Fünf Uhr, wache gerädert auf, habe kaum geschlafen, und es wird noch toller, es regnet in Strömen. Eigentlich hätte die Überschrift zu den Berichten der letzten drei Tage so lauten müssen: Vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die Sch….. Elke öffnet das Fenster, hört Stimmen, das ist gut, so kann ich sie überzeugen, den Aufstieg in die Montes zu wagen. Und das ist richtig so. Es ist ein Erlebnis, trotz des Regens. Knappe drei Stunden brauchen wir bis San Juan de Ortega.

Villafranca Montes de Oca. Steiler Aufstieg in die Berge mit Regen und Matsch.
Domingo de la Calzada und Juan de Ortega. Zwei Mönche als Brückenkonstrukteure
Juan de Ortega (1080-1163), ein Schüler von Domingo, war nicht nur ein Diener Gottes, er war auch ein Meister seines Fachs als Brückenkonstrukteur. Er pushte damit das Fremdenverkehrsaufkommen. Seine ersten Brücken von Logroño und Najera ersparten den Pilgern des 11. Jahrhunderts mindestens drei Tage Gehzeit. Eine original erhaltene Brücke steht bei Ages. Isabella die Katholische ließ 1474 ein prachtvolles Grabmal für ihn bauen. Es befindet sich in der Klosterkirche von San Juan de Ortega.
Hermann Künig von Vach, 1495
(…) Sei nicht zu erpicht, aus der sprudelnden Quelle zu trinken, denn sie tut vielen Brüdern nicht gut. Darauf sollst du einen Berg (Montes de Oca) hochgehen, beeile dich aber nicht zu sehr.
Fuente Mojapan. Service Area in den Montes de Oca: San Juan de Ortega 10,8 km, Burgos 34,8 km, Santiago de Compostela 525,5 km.
Die ersten 150 Meter geht`s sehr steil, die darauf folgenden 1,1 km etwas weniger steil nach oben. Keine Menschenseele ist zu sehen, 25 Minuten lang, bis wir im Unterstand eine Pilgerin bemerken, die ihre Sachen richtet, bis uns kurz darauf Shaun aus Denver, Colorado überholt.

Ihn sehen und sprechen wir von nun an täglich. Eigentlich unverständlich, ist Shaun per se schneller; aber: er macht wesentlich mehr Pausen als wir. In Sahagun verlieren sich unsere Wege, nicht bevor er mich in der Bar Peter aus Bitburg vorstellt. Peter hat mit Blasen zu kämpfen, wie fast alle Pilger. Ich hoffe, davon verschont zu bleiben. An sich ein schöner, einsamer Weg, rechts und links nur Wald, heute allerdings mit Matsch garniert.

Halb zehn, San Juan de Ortega kommt ins Blickfeld. Ein Highlight der Reise. Ein Muss für jeden Pilger, vor allem wenn man weiß, dass der vor kurzem verstorbene Pilgerpriester und Herbergsvater Don José Maria Kultstatus erreichte. Wie sein Vorbild widmete er sich der Fürsorge und Speisung der Pilger.
Das Grab des hl. Juan befindet sich in der Krypta der Kirche. Nach seinem Tod 1163, er starb mit 83 Jahren, verlor das Kloster allerdings seinen Glanz. 1
431 übergab der berühmte Bischof von Burgos, Pablo de Santa Maria, die Schlüssel an die Hieronymitenmönche, die das Kloster wieder zu altem Glanz erhoben. Königin Isabella die Katholische pilgerte 1477 nach sieben Jahren kinderloser Ehe nach Ortega, angezogen vom Ruf des Heiligen als Helfer gegen Unfruchtbarkeit. Aus Dankbarkeit für die vom Heiligen empfangenen Hilfe ließ sie auf der ursprünglichen Kapelle die jetzige prächtige Kapelle San Nicolas de Bari errrichten; so steht`s bei Millan Bravo Lozano.
Die Kirchentür ist geschlossen, Öffnung erst ab 18Uhr. Maßlos enttäuscht wende ich mich ab. „Elke, trinken wir noch einen Kaffee oder ne Cola, und dann nichts wie weg, die Bar dort scheint offen zu sein.“ Richtig, der Mann hinter der Theke verweist auf das Stempelkissen, und schon sieht die Welt etwas rosiger aus. Der Ort ist Geschichte.
Und um meine anfänglich totale Enttäuschung zu komplettieren, zitiere ich an dieser Stelle M. Moll von Outdoor:
- „Zweimal im Jahr zur Tagundnachtgleiche am 21. März und am 27. September wiederholt sich das Wunder des Lichts, das eine architektonische Meisterleistung des Mittelalters ist:
- Um 17Uhr beleuchtet ein Lichtstrahl die Verkündigungsszene auf dem Kapitell links neben der Apsis. Danach wandert der Lichtstrahl über die Geburt Christi zum Besuch der Heiligen Drei Könige, um nach zehn Minuten wieder für eine halbes Jahr zu verschwinden.“
Millan Bravo Lozano ergänzt, dass, während das Kapitell von der Sonne erleuchtet ist, der Rest der Kirche in der Dämmerung verschwindet, sodass der wunderbare Eindruck entsteht, dass der Heilige Geist selbst sich über den Leib Marias beugt.
Ob Wunder oder menschliche Geschicklichkeit, es ist ein besonderer Ort, kein gewöhnlicher. Uns war es leider, wie schon gesagt, nicht vergönnt gewesen, auch nur einen Blick in das Gotteshaus zu werfen.
Ages. Vor der Herberge.
Es regnet unaufhörlich. Langsam regt sich der Hunger. Heute morgen gab`s natürlich kein Frühstück, woher auch. Die Spanier servieren nicht vor acht. Kuchen, Kekse, O-Saft, Red Bull sorgten dafür, wenigstens nicht mit leerem Magen zu starten. So, was jetzt machen? Wo übernachten? In Atapuerca, überschaubare 6,3 km? Weiter nach Burgos, zusätzliche 10 km, also knapp 30 km heute? Nein, da streikt meine liebe Elke; obwohl: sie ist körperlich ausgesprochen gut beinand.

