Hontanas. Ermita de Sta Brigida. Reisebericht Etappe Hornillos del Camino – Hontanas

Abseits der Hauptstraße, von uns weiland auf unserem Pilgerweg übersehen, führt ein kleiner Weg in Hontanas zu einem Brunnen, wie zu einer Minikapelle, gekrönt von einer Kuppel. Hier, am Brunnen, soll die heilige Birgitta während ihres Jakobsweges 1341 gerastet haben.

Foto: Ermita de Sta Brigida, 2023: Thomas Mueller, Pilgerforum 10.07.24.

Seitlich der Minikapelle schön zu sehen die Hinweistafel: Ermita de Sta Brigida.

Das Baujahr der zur Ehre der hl. Birgitta (1303 – 1373) gebauten Ermita ist mir derzeit noch nicht bekannt. Es gilt als festverbürgt, mittels der spanisch-englischsprachigen Infotafel (s.u.), dass sich Birgitta mit ihrem Mann Ulf Gudmarsson im Jahre 1341 auf die Wallfahrt nach Compostella aufgemacht hat. Üblicherweise werden Reisen bekannter, berühmter Heiliger nach Santiago de Compostella gerne bestritten, wie beispielsweise die von Franz von Asissi im Jahre 1214.

Ermita de Sta Brigida, innen. Die Heilige Birgitta typisch mit der Bibel in den Händen; oben der Schriftzug, der auf die Birgitta Bezug nimmt. – Möge die Freude und der Segen der Heiligen Brigitta euch auf dem Weg begleiten. Fotoquelle: Frau Holle, Pilgerforum, 10.07.24.

Für mehr Infos von der Heiligen Birgitta und unsere Eindrücke von dem Etappenteilstück Hornillos de Camino nach Hontanas, bitte nach unten scrollen. Inspiration und Quelle: Artikel Andreas Drouve, Die Tagespost vom 27. Juni 2024.

Einsiedelei St. Birgitta von Schweden- Treffpunkt der Jakobspilger

Aufenthalt in Hontanas – Jakobsweg 1341

Fotos: Frau Holle, Pilgerforum, 10.07.24

Infotafel Vita Sta Brigida, Saint Bridget, Heilige Birgitta

Saint Bridget of Sweden

Birgitte Birgersdotte (Skederid, heutige Gemeinde Norrtälje, Uppland, Schweden, 1303 – Rom, Italien, 23. Juli 1373). 

Sie wurde in einer Familie geboren, die zum schwedischen Adel gehörte und über die mütterliche Linie mit der königlichen Familie verwandt war; ihre Großväter und ihr Vater waren Richter (ebenso wie ihr Ehemann). Dieser privilegierte Umstand ermöglichte es ihr, eine gute Ausbildung zu erhalten. Von Kindheit an hatte Bridget Visionen. Einmal sah sie, wie die Jungfrau Maria eine Krone auf ihr Haupt setzte. Ein anderes Mal sah sie Jesus Christus vor sich, wie er gefoltert wurde und am Kreuz starb.  Diese beiden Dilemmata, die tiefe Verehrung Marias und die Meditationen über das Leiden Christi, sollten Bridgets ganzes Leben prägen.

Als Bridget 10 Jahre alt war, starb ihre Mutter, und ihr Vater fühlte sich nicht in der Lage, ihr die Erziehung zu geben, die sie verdiente, und schickte sie in das Haus ihrer Tante, Catalina Besungsdotte in Aspanas.

Sie verbrachte eine lange Zeit ihres Lebens mit ihrem Ehemann Ulf Gudmarsson, den sie im Alter von 13 Jahren geheiratet hatte. Ulf war ein Berater des Königreichs und er und Bridget hatten 8 Kinder, darunter die heilige Catherine von Schweden. Sechs Jahre lang war sie die wichtigste Hofdame am Hof von König Magnus II. von Schweden und Norwegen.

