir die gleiche Dramatik vor: liberale Bischöfe, die sich dem Zeitgeist anbiedern.

Ich empfehle den Kurzbeitrag von Wall Street Journal Opinion auf YouTube

➲ The One World Leader We Can All Look Up To

Auszug Deutsche Übersetzung des Kommentars von Anton Pombo.

Zunächst einmal sei gesagt, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt, denn wir Historiker haben dieses Thema bereits im 19. Jahrhundert untersucht , als etwas Ähnliches geschah. Damals wurde die Religion von ultramontanen Gruppen politisiert, die katholischer waren als der Papst selbst. Nach dem Verlust des Kirchenstaates während des langen Pontifikats von Pius IX. inszenierten sie eine Kampagne um die Figur des armen, in Rom gefangenen Papstes. Zahlreiche Pilgerfahrten, sowohl aus Protest als auch zur Trostsuche, wurden in die Ewige Stadt unternommen, während gleichzeitig kriegerische Aktionen gegen den italienischen Staat und den Liberalismus geführt wurden. Diese Vorgehensweise wurde bald in anderen Wallfahrtsorten, darunter Santiago de Compostela, durch von den Brüdern Cándido und Ramón Nocedal inspirierte Pilgerfahrten nachgeahmt, die sich vom Traditionalismus zum katholischen Fundamentalismus entwickelten. Die damaligen Bischöfe wurden ihrer überdrüssig und mussten Wege finden, ihre Popularität und ihren Einfluss zu verringern.

Was das Vorgehen jener Fundamentalisten des 19. Jahrhunderts betrifft, die sich stets in den Bann des spanischen Nationalismus zogen, so bieten die Pilgerfahrten, die in den 1880er Jahren vom Priesterseminar in Tui entlang des heute etwas außer Kontrolle geratenen Portugiesischen Weges organisiert wurden, ein anschauliches Beispiel. Zu den Parolen der Gruppe gehörte eine Hymne mit dem Titel „Firme la voz“ (Standhafte Stimme ), deren Refrain jeder nachvollziehen kann, wobei der Kontext jedoch wichtig ist:

Die Hölle soll toben!
Satan soll brüllen!
Der Glaube Spaniens wird nicht sterben.

(…) Nach diesem kurzen historischen Abriss wenden wir uns nun der Gegenwart zu, in der ultrakatholische Gruppen der neuen Generation im Wesentlichen dasselbe tun. Die charakteristischen Merkmale dieser Gruppen sind: 1. Die Verteidigung des Traditionalismus gegen Moderne und Säkularisierung; 2. Sie verstehen sich als Hüter evangelischer Wahrheit und Reinheit und bekämpfen progressivere Strömungen innerhalb der Kirche und notfalls sogar den Papst selbst (sie hatten einige Konflikte mit Franziskus I.); 3. Sie führen einen Kulturkampf gegen die Linke und attackieren die Woke-Bewegung, die an US-Universitäten entstand, die Gender-Ideologie und die Linke im Allgemeinen; 4. Sie verteidigen das Konzept des Nationalkatholizismus und nähern sich rechtsextremen nationalistischen Gruppen an oder verbünden sich mit ihnen; 5. Sie bemühen sich mit allen Mitteln, aktiv über soziale Netzwerke und katholische Schulen, Mitglieder für ihr Projekt zu gewinnen und junge Menschen zu Mitgestaltern ihrer Vision zu machen; 6. Sie praktizieren einen aggressiven Aktivismus und mobilisieren ihre Anhänger zu verschiedenen Formen der Glaubensbekundung, darunter auch kollektive Pilgerfahrten .

Zu den bekanntesten und repräsentativsten Gruppen dieser Strömung, neben anderen, die schon seit einiger Zeit in der katholischen Kirche aktiv sind, gehören die Legionäre Christi, die 1941 in Mexiko von Marcial Maciel gegründet wurden, die Kikos oder der Neokatechumenale Weg, der 1964 in Madrid von Kiko Argüello gegründet wurde, oder die Italienische Gemeinschaft und Befreiung, die seit 1950 aktiv ist.

(…) Seit einigen Jahren ist die Präsenz dieser Ultragruppen mit ihren Utensilien aus großen Kreuzen und Bannern (zur Zurschaustellung, Prahlerei und Missionierung), nationalistischen Elementen (spanische Flaggen in Hülle und Fülle), manchmal Santiago Matamoros (eine eigens dafür geschaffene und wiederbelebte Ikonographie) und auch viel Lärm durch Lautsprecher, Hymnen, Slogans und Gesänge auf dem Jakobsweg immer deutlicher zu spüren.

(…) Im Sommer 2026 trafen Gruppen ein, die in ihren Requisiten und ihrem Equipment die Aktionen der zuvor genannten Gruppen nachahmten: Sie trugen große Elemente christlicher Symbolik (Kreuze, Marienbilder usw.) bei sich, schwenkten stets spanische Flaggen – mitunter auch die des Vatikans – und führten entlang der Route, insbesondere beim Einzug in die Stadt, die bekannten theatralischen Aktionen mit Gesängen und anderen Darbietungen auf.

Ganz schlimm Pombos Schlussworte:

(…) Wie lange kann das Ansehen des Jakobswegs es ertragen, von allen Seiten für wirtschaftliche, politische oder konfessionelle Interessen manipuliert und ausgenutzt zu werden? „So ist die Geschichte des Jakobswegs“, werden einige von Ihnen einwenden. Das stimmt, aber diese Verzerrung *) war zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte auch der Keim seines Niedergangs. Seien Sie wachsam!„

  • Der Katholizismus war immer dann sehr stark, wenn Kleriker und Staatsleute gläubige Katholiken waren.
  • Die verschiedenen sich abwechselnde Epochen sind schlüssige Beweise,
  • weshalb man auch behaupten darf,
  • dass die Katholische Kirche weltweit die einzige Institution ist,
  • die nicht untergehen wird.
  • Der Jakobsweg erlahmte mit dem Auftreten Martin Luthers (16. Jh.),
  • der unverhohlen deklamiert hatte:
  • die letzten Überreste des Apostels Jakobus in Santiago könnten ebenso gut Hundeknochen sein.
  • Die Situation nach der Aufklärung:
  • Ihre Protagonisten wollten vor allem im 18./19. Jahrhundert die reine von ihnen bestimmbare Vernunft einführen:
  • Glaube nur Einbildung
  • und die Protagonisten der französischen Revolution von 1789,
  • also die Jakobiner Robespierre, Danton und Marat, wollten gar den Katholizismus physisch ausmerzen,
  • einhergehend mit zigtausend ermordeten Katholiken.
  • Herr Pombo solle noch einmal in sich kehren,
  • seinen Kommentar überarbeiten: orientierend an den gegebenen Wirklichkeiten.