Es regnet unaufhörlich. Langsam regt sich der Hunger. Heute morgen gab`s natürlich kein Frühstück, woher auch. Die Spanier servieren nicht vor acht. Kuchen, Kekse, O-Saft, Red Bull sorgten dafür, wenigstens nicht mit leerem Magen zu starten. So, was jetzt machen? Wo übernachten? In Atapuerca, überschaubare 6,3 km? Weiter nach Burgos, zusätzliche 10 km, also knapp 30 km heute? Nein, da streikt meine liebe Elke; obwohl: sie ist körperlich ausgesprochen gut beinand.
Ein weltberühmter Ort kündigt sich an. Atapuerca, Heimat der ersten Europäer. Hier wurden 800.000 Jahre alte menschliche Reste gefunden. Mittlerweile gehen wir ohne Regencape. Die Sonne ist durchgekommen. Die anvisierte Herberge öffnet erst gegen 13Uhr. Was tun, über eine Stunde fünfzehn Leerlauf? Entdecken eine Panderia, völlig überfüllt, Rauchschwaden hängen, an der Theke sehe ich Pilgerinnen am Telefonieren, sie wollen die Strecke nach Burgos mit dem Taxi absolvieren: keine Pilgerfeeling, viele geteerte Straßen und Fußwege!? Na, dann! Währenddessen schnackt (redet) mich ein Amerikaner aus Florida an, ca. 60 Jahre alt, er macht den Camino zum dritten Mal.
Elke wird heute die Wäsche übernehmen: Waschmaschine und Trockner laden geradezu ein, obschon, beide Geräte streikten zunächst. Die Herbergsbesitzerin steckte ihre Coins nach, es klappte. Es ist vier Uhr nachmittags. Der Mittagsschlaf muss sein.