Ausschnitt Foto oben, Frau Holle, Pilgerforum, 11.07.24

Wie ihr Vater 20 Jahre zuvor pilgerte Bridget 1341 zusammen mit ihrem Ehemann nach Santiago de Compostela, eine Rundreise, die sich über drei Jahre erstreckte. Kurz nach ihrer Rückkehr starb ihr Mann und sie verließ die Stadt schriftlich: „Als ich meinen Mann begrub, begrub ich mit ihm alles fleischliche Leben und die Dinge des Lebens. Ich möchte frei sein und ich empfehle mich Gott.“

Es gelang ihr, im Zisterzienserkloster von Alvastra zu leben, und dort verfasste sie 1349 die ersten Regeln des Ordens des Heiligsten Erlösers (heute als Birgitten-Orden bekannt); ein Orden mit einem weiblichen und männlichen Zweig, der sich auf das spirituelle, asketische und gemeinschaftliche Leben des Zisterzienserordens stützte, wobei die spätere Reform der Protestanten den männlichen Zweig nachhaltig prägte.

Kurze Zeit später und bis zum Ende ihrer Tage lebte sie in Rom, wo sie die Engelsrede verfasste, die als ein Meisterwerk der schwedischen Literatur des 14. Jahrhundert. Sie gründete das Kloster Vadstena und starb, ohne zu wissen, dass sie endlich ihren Traum verwirklichen würde, den sie nach ihrer Rückkehr aus Santiago zu verfolgen begann: die Einweihung des Klosters Vadstena, das auf einem von den schwedischen Königen geschenkten Grundstück errichtet wurde (dort wurde die erste Druckerpresse Schwedens installiert).

Sie wurde 1391 von Papst Bonifatius X. heiliggesprochen und 1999 von Papst Johannes Paul II. zur Mitpatronin Europas neben der Heiligen Katharina von Siena und der Heiligen Teresa Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) ernannt.

Diese Einsiedelei wurde zum Gedenken an diese große Frau als Treffpunkt für Pilger auf dem Jakobsweg errichtet.

Zwischenstation Hontanas. 16. Etappe: Hornillos del Camino nach Castrojeriz, 21 km

Unsere Fotos: a) Blick auf Hontanas. b) Ortseingang Richtung Kirche. c) Hauptstraße links und rechts wartende Pilger. d) Pfarrkirche Nuestra Senora de la Conception, damals in Renovierung (Unsere Liebe Frau der Unbefleckten Empfängnis; Ursprünge bis ins 16. Jh.). Im Zentrum des Altarraums der golden glänzenden Barockretabels die Figur der Gottesmutter Maria. Der historische Bischofsgarten war uns leider weiland auch entgangen.

Reisebericht *) Etappe Hornillos del Camino nach Hontanas

Eine Etappe zum Nachdenken. Hornillos del Camino. So leise kann das dänische Ehepaar gar nicht sein. Bis auf den schnarchenden Spanier werden alle wach, so gegen fünf Uhr. Interessiert schaue ich dem Geschehen zu. Immer wieder leuchten beide unter das Etagenbett, holen die Wolldecken hervor, die, wie gesagt, auf der Erde unter dem Bett lagen. Die nächsten Pilger werden sich freuen. Eine halbe Stunde geht das so. Plötzlich sind alle auf den Beinen, auch wir. Exakt nach 35 Minuten befinden wir uns auf der Loipe. Es ist noch sehr dunkel, es ist erst kurz nach sechs Uhr in der Früh. Es dauert nicht lange, bis die Sonne durchkommt. Es ist völlig ruhig. Niemand ist auf der Straße. Wo sind denn die anderen aus der Herberge geblieben? Sehr wahrscheinlich am Frühstücken. Unten im Keller gibt es einen großen Aufenthaltsraum mit einem Getränkeautomaten. Doch, dort drüben huscht einer aus der Haustür. Gibt es noch mehrere Unterkünfte, von denen wir nichts wissen? Wenig später überholen uns die Dänen forschen Schrittes. Sei`s drum.

Wir genießen die Stille, knappe 2 1/2 Stunden, bis Hontanas nur Ruhe, kein Gesabbel: wohltuend. Elke und ich sind uns einig, so wenig wie möglich den anderen anquatschen, die Gegend, den Weg, die Blumen, die Berge, die Felder, die Hitze aufnehmen. Viele Menschen sind dazu offensichtlich nicht bereit oder gar nicht fähig, stattdessen reden, reden, reden. Vor allem, wenn sie in Gruppen unterwegs sind, muss man sich sputen, von ihnen wegzukommen. Die Hitze nimmt zu. Wir gehen auf einem alten Pilgerweg. Ich zitiere DuMont: „Wir gehen exakt auf dem alten Pilgerweg, hier ist uns keine Straße, keine Autobahn zuvorgekommen, die den Weg überdeckt und zerstört hat, und die uns auf Staubwege daneben oder auf ganz neue Trassen zwingt. Hier, wo wir gehen, zogen tausend Jahre lang Pilger genau denselben Weg.“ Ist das nicht toll zu wissen? Ich denke, ja. Genau deshalb sind wir beide (auch) auf dem Camino de Santiago.