Atapuerca. Herberge El Peregrino.
Das abendliche Pilgermenü im Restaurant comosapiens ist spitze — für lediglich je zehn Euro drei Gänge plus Wein, fast schon sternereif. Ich werde den Reiseführern berichten. „Please, tell your cook, it was wonderful,“ so ich zum Ober. „Oh, that`s my wife, thank you.“ Minuten später revanchiert sich der Ober, outet sich als Eigentümer, für unser Kompliment und bringt uns die von uns beiden im Restaurant vergessenen Umhängetaschen in die Herberge zurück.
Jetzt aber muss ich unbedingt auf unseren Tischnachbarn zu sprechen kommen. Ein 45-jähriger sympathisch wirkender Trierer, ein Katholik, der, als er hört, wir seien Glaubensgenossen, von seiner Wallfahrt zum Heiligen Rock erzählt. Wirklich interessant, bis er sich als als liberaler Katholik outet dem Sinne nach: die Kirche müssen sich dem Zeitgeist anpassen. Meine Gegenfrage: Warum? Wann denn? Jedes Jahr? Oder nach 5 oder 10 Jahren? Gestern? Oder erst Morgen? Immer dann, wenn es pressiert? Wenn die Gemeinde es will? Der Pfarrer? Der Bischof? Die regelmäßigen Kirchgänger? Die Kirchensteuerzahler? Irgendeine letztlich zufällig zusammengetrommelte Versammlung? Nein, so wird das nichts. Die katholische Kirche hat nur deshalb die letzten 2.000 Jahre überleben können, weil sie sich eben nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und genau diese Fakt bereite den Gegnern der Kirche Furcht und Angst. Wir kamen nicht zueinander, verabschiedeten uns herzlich. Ich glaube, er wollte den Bus nehmen.
Wer das elent bawen wel, 13. Jh., Strophe 8
So ziehen wir durch Soffeien hinein, man geit uns weder grot noch wein, die seck stänt uns gar läre; wo ein brouder zu dem andern kumt, der sagt im böse märe.
Fotos. Denkmal zum Spanischen Bürgerkrieg. + Camino durch/über die Montes des Oca + Ages. Noch 518 km bis Santiago. + Atapuerca. + Herberge Atapuerca. + Herbergen im Ort. + Iglesia in üblicher Bauweise. + Restaurant Como sapiens. Hervorragend.
Zum Foto Denkmal Spanischer Bürgerkrieg
Monumento La Pedraja. Spanischer Bürgerkrieg 1936-39
Es handelt sich um ein Denkmal für Republikaner (Volksfront), die 1936 von den Anhängern des Franco-Regimes erschossen worden sind. Text: „Nicht ihr Tod war sinnlos, unnötig war ihre Erschießung.“
Auf der 15. Etappe von Burgos nach Hornillos del Camino werden wir mit einem von den Republikanern (Volksfront) ermordeten Priester, einem Märtyrer der katholischen Kirche, konfrontiert. Die Volksfront bestand aus Sozialisten, Kommunisten (beherrscht von den Sowjets), Freimaurern und Anarchisten.
Wie Teile von ihnen (Volksfront) wüteten, kann man Fotos entnehmen, die ich hier urheberechtlich nicht zeigen kann; sie liegen aber vor, wonach, Sie werden es nicht glauben, Anarchisten Leichen aus ihren Gräbern zerren, sich lustig machen über sie, nach deren Seele fragen..
Vgl. auch Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs.
JAHRESWECHSEL 2022/23
Monumento La Pedraja – MASSENGRAB – Opfer des Franco-Regimes
am Jakobsweg Villafranca Montes de Oca nach San Juan de Ortega
2. September 2016. EL PAIS berichtet über ein Massengrab in La Pedraja: Massengrab aus dem Spanischen Bürgerkrieg legt gut erhaltene Herzen und andere Organe frei – Organe von Dutzenden Opfern, die 1936 an einem Hang in Burgos von Francos Truppen getötet wurden. + Civil War mass grave yields preserved hearts and other organs. The organs of dozens of victims killed in 1936 on a hillside in Burgos by Franco’s forces have been conserved

Getötet, ermordet von den Anhängern Francos, weil sie Sozialisten und Kommunisten waren. Das Massengrab entstammt dem Jahr 1936. Die ersten Ausgrabungen erolgten in 2010 auf Wunsch einiger Angehöriger der 1936 Ermordeten. Gefunden wurden 104 Skelette, darunter 45 Gehirne und ein unerklärlich gut erhaltenes Herz. Mehrere Zeitungen berichteten in den Jahren 2010, 2014, 2015 und 2016.
Die Überreste der Getöteten befinden sich nun in einem Pantheon auf dem Friedhof von Villafrances Montes de Oca, neben der Kirche nahe dem Camino. R.I.P.
Erneut aufmerksam gemacht hatte mich der Bericht der Catholic News Agency vom 16.12.22, wonach 140 Priester und Laien seliggesprochen werden sollen, die, weil katholischen Glaubens. + In den 1030er Jahren von der Volksfront (Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten) getötet, ermordet worden waren, darunter der Priester, der den Leichnam des Hl. Isidor von Sevilla (Grab in der Basilika von Leon) versteckt hatte, damit er nicht entweiht wird.
2016. EL PAIS berichtet über Massengrab in La Pedraja
Es stellt sich hier nicht die Frage der Aufrechnung
Fürchterliche unentschuldbare Grausamkeiten auf beiden Seiten, wohl aber, inwieweit man von einer halbwegs vorurteilsfreien Berichterstattung und Bewertung des Geschehens sprechen kann. + Mitnichten: in großen Teilen Spaniens nicht, in europäischen Staaten sowieso nicht. Verantwortlich und schuldig unisono die Junta des Diktators Francisco Franco; das aber verkürzt den Wahrheitsgehalt.
Bitte gleichermaßen lesen!
Another 140 Spanish laymen,
priests martyred for their faith considered for beatification
Weitere 140 spanische Laien und Priester, die wegen ihres Glaubens den Märtyrertod starben, kommen für eine Seligsprechung in Betracht
16.12.2022. The diocesan phase of the beatification processes of 140 priests and laymen murdered in Spain during the religious persecution of the 1930s was concluded today. + Die diözesane Phase der Seligsprechungsverfahren für 140 Priester und Laien, die während der religiösen Verfolgung in den 1930er Jahren in Spanien ermordet wurden, wurde heute abgeschlossen.
Bitte lesen. Der Artikel berücksichtigt den Gegenpart;
- er erzählt u.a. die Geschichte desjenigen Paters,
- der die letzten Überreste des hl. Isidor von Madrid retten wollte
- und dafür ermordet wurde.