Hontanas. Wie ist das möglich? Stundenlang sind wir fast alleine auf dem Weg gewesen und jetzt? Ein Gewusel in Hontanas, links und rechts zwei Bars, alle Stühle belegt, von einer Gruppe junger Amerikaner, die sich einen Gepäckservice mit Fahrer leisten.

Die letzten Kilometer hatten es schon angedeutet. Vor uns tauchten mehrere Pilger auf. Entweder sind wir so schnell oder die vor uns Laufenden so langsam gewesen. Okay, was ist zu tun? Ich schnappe mir einfach einen der aufgestapelten Tische, stelle zwei Stühle dazu, frage Elke, was ich ihr holen soll. Als ich herauskomme, reibe ich mir die Augen. Wo ist Elke geblieben?

In der Zwischenzeit hatte die Inhaberin der anderen Bar sie hinwegkomplementiert, weil ich nicht dort, also in der falschen Bar gegenüber Getränke besorgen war. Was es nicht alles so gibt?

Domenico Laffi, 1670/73: (…) wir kommen in das Städtchen, das sich Fontana (Hontanas) nennt, das im Grund eines Tälchens versteckt ist und kaum zu sehen ist (…) die Wölfe kommen in solchen Mengen, dass, wenn sie kein Lagerfeuer sehen, sie das Vieh fressen, sei es Tag oder Nacht (…) verweilen wir ein wenig und wandern dann nach Castel Sorriz (Castrojeriz) zwei Meilen entfernt.

Reisebericht Westwärts nach Galicien *)

Wer den ganzen Reisebericht lesen will, 34 Etappen von St. Jean, bitte dazu anklicken: Webseite Wir über uns. Moordeicher Ehepaar schreibt Buch über seine Erlebnisse. Vgl. Artikel Weser-Kurier Dezember 2007 und November 2012.

Mehr über die heilige Birgitta von Schweden

Statue „Portraitähnliche Birgitta“ zwischen 1390 und 1450 aus Florenz, heute in der Klosterkirche in Vadstena. Fotoquelle: Heiligenlexikon, Joachim Schäfer, 11.07.24. Birgitta, wie in Hontanas, mit der Bibel in der Hand.

Birgitta (keltisch): die Erhabene. Ordensstifterin, Mystikern, Schutzpatronin Europas und der Pilger. Geboren um 1303 bei Uppsala in Schweden, gestorben am 23. Juli 1373 in Rom im Anschluss an ihrer Pilgerreise nach Jerusalem.

Nachdem ihr Mann auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostela erkrankt und 1344 gestorben war, gründete sie 1349 den Erlöserorden. Im selben Jahr übersiedelte sie mit ihrer Tochter, der heiligen Katharina von Schweden, nach Rom. Birgitta selbst hatte acht Kindern das Leben geschenkt. Die Kirche unter Papst Urban V. erkannte erst 1370 den Orden an.

Birgittas Visionen und Gebete

Birgittas Visionen hatten politische Bedeutung und wirkten gegen den kirchlichen Verfall jener Zeit. Ihre Gebete ‚Fünfzehn Gebete der hl. Birgitta‘ und die ‚Sieben Vaterunser‘ werden bis heute von vielen Gläubigen geschätzt. Ludwig Clarus hat diese 1856 in Regensburg drucken lassen. Heute zu beziehen beim Verlag A. Ruhland in Altötting.

Ein weiteres Büchlein „Gebete zu unserem Herrn Jesus Christus in seinem Leiden“, die der Heiligen in der Kirche Sankt Paulus in Rom geoffenbart wurden, sind beim Parvis-Verlag in Hauteville/Schweiz zu beziehen, einstmals 1740 veröffentlicht von Pater Adrien Parvillers SJ in Toulouse unter unter Approbation, Erlaubnis und Empfehlung der kirchlichen Behörden; 1862 dann von Papst Pius IX. approbiert.

Gleich der Kirchenlehrerin Katharina von Siena hatte Birgitta großen Einfluss auf die Päpste ihrer Zeit. Sie bedeutet für Schweden so viel wie Jeanne d`Arc für Frankreich.